Neongrünes Holzkreuz mit Hopfenpflanzen umrankt
© Diözese Regensburg, Kreuzabnahme, Josef Roßmaier

"Aktion Sterbebildchen" - Dem Verstorbenengedenken wieder ein religiöses Gesicht geben

24.08.2016

Sie sind so etwas wie die "letzte Visitenkarte" eines Menschen, es gibt sie in Farbe und schwarz-weiß, und manche Leute sammeln sie sogar wie andere Briefmarken: Die Rede ist von Sterbebildern, auch Totenzettel genannt.

Ihren Ursprung haben die Sterbebilder in den Niederlanden, so um das Jahr 1680. Damals noch handgeschrieben, wurden sie ab ca. 1730 gedruckt. Im deutschsprachigen Raum gibt es sie seit etwa 1850, wobei Sterbebilder in katholischen Gegenden weiter verbreitet sind als in evangelischen. Meist beim Requiem oder der Beerdigung ausgegeben, dienen sie als Erinnerung an den Verstorbenen und tragen neben dessen Lebensdaten oft auch ein Bild von ihm. Wenn sie dann ihren Weg ins Gotteslob finden, dienen sie auch als Gebetserinnerung für den Verstorbenen. Teilweise sind die Sterbebilder sogar zum Sammlerobjekt geworden, die größte private Sammlung umfasst 2,3 Millionen Exemplare und befindet sich in Belgien.

Im Bistum Regensburg wurde nun eine Aktion gestartet, die dem Sterbebild wieder seine religiöse Bedeutung zurückgeben soll.

Wer eines der neuen Motive haben möchte: Das Bischöfliche Seelsorgeamt hilft gerne weiter.

Hintergrund der Aktion

"Die betenden Hände von Dürer und viel viel Wald und Blumen..."


"Auslöser für die Aktion Sterbebilchen war eine Diskussion in der Dekanekonferenz im Februar dieses Jahres", so berichtet Domkapitular Monsignore Thomas Pinzer, stellvertretender Leiter des Bischöflichen Seelsorgeamtes in Regensburg. "Die Dekane konfrontierten uns mit dem Problem, dass es bei den Sterbebildern einen Nachbesserungsbedarf gäbe. Man hätte dort sehr einfache Darstellungen oder immer die gleichen Motive - die Betenden Hände von Albrecht Dürer oder die Pieta von Michelangelo - und so wurden wir im Seelsorgeamt gebeten, uns da einmal Gedanken zu machen".


Waren vor Jahren noch die religiösen Motive mit bis zu 95% der Renner, so hat sich das Blatt gewendet. Immer mehr sind unterschiedliche Naturmotive - Waldansichten, Blumen oder Sonnenuntergänge - für die aktuellen Sterbebilchen gefragt. "Das liegt sicher auch daran", weiß Andreas Alius, Geschäftsführer von Bestattungen Friede in Regensburg und seit über 25 Jahren in der Branche tätig, "dass sich der Bezug zur Kirche verändert hat. Dennoch sind Sterbebildchen sehr gefragt, gerade in einem Sterbefall erinnern sich viele an Traditionen und Rituale, da gehört das Sterbebildchen einfach dazu". 


Eine achtköpfige Fachrunde - bestehend aus Mitgliedern des Bischöflichen Seelsorgeamtes und der Bischöflichen Kunstsammlungen - suchte zunächst aus einer Vielzahl von möglichen, christlich akzentuierten Sterbebildchen sechs Motive aus. Dazu verfassten sie jeweils einen passenden Text.

Die Auswahl der Motive

"Vom Schmetterlingsreliquiar über die Herbergssuche zum Auferstandenen"


Diese sechs Motive wurden dann an prominenter Stelle im Sterbebildchen-Katalog von Bestattungen Friede platziert und bei Gesprächen mit trauernden Angehörigen wird besonders darauf hingewiesen. "In einigen Beratungsgesprächen, die ich selbst geführt habe", so berichtet Geschäftsführer Andreas Alius, "konnte ich ausnahmslos die Angehörigen für die neuen religiösen Motive gewinnen. Den größten Anklang findet das Motiv Der Auferstandene von Robert M. Weber, das ja im Regensburger Priesterseminar hängt".


Gefolgt wird es von dem Bild Herbergssuche von Herbert Muckenschnabl und dem Foto Rose vor Kreuz von Georg Schraml. "Gerade bei diesem Motiv, die blühende Rose vor dem leicht verschwommenen steinernen Grabkreuz im Hintergrund, wird das große Thema Glaube - Liebe - Hoffnung angesprochen. Die Rose als Symbol der Liebe, das Kreuz als Zeichen des Glaubens und die Hoffnung auf ein Wiedersehen nach dem Tod".


Ein Bildmotiv mit stark regionalem Bezug ist Kreuzabnahme von Josef Roßmaier, in dem speziell fotografierte Hopfenstangen mit eingearbeitet wurden. Eine ganz eigene Geschichte hat das Motiv Schmetterlingsreliquiar. Bei Restaurierungsarbeiten am großen Kruzifix der Regensburger Schottenkirche wurde im Jahre 1991 in den Werkstätten des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege im Haupt des Gekreuzigten ein Reliquiar gefunden. In der Form eines Schmetterlings birgt es einen Kreuzpartikel. Der Schmetterling steht für Kreuzestod und Auferstehung Christi.


Bis Ende des Jahres sollen diese sechs Motive angeboten werden. Dann will man schauen, wie sie angenommen wurden.

Die ausgewählten Sterbebildchen und Texte

© Diözese Regensburg, Rose vor Kreuz, Georg Schraml

Rose vor Kreuz


"Stark wie der Tod ist die Liebe" (Hoheslied 8,6)

© Diözese Regensburg, Der Auferstandene, Robert M. Weber

Der Auferstandene


"... ans Kreuz geschlagen und umgebracht. Gott aber hat ihn von den Wehen des Todes befreit und auferweckt; denn es war unmöglich, dass er vom Tod festgehalten wurde." (Apg 2, 23b - 24)

© Diözese Regensburg, Herbergssuche, Herbert Muckenschnabl

Herbergssuche


"Durch die barmherzige Liebe unseres Gottes wird uns besuchen das aufstrahlende Licht aus der Höhe, um allen zu leuchten, die in Finsternis sitzen und im Schatten des Todes und unsere Schritte zu lenken auf den Weg des Friedens." (Lk 1, 78f)

 

 

© Diözese Regensburg, Schmetterlingsreliquiar

Schmetterlingsreliquiar


"Eines Frühlingstages wird die Puppenhülle durchbrochen und daraus geboren wird ein Schmetterling. Er faltet seine Flügel auseinander und fliegt in die blaue, warme Luft. Wie der Schmetterling erstanden ist aus dem Grab und dem Tod, so lass uns jetzt mit Christus auferstehen und im neuen Leben wandeln."

 

 

© Diözese Regensburg, Kreuzabnahme, Josef Roßmaier

Kreuzabnahme


„Das Kreuz steht fest während die Welt sich dreht.“ (Leitspruch des Kartäuser-Ordens)

© Diözese Regensburg, Kreuz, Josef Roßmaier

Kreuz (schwarz-rot)


„So bitter der Tod ist, die Liebe vermag er nicht zu scheiden.“ (Hl. Augustinus)

 

 

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