Jugendliche laufen im Dschungel über Hängebrücke

Begegnung zwischen Kulturen: Junge Erwachsene aus dem Bistum reisen nach Myanmar

Ein nachhaltiger Austausch zwischen unterschiedlichen Kulturen, das soll es werden: Jugendliche und junge Erwachsene aus dem Bistum Regensburg und Myanmar begegnen sich. Die Idee dazu wächst schon seit Jahren im Bischöflichen Jugendamt und der Fachstelle Weltkirche zusammen mit dem KAAD Regensburg. Jetzt ist es soweit: Zum Auftakt reist vom 28. Februar bis zum 10. März 2018 eine Gruppe von zwölf Leuten unseres Bistums in das südostasiatische Land.

Das Bistum Regensburg unterstützt seit 2001 die Katholische Kirche in Myanmar mit einem Stipendienprogramm für Weltchristen. Daraus haben sich in den vergangenen Jahren vielfältige Beziehungen zwischen der Diözese Regensburg und der Kirche in Myanmar entwickelt. So war Kardinal Charles Maung Bo von Yangon Gast bei Katholikentag in Regensburg und Generalvikar Michael Fuchs war bei den Feiern zum 500jährigen Bestehen der Katholischen Kirche in Myanmar.

Die jungen Reisenden aus Regensburg treffen die Stipendiaten und andere junge Christen aus Myanmar und lernen die dortige kirchliche Seelsorge und Jugendarbeit kennen. Die Gruppe wird begleitet von Jugendpfarrer Christian Kalis, von Ruth Aigner von der Fachstelle Weltkirche und dem Myanmarbeauftragten des Bistums, Gregor Tautz.

Da sind spannende Begegnungen und viele, viele Eindrücke vorprogrammiert. Wir möchten euch mitnehmen auf diese Reise und ein Stück weit miterleben lassen, was die jungen Leute erleben. Die Teilnehmer verfassen hier Tag für Tag ein Reisetagebuch. Einmal schreibt der eine Teilnehmer, dann wieder ein anderer. Jeder schildert seine persönlichen Eindrücke auf seine eigene Art - wir freuen uns, die Gruppe begleiten zu dürfen!

Mehr Details :

Tag 1: Die Reise beginnt

Begrüßung der Gruppe am Flughafen.
Abendbeleuchtung rund um die Pagode.

Frohen Mutes machen wir uns mit dem Zug auf den Weg Richtung Flughafen München. In Freising kurz zehn Minuten bei -13°C auf den Flughafenbus warten. Aber uns erwartet ja ausreichend Sonne - dies lässt die Kälte etwas erträglicher erscheinen.

 

Langsam treffen alle ein. Gruppen-Check-in hinter uns bringen und schon sind wir am Gate: das Abenteuer geht los!

 

Sechs Stunden bis Dubai, kurzer Umsteigestopp und schon sitzen wir im Flieger nach Yangon, wo wir fünf weitere Stunden später, abends um sechs bei +33°C, herzlich am Flughafen empfangen werden: mit einer Rose für jedes Reisegruppenmitglied - überreicht von unseren Stipendiaten und Stipendiatinnen! Was könnte ein herzlicherer Empfang unter noch Unbekannten sein!?

 

Transfer zur Unterkunft, das Abendessen steht schon bereit. Umziehen und schon geht's weiter zum ersten Highlight: die berühmte, goldene Shwedagon Pagode erstrahlt hell von Scheinwerfern und vom Vollmond erleuchtet. Der Vollmond bedeutet in der buddhistischen Tradition immer einen Festtag, weshalb wir gleich in die sehr belebte, feierlich-andächtige Stimmung einer großen Menschenmenge eintauchen konnten und dabei als Europäer natürlich trotzdem ständig herausstachen.

 

Wir schlendern also ein wenig über den bestens gefüllten Platz rund um die Pagode und erleben die ganz besondere Atmosphäre, bevor wir uns wieder Richtung Unterkunft begeben - die wir mittlerweile mit der bayerischen Fahne ausgestattet haben! Ab ins Bett, denn morgen geht's erst richtig los. Wir freuen uns darauf!

 

Für den 1. März schreibt Michael Fischer.

Tag 2: Tag der Generationen

Zu Besuch im einzigen katholische Altersheim in Yangon.
Hier werden die Lehrer und Lehrerinnen ausgebildet.

Gleich nach dem Frühstück haben wir mit den Alumni das einzige katholische Altersheim in Yangon besucht. Die Bewohner und Bewohnerinnen wirken sehr glücklich und zufrieden, sie sitzen zusammen, sind offen und haben sich über unseren Besuch gefreut. Uns ist besonders aufgefallen, dass sich das Personal sehr um die Bewohner und Bewohnerinnen kümmert und sich viel Zeit für sie nimmt. Auffallend ist auch, dass sie viele Feste gemeinsam feiern, wo die Bewohner und Bewohnerinnen selbst etwas vorbereiten und aufführen.


Anschließend waren wir in der PSIE, einer Einrichtung zur Lehrerausbildung, wo wir die Lehrer/-innen und Studierenden kennen gelernt und Einblick in die Ausbildung und ihre besondere Herangehensweise bekommen haben. Die Teilnehmenden des Projekts kommen aus allen Religionen und ethnischen Gruppen Myanmars. Damit will die katholische Kirche zeigen, dass ihr die Würde von allen Menschen am Herzen liegt und sie der gesamten Gesellschaft dienen will.

Drei der Organisatoren in dieser Einrichtung bekamen durch die Diözese Regensburg die Chance, in Bangkok Erziehungswissenschaften zu studieren und sind dadurch nun in diesem Ausbildungszentrum angestellt. In Myanmar haben die Kinder normalerweise keine Chance auf eine gute Schulbildung, nur die Grundschule ist für alle umsonst. Die Lehrkräfte geben viel dafür, dass die Kinder eine gute Schulausbildung sowie gute Englischkenntnisse bekommen. Beeindruckend ist, wie viel Energie und Leidenschaft sie in das Programm hineinstecken.

Mit dem Besuch wollten die Alumni den Beitrag der katholischen Kirche für eine pädagogisch innovative und kritische Lehrerausbildung im burmesischen Bildungssystem verdeutlichen. Die Studierenden aus den anderen Regionen verbreiten das in der PSIE Gelernte auch in ihrer Heimat, damit nach und nach immer mehr Kinder eine gute Schulausbildung bekommen.

Nach dem Mittagessen haben wir das Bestattungsinstitut FFSS (sozialer, kostenloser Bestattungsservice) besucht. Zusätzlich zum Bestattungsinstitut gibt es dort auch Krankenwägen, ein Krankenhaus, Feuerwehrausstattung und eine Schule. Einige Angestellte und zahlreiche Freiwillige arbeiten dort.


Zum zweiten Mal besuchten wir auf unserer Reise dann die Shwedagon Pagode: Eine einheimische Buddhistin hat uns herum geführt und uns viel über den Buddhismus, dessen Rituale und die Pagode erzählt.

Für den 2. März schreiben Franzi Reichel und Jojo Reichel.

Tag 3: Die Jugend und unsere Alumni

Vorführung eines einheimischen Tanzes.
Das Gebäude des CBCM.

Der heutige Tag stand unter dem Motto "Jugend". Nach dem Frühstück ging es mit dem Taxi zur CBCM (Catholic Bishop Conference of Myanmar). Dort trafen wir auf die Mitglieder der NCYC, der National Catholic Youth Comission, einer Art BDKJ in Myanmar. Zu Beginn wurden wir vom Präsidenten des NCYC begrüßt, welcher uns auch die Gruppe vorstellte, mit der wir uns hier trafen.

 

Aus jeder der sechzehn Diözesen in Myanmars haben zwei Jugendliche die Möglichkeit, an einem Workshop teilzunehmen, bei dem sie Computer- und Englischunterricht bekommen. Organisiert wird dieser von der NCYC und umfasst neun Monate.

 

Anschließend wurde uns ein Tanz vorgeführt, der anlässlich des 8. Nationalen Jugendtages, der im März stattfinden wird, eingeübt wurde. 2500 Jugendliche aus allen acht "Staaten" Myanmars werden bei diesem Treffen anwesend sein. Die Organisation übernimmt die Gruppe, die wir heute kennenlernen durften. Die Jugendgruppe gab uns auch einen Einblick in Kultur, Sprache und Kleidung der drei größten Bundesstaaten in Myanmar. Beispielsweise ist der Chin-State im Nordwesten Myanmars der einzige Staat, in dem mehr Christen (93,4%, v.a. Baptisten) leben als Buddhisten.

 

Anschließend erzählten wir, wie bei uns die Jugendarbeit (z.B. KLJB, Ministranten, Kolping) abläuft. Auch die Aktivitäten der NCYC wurden uns durch ansprechende Bilder gezeigt. Diese bestehen vor allem aus Nationalen/Internationalen Treffen, Taizé-Gebeten und Sportveranstaltungen.

 

Nach der Mittagspause kamen einige Alumni aus dem Regensburger Stipendienprogramm ins CBCM. Zuerst wurden wir mit der Organisation dieses Programms vertraut gemacht. Der finanzielle Teil wird vom der Diözese Regensburg getragen, für den organisatorischen Teil (wie die Auswahl der jungen Christen) ist der KAAD (Katholischer Akademischer Ausländer Dienst) zuständig. Das Programm ermöglicht den jungen Männern und Frauen an der Assumption University of Bangkok zu studieren, weil es für Christen als Minderheit in Myanmar schwierig ist, solche Möglichkeiten zu bekommen. Für dieses Angebot wurde eine Universität in Thailand ausgewählt, da die Abschlüsse dort international anerkannt werden, anders als bei einigen burmesischen Abschlüssen. Den restlichen Nachmittag beschäftigten wir uns mit den Berufen, die die Stipendiaten nach dem Studium ergriffen. Auch einige von uns stellten ihre berufliche Situation vor.

 

Auf dem Programm stand noch eine Abschlussfeier einer jesuitischen Englisch-Akademie, für die wir kurzfristig eine Einladung erhalten hatten. Um den Stipendiaten auch etwas bayrische Kultur näher zu bringen, luden wir sie danach zu unserem traditionellen Abend ein, bei dem wir unsere mitgebrachten Trachten anzogen und Tänze vorführten.

 

Für den 3. März schreibt Barbara Keil.

Tag 4: Bis an die Ränder und zurück… zu Kardinal Bo!

Die Gruppe aus dem Bistum zusammen mit den Einheinmischen und Kardinal Charles Bo.
Ein Haus in Myanmar.
Grundkurs im Töpfern.

Heute stand wieder ein langer Tag auf dem Programm: Bereits um 8 Uhr feierten wir gemeinsam mit den Einheimischen in der Kathedrale von Yangon eine Hl. Messe, bei der unser Jugendpfarrer konzelebrierte.

 

Anschließend gingen wir zu Fuß durch die Straßen der Großstadt Richtung Yangon River.

 

Mit dem Schiff überquerten wir den Fluss und auf der anderen Seite wurden wir schon von einem Bus empfangen. Mit diesem fuhren wir aus der Stadt hinaus und sahen so auch abgelegenere Orte der Umgebung.

 

Nach einer ungefähr einstündigen Busfahrt erreichten wir unser Ziel: Das Assumption Learning Loft in Twantay, einem kleinen Ort nahe Yangon. Dieses wurde uns kurz vorgestellt, anschließend gab es noch einen gegenseitigen Austausch. Angeboten werden dort Englisch- und Computerkurse zu einem niedrigen Preis, damit auch ärmere Familien sich diese Weiterbildung leisten können.

 

Nach einem gemeinsamen Mittagessen fuhren wir zu einer Töpferfamilie. Dort wurde uns das Handwerk erklärt, einige durften sich auch selbst im Töpfern versuchen. Am Ende unserer Tour durch Twantay stand noch die Pagode auf dem Programm, die wir uns anschauten, bevor es auch schon wieder zurück nach Yangon City ging - denn wir hatten noch einen wichtigen Termin: Am Abend trafen wir Kardinal Charles Maung Bo von Yangon!

 

Nach einer kurzen Vorstellungsrunde konnten wir uns mit dem Kardinal austauschen und ihm unsere Fragen stellen. Vor allem das Thema Bildung ist ihm hier in Myanmar sehr wichtig, aber auch der interreligiöse Dialog.

 

Kardinal Bo berichtete, dass alle 16 Diözesen Myanmars das Thema "Bildung" zu ihrem Hauptfokus gewählt haben. Besonders zur Zeit der Militärdiktatur litten die Bildungsinstitutionen unter enormen Qualitätseinbußen, weshalb er sich aufrichtig für die Unterstützung durch das von Regensburg finanzierte KAAD-Stipendienprogramm bedankte. Er hob besonders hervor, dass die Katholische Kirche in Deutschland ein wichtiger, beständiger und verlässlicher Partner in den letzten Jahrzehnten - gerade auch während der Zeit der Diktatur - gewesen sei.

 

Zum Schluss zeigte er uns noch sein ehemaliges Büro bzw. das Zimmer, das Papst Franziskus bei seinem Besuch im Dezember bewohnt hat. Die Diözese hat beschlossen, es weiterhin als kleines Museum für Besucher zugänglich zu machen. Beim Gespräch mit dem Kardinal war es sehr interessant zu hören, wie seine Meinung zu verschiedenen Themen ist. Uns allen hat dieser Austausch sehr gefallen, da Kardinal Bo eine sympathische Person ist.

 

Für viele von uns war es das erste Mal, dass sie so abgelegene Orte gesehen haben und wie die Menschen dort wohnen, oft nur in Strohhütten. Teilweise war dies sehr erschreckend, aber auch interessant zu sehen. Auch beeindruckt hat uns die Töpferei im Familienbetrieb, die Tongefäße für ganz Myanmar herstellt. Insgesamt war es wieder ein spannender Tag voller vieler, neuer Eindrücke und schließlich konnten wir uns bei einem gemütlichen Abend in der Unterkunft ausruhen.

 

Für den 4. März schreibt Alexandra Fröhlich.

Tag 5: Das Lachen der Kinder in den Ruinen eines Landes

Begegnung mit Kindern.
Jugendpfarrer Christian Kalis im Gespräch mit einheimischen Jungen.

Der heutige Tag beginnt noch fröhlicher als sonst. Wir sind nach Tagen des Schlafmangels endlich einmal einigermaßen ausgeschlafen und nach dem heißen anstrengen Vortag ist die kühle Morgenluft sehr angenehm.

 

Unsere Reise nach Pathein, die Hauptstadt des Ayeyawardy Deltas, beginnt in einem arktisch kalten Reisebus - die chinesische Klimaanlage lässt sich nur komplett einschalten oder ausschalten. Arktis oder 40°: eine schwierige Entscheidung.

 

Anfänglich führt uns unsere Fahrt vorbei an den mittlerweile vertrauten, heruntergekommenen Wohnblöcken. Bereits hier reden wir darüber, wie man eine Stadt so in den Boden wirtschaften kann. Während wir um Gottes Segen in einem Lied bitten verlassen wir die urbane Gegend und kommen hinaus in die Vorstädte.

 

Hier wird uns die Bedeutung eines durchschnittlichen Jahreseinkommens von 1430 Dollar erst richtig bewusst. Die Straßen sind gesäumt von Hütten aus Stroh, Bambus und Plastikfolien. Inmitten von Müllbergen spielen kleine Kinder. Die Hütten sind auf Stelzen über einer braunen Brühe gebaut, hinter ihnen ragen die riesigen Fabrikhallen der Textilfabriken auf, die Myanmar als eine der letzten rentablen Produktionsstätten in Südostasien sehen. Bangladesch wird ihnen zu teuer.

 

Die einzigen grünen Flecken, die nicht von Hütten und Müll bedeckt sind, sollen neues Bauland werden. Früher haben hier Menschen gelebt, denen dieser Platz genommen wird. Es ist ein äußerst beklemmendes und beschämendes Gefühl, in einem klimatisierten Bus zu sitzen, während draußen diese Szenen an einem vorbeiziehen.

 

Als wir endlich vorbei sind an Liebherr, Claas und Scania ist der Kontrast der grünen saftigen Landschaft aus Palmen, Bambus und Reisfeldern umso größer. Die vorher unmenschlich wirkenden Hütten haben hier einen unheimlichen idyllischen Anschein. Die ganze Landschaft ist von Flussarmen durchzogen und der Weg von Fischfarmen gesäumt, die Straßen sind laut und voll, die Geschwindigkeiten für die Straßenverhältnisse halsbrecherisch.

 

Unser nächster Stopp führt uns in eine Don-Bosco-Pfarrei, in der wir von Kindern auf die schönste Weise empfangen werden. Wir können uns kaum losreißen von den anfangs noch etwas schüchternen aber dann umso mehr begeisterten Kindern. Das Essen hat etwas Beklemmendes: Es scheint so falsch, hier in dieser einfachen Pfarrei zu sitzen und ein wahres Festmahl zu essen, während neben einem die Einheimischen sitzen und einem beim Essen zusehen ohne selbst etwas anzunehmen.

Ein traditionelles Ballspiel in Myanmar.

In Pathein erleben wir eins der bisherigen Highlights: Anfangs waren wir noch etwas nervös, ein Waisenhaus in einem Gebiet zu besuchen, dass so schwer vom Zyklon Nargis getroffen wurde, der mehr als 100000 Tote forderte. Doch dies wurde uns schon beim Betreten des Gebäudes genommen. Die Mädchen sind unbefangen in unserer Gegenwart, tauschen sich rege mit uns aus und zeigen auch keine Scheu Fragen zu stellen. Das Bildungsniveau und das Selbstbewusstsein sind unglaublich beeindruckend und die Arbeit der Schwestern umso unglaublicher.

 

Beim Besuch des Jungenwaisenhauses werden wir bekannt gemacht mit einer traditionellen Sportart Myanmars. Dabei wird ein Ball mit den Füßen und Köpfen über eine Art Volleyballnetz gekickt. Es sieht beim Zusehen äußerst einfach aus - das ist es aber sicher nicht.

 

Beim Besuch einer privaten katholischen Schule wird uns erneut die enorme Bedeutung der Kirche für die Bildung in Myanmar bewusst. Hier wird den Menschen ermöglicht ein Englischniveau zu erreichen, das sie später im Arbeitsleben wirklich nutzen können - keine Selbstverständlichkeit im staatlichen Schulsystem Myanmars. Auch die unglaubliche Gastfreundschaft und Offenheit der einheimischen Geistlichen wird deutlich, als wir das Priesterseminar sowie einen Schwesternkonvent mit Noviziat besuchen.

 

Weiter geht es bei einem wunderschönen Sonnenuntergang zur Residenz des Bischofs der Diözese Pathein, Bischof John Hsane Hgyi. Die diversen Probleme werden offen angesprochen: Die extreme Armut, das niedrige Bildungsniveau, das fehlende Selbstbewusstsein der Menschen und auch die Probleme der Kirche, vor allem der Verlust von Glaubensfestigkeit. Aber auch der Bischof betont die große Bedeutung der Bildung für das ganze Land: Dies sei der einzige Weg, um das Land weiter nach vorne zu bringen. Beeindruckend sind seine Ansichten zur Rolle der Kirche: Er möchte keine Führung für die Menschen, sondern eine Führung mit den Menschen. Wir sprechen außerdem über die Relevanz der Interreligiösen Zusammenarbeit, die einen wichtigen Baustein zum friedlichen Zusammensein der Menschen im Vielvölkerstaat darstelle.

 

Nach diesem aufwühlenden Tag hat eine gemeinsame Reflexion der bisherigen Zeit eine besondere Bedeutung: Sie hebt den besonderen Gruppenzusammenhalt hervor, die Offenheit und Freundlichkeit der Menschen, aber auch die Hilflosigkeit, dass man nichts zurückgeben kann.

 

Für den 5. März schreibt Theresia Wittmann.

Tag 6: In den Dörfern

Ein Dorfbewohner mit seinen Kindern.
Mehr als drei Kinder in einer Familie - und keins davon hat bisher einen Menschen gesehen, der nicht aus Myanmar kommt.
Sonnenuntergang.

Unser Tag begann mit einer Messe um 6 Uhr in der Kathedrale von Pathein, der einzigen grünen Kathedrale in Myanmar. Der beeindruckende Gesang der Birmanen belohnte das frühe Aufstehen. Wir trugen die traditionellen Gewänder, welche Bischof John Hsane Hgyi uns am Vortag geschenkt hatte.

 

Einige Gruppenfotos später teilten wir uns in drei Gruppen auf, um drei verschiedene Dörfer zu besuchen und dort jeweils über Nacht zu bleiben. Dies war nur aufgrund einer absoluten Ausnahmegenehmigung möglich, normalerweise ist es verboten als Tourist bei Privatpersonen zu übernachten.

 

Das Dorf, in das ich fuhr, war am schwierigsten zu erreichen, daher sind nur drei Personen unserer Gruppe zusammen mit zwei Stipendiaten dorthin gefahren. Die Fahrt war wirklich abenteuerlich, wir saßen auf der Ladefläche eines Pickups, der hupend mit 80 km/h über die holprige Straße bretterte. Eine Stunde später stiegen wir auf Motorräder um, da der schmale Pfad zwischen den Reisfeldern und durch die Waldabschnitte nur mit Motorrädern befahrbar ist. Im Dorf angekommen, wurden wir sehr herzlich von allen Bewohnern empfangen und uns wurde sofort Essen angeboten. Außerdem wurden wir bei einem Rundgang durch das Dorf in fast jede der etwa 40 Hütten zu Tee und Snacks eingeladen. Mir wird immer der Moment in Erinnerung bleiben, in dem wir in einer der Hütten erfuhren, dass die Mutter von sieben Kindern vor zwei Monaten gestorben ist. Der Vater kümmerte sich liebevoll um seinen jüngsten Sohn, der erst zwei Jahre alt war.

 

Die medizinische Versorgung ist schwierig, uns wurde erzählt, dass viele Menschen in den Dörfern an Dengue-Fieber sterben. Den Dorfbewohnern war die Einfachheit ihrer Einrichtung, beispielsweise die Plumpsklo-Toilette, uns gegenüber unangenehm. Wir erfuhren, dass die Männer als Tagelöhner auf den Reisfeldern einzelner Großgrundbesitzer nur ca. 3000 Kyat (ca. 2 Euro) verdienen. Trotz ihrer Armut boten sie uns bei unserem Besuch immer das Beste an, was sie besaßen. Für unsere Mahlzeiten steuerte jeder Haushalt etwas bei, sodass wir mittags und abends vor einem leckeren Buffet mit großer Auswahl standen.

 

Jede Familie hat mehr als drei Kinder, sie haben momentan Sommerferien. Stolz präsentierten sie uns die Drillinge einer Familie. Die Kinder hatten noch nie zuvor europäische oder generell anders aussehende Menschen gesehen, daher waren sie zu Anfang zurückhaltend. Doch die Berührungsängste waren bei verschiedenen Spielen schnell vergessen.

 

Während des Sonnenuntergangs führten uns die Dorfbewohner hinaus zu den Feldern. Die Landschaft, zusammen mit den Ochsenwagen, bot ein malerisches Bild. Im Anschluss bot uns das gesamte Dorf eine genau strukturierte und organisierte Aufführung dar. Die Jüngsten, die Jugend und die Erwachsenen sangen uns mehrere Lieder in beeindruckend vielen verschiedenen Stimmen vor. Dies wurde von einem Tanz und vielen Dankesreden begleitet. Natürlich "mussten" wir daraufhin auch singen und Reden halten. Da wir am nächsten Tag um 5 Uhr aufstehen wollten, weil in dem Dorf um 5:30 Uhr der Gottesdienst stattfindet, legten wir uns um 22 Uhr in dem extra weich ausgelegten Schlafplatz in der Hütte einer der Familien schlafen.

 

Ich will nie die Aufgeschlossenheit und außerordentliche Gastfreundschaft der Dorfbewohner vergessen. Die Selbstverständlichkeit, mit der sie uns so warm und herzlich aufgenommen haben, obwohl sie nicht wussten was sie erwarten würde, hat mich sehr beeindruckt.

 

Für den 6. März schreibt Marie Parton.

Tag 7: Austausch in besonderer Umgebung

Entspannen mit Kokosnuss am Strand.

Morgens 6:00 Uhr: der "Giggal kräht" in unserer Gastfamilie. Anschließend ging es ins Schwesternhaus zum frühstücken. Leider mussten wir nun schon unsere Koffer packen, denn es ging weiter zum Treffpunkt, wo wir als Gruppe wieder alle vereint wurden. Auch einige der Stipendiaten und Stipendiatinnen und andere kirchlich engagierte junge Erwachsene waren mit an Bord. Ziel des heutigen und halben morgigen Tages ist der weitere, informelle Austausch mit lokalen Gleichaltrigen. Und das in einer unkomplizierten Umgebung, die uns gleichzeitig einen neuen Blick auf Myanmar ermöglicht: Die schöne Westküste des Landes.

 

Endlich am Indischen Ozean angekommen bezogen wir unser Quartier. Nach einer kurzen Besprechung machten wir uns gemeinsam auf den Weg Richtung Strand. Dort kühlten wir uns im Meer ab, reflektierten die letzten Tage und lernten auch in dieser Situation wieder Neues von- und übereinander. Anschließend erkundeten wir die 200 Meter entfernte Insel und schwammen wieder Richtung Festland zurück. Nach einem entspannten Nachmittag unter Palmen und Sonne saßen wir noch mit unseren neuen Freunden aus Pathein bei einem gemeinsamen Abendessen zusammen und ließen den Abend während des Sonnenuntergangs ausklingen.

 

Für den 7. März schreiben Dominik Plötz und Harald Wittenzellner.

Tag 8: Eine Kirche der Armen, die neue Hoffnung schafft

Plastik und Unrat zwischen den Häusern - kein seltenes Bild.
Die Kirche trägt viel zur Verbesserung in den ländlichen Gegenden bei.
Im Diözesanzentrum von Pathein wird Jugendpfarrer Christian Kalis das örtliche Personal erklärt.

Pfarrer Florence und Raimond winken uns zum Abschied zu, als sich unser Bus langsam in Bewegung setzt. Vier gemeinsame Tage haben wir in der Diözese Pathein verbracht, dort viel erlebt, gesehen und neue Freundschaften geschlossen. Auch ein Stück bayerische Kultur, Tänze, Schmankerln und Fotos von Schnee haben wir in die Dörfer gebracht. Wie sagte ein Ortspfarrer, als ihm unser Jugendpfarrer ein Fläschchen Blutwurz geschenkt hatte? "Always when I see this bottle, I will remember you, Father." An die tollen Momente werden auch wir gerne zurückblicken.

 

Für uns geht es nun wieder nach Yangon, den Ausgangspunkt unserer Reise. Wir fahren an den mit Stroh und Heu bedeckten Bambushäuschen vorbei, bestaunen riesige Maisfelder und sogar Elefanten, auf denen die Einheimischen sitzen und diese zu Transportmitteln umfunktioniert haben. Immer wieder sehen wir aber vor allem lachende und fröhliche Menschen. Selbst wenn um sie herum der Staub wegen des starken Verkehrsaufkommens wirbelt und ihre Häuser eher an ein improvisiertes Zeltlager erinnern, scheinen sie glücklich zu sein. Myanmar - das ist nicht nur das Land mit den vielen goldenen Pagoden, die überall das Ortsbild prägen und sich dem Himmel entgegenstrecken, das ist auch das Land des Lächelns.

 

Da unser Bus auf den unebenen und mit Schlaglöchern übersäten Straßen fast wie ein Schiff auf hoher See wankt, immer wieder abrupt bremst und ständig hupt, ist während der Fahrt an Schlaf nicht zu denken. Stattdessen erinnern sich viele von uns an die Begegnungen, die wir in den winzigen Ortschaften rund um Pathein machen durften. Unweit von Taungyargone erzählte uns der zehnjährige Albert, dass zwei seiner Geschwister am Dengue-Fieber gestorben seien. Die medizinische Versorgung vor Ort ist immer noch sehr schlecht. Doch langsam verbessert sich die Situation in den ländlicheren Gegenden - auch dank der Kirche und Spendengelder aus dem Ausland. Die Bildung spielt für die Menschen vor Ort ebenfalls eine entscheidende Rolle. Der 19-jährige Jumbo möchte später einmal in der Touristikbranche arbeiten und studiert Geographie an der Universität in Yangon. Gleichzeitig unterrichtet der junge Katholik ehrenamtlich Englisch an einer kirchlichen Schule. Für ihn ist das eine Selbstverständlichkeit, schließlich hat auch er an kirchlichen Einrichtungen gelernt.

 

Wer gut ausgebildet ist, für den eröffnen sich in Myanmar neue Chancen. Doch von Wohlstand und Reichtum ist Myanmar noch weit entfernt. Das zeigt sich uns, als wir durch die Vororte von Yangon fahren. Das ständige Hupen der Autos erfüllt die Luft, Sandstaub und dunkle Abgaswolken vernebeln die Sicht. Ein Auto reiht sich an das andere, vorwärts geht es auf den völlig überfüllten Straßen nur im Schritttempo. Einige Fußgänger und Radfahrer tragen Atemschutz, um die Schadstoffe nicht einatmen zu müssen. Die Menschen, die direkt am Straßenrand in kleinen Bambushütten inmitten von Müll wohnen oder ihre Waren verkaufen, sind dem Smog hingegen schutzlos ausgeliefert. Sie leben hier unter erbärmlichen Bedingungen, zwischen alten Plastikflaschen und Müllbeuteln, in denen Ratten nach Essensresten suchen. Dies ist zwar nur eines von vielen Beispielen, zeigt aber die bittere Realität in Myanmar. Noch schlechter sind die Bedingungen auf dem Land. Hier ist die Bevölkerung bitterarm, die Menschen verdienen im Schnitt lediglich drei Euro am Tag. Gearbeitet wird ohne Schutzausrüstungen - weshalb Myanmar wohl auch das Land mit der höchsten Todeszahl an Schlangenbissen ist.

 

Die Kirche in Myanmar, das lehrt uns die Visite vor Ort, ist vor allem eines: Eine Kirche der Armen, die auf Bildung setzt und so neue Hoffnungen für die Zukunft schafft.

 

Für den 8. März schreibt Philipp Seitz.

Tag 9: Letzte Erkundungstour durch Yangon

Langsam, aber stetig erhob sich die Sonne über Yangon, der Hauptstadt Myanmars. Nach den Entbehrungen der letzten Tage begaben wir uns noch einmal vorsichtig aus unseren Betten.

 

Beim Frühstück wurde noch fleißig diskutiert, wie der heutige Tag verlaufen soll. Unsere Reiseleitung will uns den letzten Tag zur freien Verfügung geben, um die Stadt selbst zu erkunden. Einerseits, um nochmal Eindrücke der hiesigen Sehenswürdigkeiten sammeln zu können, aber wohl auch um uns die Möglichkeit zu geben, unsere restlichen Kyat an den Mann zu bringen, da diese nicht ausgeführt werden dürfen.

 

In einer 6er-Gruppe machten wir uns auf, die Stadt zu besichtigen. Dabei bemerkten wir immer wieder die teilweise doch sehr ärmlichen Verhältnisse. Vorbei an dürftig gebauten Ständen und Wohnunterkünften, welche teils aus Bambus- oder Holzstöcken schnell mal zusammengebaut wurden, sowie an stark verschmutzen Gassen mit nicht gerade angenehm wirkenden Gerüchen, betraten wir schließlich eines der zahlreichen Kaufhäuser Yangons. Hier wurde uns zum wiederholtem Mal klar, welche Gegensätze in diesem Land aufeinandertreffen. Wir betraten ein Gebäude, klimatisiert, das an Prunk und Schönheit kaum zu übertreffen war. Ein Geschäft reihte sich nach dem Anderen, von Nike bis Puma, von Adidas bis S.Oliver. In der Mitte des Gebäudes stand ein großer Brunnen, der als Blickfang dem Ganzen erst recht noch die Krone aufsetzte.

 

Schnell fiel uns auf, dass die Werbeplakate überwiegend mit westlich wirkenden Menschen gesäumt sind, was uns etwas verwirrte. Auch die Menschen, die sich hier bewegten, wirkten nicht gerade so, als würden sie zur typisch einheimischen Bevölkerung gehören.

 

Nach einer kleinen Pause in einem Café verließen wir mit dem Taxi das Kaufhaus, um schnell einen kleinen Mittagsimbiss einzunehmen. Dabei wurde die Zeit knapp, da wir noch kurz zu unserer Unterkunft wollten, bevor wir uns auf dem Dach eines Hochhauses mit den Anderen trafen, um dort den Sonnenuntergang als Abschied von diesem schönen Land genießen zu können. Flott ging es zurück. Koffer packen war angesagt bevor unsere letzte Feedbackrunde anstand.

 

Unsere Gruppe freute sich sehr, dass anschließend die Alumni, unsere neu gewonnenen Freunde, zu uns stießen. Es wurde noch eine kurze gemeinsame Reflexion gemacht, in denen jeder seine Eindrücke der vergangenen Tage einbringen konnte. Nachdem wir den Alumni unsere Gastgeschenke überreicht hatten wurden wir von ihnen zum Flughafen gebracht. Der Abschied fiel uns allen nicht leicht - doch ich glaube, dass wir alle uns trotz Abschiedsschmerz auch wieder auf zu Hause freuen.

 

Für den 9. März schreibt Manuel Bauer.

Tag 10: Die Reise geht zu Ende - Unser Myanmar in Überschriften

Der letzte Tag unserer Reise startete sehr früh. Bereits um 2:00 Uhr nachts befanden wir uns nach einem reibungslosen Check-In auf der Startbahn. Mit an Bord waren viele neue Eindrücke und gesammelte Erinnerungen der letzten zehn Tage. Innerhalb der vergangenenen Urlaubstage wurden viele neue Bekanntschaften geschlossen und wir konnten einiges über eine ganz andere Kultur kennenlernen. Auf der zwölfstündigen Heimreise und einem kurzen Zwischenstopp in Dubai hatten wir nochmal genügend Zeit, die gesamte Reise Revue passieren zu lassen. Viele Beobachtungen und Erlebnisse, die während dieser Begnungsreise gemacht wurden, konnten noch gar nicht richtig verarbeitet werden. Diese werden bestimmt erst im Nachhinein und im Rückblick auf die Reise deutlich. Abschließend lässt sich sagen, dass diese Myanmarreise mit Sicherheit eine unvergessliche Erfahrung für jeden von uns war und wir auch in Zukunft versuchen werden, sowohl innerhalb dieser Reisegruppe in Kontakt zu bleiben, als auch eine weiterführende Gemeinschaft mit den Stipendiaten aufrecht zu erhalten.

 

Angenommen, die Myanmarreise würde als Buch angesehen werden, dann wären die 15 nachfolgenden Sätze die jeweiligen persönlichen Überschriften der Reiseteilnehmer:

 

Myanmar - eine Gelegenheit zu neuen Begegnungen, zu einer einzigartigen Kultur, mit unglaublich liebenswürdigen Menschen in Kontakt zu treten und unvergessliche Eindrücke zu sammeln.


Myanmar ist soooo schön.


Myanmar: ein Land der Gegensätze - goldene Pagoden neben grauen Häuserblöcken


Myanmar: super Leute, super Land, super Erfahrungen


Aufbruch: neue Hoffnung für Myanmar


Austausch mit neuen Eindrücken


Myanmar? Zwischen Thailand, Bangladesch und Indien


Myanmar - das Land des dauerhaften Anlächelns! :)


Myanmar - das Land der super tollen und hübschen Menschen


*M*enschen

*Y*angon

*A*temberaubend

*N*eues

*M*ultikulturell

*A*rm

*R* Religion


Myanmar - viele Begegnungen, feiern, Meer - was will man mehr?


Das unglaublich wunderschöne Myanmar, in dem wir atemberaubende Erfahrungen gesammelt haben und sehr tolle, freundliche Menschen kennengelernt haben, die wir immer im Herzen tragen werden.


Glück, Gold, Glaube - und vor allem gute Laune! - Eine berührende Zeit dank Euch und der Menschen Myanmars.


Eine Kirche - viele Welten


Leben in Fülle.

 

Für den 10. März schreibt Carmen Wittenzellner.

Reflexionen aus dem Planungsteam

Noch können wir es kaum glauben: Eine Reise nach Myanmar mit 15 Personen, ohne unangenehme Zwischenfälle, ohne Stimmungstief, ohne Beschwerden; stattdessen mit Fröhlichkeit untereinander und Offenheit gegenüber den Menschen um uns, mit ernsthaften Reflexionen, dem Zulassen neuer Erkenntnisse und Emotionen und mit Engagement und Interesse bis zuletzt – von Seiten der Teilnehmer/-innen beider Kulturen.

 

Wie lautet das Geheimrezept? Wir können nur mutmaßen: Vielleicht das Zusammenspiel vieler guter, wohlwollender Kräfte unter der Führung und Fügung des immer wieder spürbar werdenden, uns verbindenden Geistes.

 

Das Dreierteam der Organisatoren möchte rückblickend auf die gemeinsame Zeit dazu mit Ihnen einige Gedanken teilen:

 

Gregor Tautz

Beauftragter für das Myanmarprojekt, Bistum Regensburg

 

Ohne die Stipendiaten vor Ort wäre diese Begegnungsreise nicht möglich gewesen. Sie haben nach Absprachen im letzten Jahr in Yangon die Stationen ausgewählt und uns auch im zweiten Teil der Reise im Bistum Pathein begleitet.

Für den Erfolg der Begegnungsreise war aber nicht nur deren gute Organisation entscheidend, sondern die gemeinsame Zeit, das gemeinsames Feiern, das gegenseitige Interesse und das ähnliche Alter. Bei diesem Besuch waren nicht Repräsentanten des Stipendienprogramms oder des Bistums Regensburg im Mittelpunkt, sondern junge ehrenamtlich engagierte Christinnen und Christen, die eine Woche lang ihr Leben, ihren Glauben und das kirchliche Engagement ihrer Kirche gezeigt haben.

 

Ich denke, dass für viele Stipendiatinnen und Stipendiaten und viele Christinnen und Christen in Myanmar gerade diese Perspektive des kirchlichen Engagements junger Christen in Deutschland neu war. Christen aus Deutschland stellen nicht nur Geld zur Verfügung, sondern erzählen, wie sie versuchen, den Glauben zu leben. Über die Unterstützung durch das Bistum und den Katholischen-Akademischen-Ausländerdienst (KAAD) hinaus ist dadurch eine neue Ebene der Beziehung entstanden, die Dank der weltweiten Vernetzungsmöglichkeiten sicher weiter gepflegt wird.

Die Stipendiatinnen konnten den Gästen an Beispielen auch zeigen, wie sie seit den ersten Studienabschlüssen vor gut zehn Jahren in der Kirche und in der Gesellschaft Fuß gefasst haben. Sie arbeiten bei der Caritas auf nationaler und auf Bistumsebene, in kirchlichen und anderen Schulen. Eine Stipendiatin hat eine eigene Schule gegründet. Andere arbeiten für die neue Regierung, das internationale Rote Kreuz oder andere Hilfsorganisationen. Viele von denen, die in der Wirtschaft Arbeit gefunden haben, bleiben der Kirche weiter durch ehrenamtliche Mitarbeit verbunden oder unterstützen sie finanziell.

Domvikar Christian Kalis

Jugendpfarrer, Bistum Regensburg

 

Die biblische Zahl „12“ hatten wir in den Planungen für die Teilnehmer festgelegt. Eine gute Zahl, wie sich herausstellte: unsere katholischen Jugendverbände waren durch die Kolpingjugend und Katholische Landjugendbewegung (KLJB) ebenso vertreten wie eine Ministrantenabordnung und Pfarrjugendliche. Und obwohl sie sich vorher nicht kannten, war schon bei den beiden Vorbereitungstreffen das Verbindende spürbar: Die große Lust, neues „Leben in Fülle“ zu entdecken, sich beschenken zu lassen und eigene Erfahrungen weiterzugeben. Ganz selbstverständlich erklärten sich unsere jungen Menschen bereit, Präsentationen vorzubereiten und mit Überzeugung vorzustellen. Ohne eine Spur von Zurückhaltung gingen sie auf die Alten und Jungen, die Kranken und Armen zu, denen wir in Myanmar begegneten.

Sie kümmerten sich um geeignete Gastgeschenke und sprachen Einladungen an die gleichaltrigen Stipendiaten aus. Über soziale Netzwerke können diese ersten Begegnungen nun als Freundschaften weiter gepflegt werden.

 

Ein wesentlicher Eindruck bleibt sicher auch die Erfahrungen, dass christlich-katholischer Glaube in diesem ostasiatischen Land zur Nächstenliebe anspornt und die Menschen aus dem Glauben und der Feier der Sakramente Kraft schöpfen. Dabei schließt er nicht aus, sondern die Würde eines jeden Menschen ist Grund genug, sich ihm liebevoll zuzuwenden.

 

Angenehm überrascht waren die jungen Menschen von der Unkompliziertheit der "Hirten" dieser noch jungen Kirche in Myanmar. Da gab es keine Berührungsängste, sehr frei wurde mit dem Kardinal und dem Bischof gesprochen und man war sich schnell einig: "Education", d. h. Bildung ist das Fundament, auf dem sich hier etwas zum Besseren wenden kann.

 

Diese Eindrücke wollen unsere Teilnehmer/-innen mit nach Hause nehmen und dort davon erzählen.
Ich danke allen, die an der Vorbereitung und Durchführung dieser Begegnungsreise mitgewirkt haben.

 

 

Ruth Aigner

Fachstelle Weltkirche, Bistum Regensburg

 

Nach dem jahrelangen Kontakt zwischen einzelnen KAAD-Verantwortlichen in Deutschland und Myanmar nun mit einer engagierten Gruppe aus Regensburg durch ein sehr liebevoll geplantes Programm der burmesischen Alumni zu gehen, erscheint rückblickend als große, einzigartige Bereicherung für alle Seiten und machte das Erleben echter, persönlicher Begegnungen erst wirklich nachhaltig möglich.

 

Dabei scheinen "ganz normale" Begegnungen, direkter freundschaftlicher Austausch immer mehr zur Planungssache als zur Selbstverständlichkeit zu werden. Facebook, Whatsapp und Skype sind wichtige Brückenbauer geworden, sie lassen uns Kontakte unkompliziert und unmittelbar mit Menschen auf der ganzen Welt aufrechterhalten. Auch in den hier in Myanmar neugeformten Freundschaften werden sie eine essentielle Rolle spielen. Nicht vergessen dürfen wir dabei aber den Wert der echten persönlichen Begegnung:

Zutiefst berührt hat mich, als ich schon von Weitem eine ältere Dame, gestützt von zwei jungen Männern, Schritt für Schritt auf die Versammlungshalle in der Kirche zukommen sah. Mit 86 Jahren sei sie die Dorfälteste, wurde mir später berichtet. Sie hatte gehört, es kämen heute Menschen aus einem anderen Land zu ihnen, um ihre Dorfgemeinschaft zu besuchen. Welche Anstrengung sie dafür auf sich genommen hat, nur um dabei zu sein!

 

Mit ihrem Kommen erwies sie uns nicht nur größte Ehre, sondern damit gilt sie auch als Beweis für den unersetzbaren Wert von persönlicher Begegnung. Viele der Menschen, die wir getroffen haben, konnten vorher noch nie einen nicht-burmesischen Menschen erleben und ihm Fragen stellen. Es ist eine große Verantwortung, als Kleingruppe ein so viel diskutiertes Land zu repräsentieren. Die Hoffnung und der Wunsch stiegen in uns auf, dass auch andere Europäer, Politiker, Backpacker, Urlauber dies so sehen, die in Gegenden unterwegs sind, wo das Bild ihres Landes allein von ihrem eigenen Auftreten abhängt.

 

Begegnungen in kirchlichem Kontext fügen dem wiederum einen weiteren Aspekt hinzu: Mag uns der Besuch aus/in einer fremden Kultur auch noch so ungewohnt erscheinen, die Verbindung durch den gemeinsamen Glauben und durch unseren gemeinsamen Auftrag füreinander schafft Nähe und eine wertvolle Basis. Sie kann Türöffner sein für jede unkomplizierte Kommunikation.

Mich würde es freuen – und ich denke, davon dürfen wir ausgehen – wenn unsere Teilnehmer/-innen den Zauber dieser Verbindung und den Wert des persönlichen Austauschs ebenfalls in einigen ihrer Begegnungen spüren konnten; sei es mit den Bewohner/-innen im Altenheim, mit den Kindern in den Dorfgemeinden oder in den verschiedenen Einrichtungen, sei es mit den Gleichaltrigen beim Austausch im Sitzungsraum, beim gemeinsamen Bier oder beim Spaziergang am Strand. Durch diese gemeinsamen Situationen wird ein offenherziges Hinhören möglich, das Zulassen von Unterschiedlichkeit, die Anerkennung verschiedener Lebenswelten und das gemeinsame Nachdenken darüber, wie man sich gegenseitig unterstützen kann.

 

So ist sie meines Erachtens auch gedacht, die "Weltkirche" mit ihrem Charakter als Lern-, Solidar- und Gebetsgemeinschaft. Gerade auch im Sinne der Gebetsgemeinschaft haben wir vor allem in den Dörfern dazu eingeladen, das kommende Osterfest ganz besonders auch in weltkirchlichem Bewusstsein zu feiern und in der jeweiligen Osternacht an die neu entstandenen Freundschaften zwischen der Diözese Regensburg und der Kirche in Myanmar (v.a. zwischen jungen Erwachsenen beider Länder) zu denken.

 

Auch Sie möchten wir herzlich dazu einladen, sich dem Gedanken aneinander, an unsere Verbindungen in die Welt – in diesem Jahr speziell nach Myanmar – besonders in der Osternacht anzuschließen.

Zufrieden und voller zuversichtlicher Hoffnung, dass diese neuen Verbindungen und Erlebnisse in verschiedenen Formen weitergehen, weitergetragen werden in die Verbände, Familien und Kreise der Teilnehmer/-innen, danken wir der Diözese Regensburg sowie allen interessierten Blogleser/-innen vielmals für die Unterstützung und Ihre Begleitung auf unserer „Brücke ins goldene Land“.

 

Ihr

DV Christian Kalis, Gregor Tautz und Ihre Ruth Aigner

 

Ein extra Dank gilt auch unserer Bischöfl. Pressestelle (besonders Katharina Winterlich) für die Betreuung und Aktualisierung unseres Blogs – über alle Schwierigkeiten der verschiedenen Tagesrhythmen und Zeitzonen hinweg.

 

 

Für Rückmeldungen aller Art freuen wir uns über Kontakt unter:

 

weltkirche@bistum-regensburg.de oder jugendamtsleitung@bistum-regensburg.de oder gtautz@keb-kelheim.de