Patrozinien im Bistum Regensburg

22.07.2017

Die Kirchen und Kapellen im Bistum Regensburg tragen viele unterschiedliche Patrozinien. Wir stellen Ihnen einige davon vor!

Ein häufiges Patrozinium: "St. Josef"

Ein einmaliges Patrozinium im Bistum: "Unsere Liebe Frau von der guten Heimkehr"

Madonnen-Statue und Bundesverdienstkreuz, eine nicht alltägliche Kombination in einer Kirche.

Ein wohl weltweit einmaliges Patrozinium gibt es im Bistum Regensburg. In der Pfarrei St. Bartholomäus Zeitlarn, rund 10 km nördlich von Regensburg, steht die vor 50 Jahren erbaute Filialkirche „Unsere Liebe Frau von der guten Heimkehr“. Die Ursprünge des Patroziniums gehen zurück bis in die Zeit des Ersten Weltkriegs in Frankreich.

 

Von Frankreich nach Bayern

Damals rettete dort ein junger Soldat aus Bayern eine Madonnen-Statue aus einer brennenden Kirche und trug sie von da an in einem Koffer immer bei sich. Als er dann in einem Gefecht unter Beschuss geriet, blieb eine Kugel im Koffer und in der Madonna stecken. Sein Leben war gerettet.

Die Statue begleitete ihn zurück in seine Heimat und wurde von der Familie sehr verehrt. Als sein Sohn Josef (1907 - 1984) in den 30er Jahren für das Bistum Regensburg zum Priester geweiht wurde, schenkte er dem Sohn die Statue, die dieser in Ehren hielt. Nach dem Krieg trat Josef Steindl die Stelle eines Pfarrers von Zeitlarn (1949 - 1974) an und ließ von 1964 bis 1966 im Ortsteil Laub eine Filialkirche erbauen, die Bischof Rudolf Graber am 22. Mai 1966 konsekrierte. Alleine zur Maiandacht kamen an diesem Tag 600 Gläubige nach Laub. Hier sollte auch die Madonna aus Frankreich eine neue Heimat finden.

 

Ein nicht alltägliches Patrozinium

Eingedenk der „guten Heimkehr“, die die Gottesmutter Maria seinem Vater aus dem Weltkrieg beschert hatte, erhielt die Filialkirche das von Pfarrer Steindl neu geschaffene Patrozinium „Unsere Liebe Frau von der guten Heimkehr“. Oft ist auch von „Maria zur guten Heimkehr“ die Rede. Die Statue wurde im linken Seitenaltar der Kirche platziert.

 

 

Mosaik an der Außenwand der Filialkirche: "Unsere Liebe Frau von der guten Heimkehr", ein Werk des Regensburger Kirchenmalers Josef Jobst aus den frühen 70er Jahren.

Eine Neuschöpfung

Da dieser Titel der Gottesmutter aber eine Neuschöpfung war, fehlte dazu der Gedenktag. „Mariä Aufnahme in den Himmel ist wohl das bekannteste Marienfest“, so Zeitlarns aktueller Pfarrer Josef Schießl, „da ist es naheliegend, wenn es kein eigenes Marienfest im Kalender gibt, das man auch ein berühmtes Marienfest aussucht, zu dem die Bevölkerung einen Bezug hat“. Das Patrozinium feiert die Filialkirche deshalb am 15. August, an Mariä Himmelfahrt. Es sei auch immer das große Anliegen Pfarrer Steindls gewesen, das all jene, die auf dem falschen Lebensweg waren, wieder heim in die Kirche finden. Auch dieser Gedanke könne bei der Patroziniumswahl eine Rolle gespielt haben.

Maria als Wegweiserin, die dem Menschen eine gute Heimkehr beschert, die ihm den Weg zum himmlischen Vater in die ewige Heimat weist, ist auch das Thema des großen Mosaikes, das sich draußen über dem Kircheneingang befindet. Das Werk des Regensburger Kirchenmalers und Bildhauers Josef Jobst (1900 - 1980) zeigt die Gottesmutter mit Jesusknaben inmitten verschiedener Menschen. Da sieht man ein älteres Ehepaar genauso wie eine Mutter mit Kleinkind oder einen jungen Burschen mit Motoradhelm. Links neben der Madonna kniet ein junger Soldat in Uniform, der seine Feldmütze in der rechten Hand hält. Der Bezug zum Vater des Kirchenerbauers ist offenkundig.

 

Ein ausgezeichneter Seelsorger

Pfarrer Josef Steindl hat sich in den 25 Jahren seiner seelsorgerischen Tätigkeit in der Pfarrei Zeitlarn sowohl um die Pfarrgemeinde als auch um die Zivilgemeinde verdient gemacht. Neben der regen kirchlichen Bautätigkeit, sowie der Anschaffung neuer Kirchenglocken und einer Orgel, initiierte er den Bau der Regenbrücke, die Regendorf mit Zeitlarn und Laub verband. Mit Schulrektor und Bürgermeister gestaltete er das Zeitlarner Gemeindewappen und stiftete der Zivilgemeinde die Amtskette des Bürgermeisters.

Bei so viel Aktivitäten blieben die Ehrungen nicht aus. Der Regensburger Bischof ernannte ihn zum Geistlichen Rat, die Zivilgemeinde zu ihrem Ehrenbürger. Die Bundesrepublik Deutschland zeichnete ihn mit dem Bundesverdienstkreuz aus, das seinen Ehrenplatz über der Madonna seines Vaters in der Filialkirche bekam. Als Ruhestandsgeistlicher in der Pfarrei St. Bonifaz Regensburg verstarb er am 9. März 1984 und wurde wenige Tage später im Altarraum jener Kirche beigesetzt, deren Erbauer er war.

Ein weitverbreitetes Patrozinium im Bistum: "Mariä Himmelfahrt"

"Mariä Himmelfahrt"-Darstellung in der Klosterkirche Rohr

Unzählige Kirchen in Bayern und im Bistum (z. B. die Stadtpfarrkirchen in Deggendorf, Kelheim, Tirschenreuth und Vilsbiburg) sind der Gottesmutter geweiht. Doch warum ist gerade „Mariä Himmelfahrt“ so verbreitet? Diese Frage haben wir dem Vorsitzenden des Institutum Marianum Prof. Dr. Josef Kreiml gestellt.

 

Geburtstag für den Himmel

„Der tiefste Grund besteht wohl darin, dass die Gläubigen früherer Generationen in der Aufnahme der Gottesmutter in den Himmel ‚mit Leib und Seele‘ die größte Hoffnung für ihre eigene Zukunft gesehen haben“, sagt Professor Kreiml: „Es gibt das schöne Wort, der Sterbetag eines Menschen sei sein Geburtstag für den Himmel. Das trifft besonders für die Heiligen zu, deren liturgischer Gedenktag in der Regel auf ihren Sterbetag gelegt wurde. Die Auferstehung des Leibes ist ‚für die erlöste Menschheit der eigentliche Geburtstag‘, so schrieb es Hugo Rahner in seinem Buch ‚Maria und die Kirche‘. An Maria hat sich dies schon endgültig vollzogen.“

 

„Ein unglaublich starkes Hoffnungsbild“

Die Kunst in vielen „Mariä Himmelfahrt“-Kirchen macht das deutlich, erzählt Josef Kreiml: „In der Klosterkirche Rohr im Landkreis Kelheim beispielsweise befindet sich – als kunsthistorisch herausragendes Werk – die plastische Hochaltarkomposition von Egid Quirin Asam, die die Aufnahme der  Gottesmutter in den Himmel darstellt. Maria schwebt, von Engeln getragen, dem göttlichen Licht entgegen“. Deshalb sei „Mariä Himmelfahrt“ ein „unglaublich starkes“ Hoffnungsbild: „In einer Zeit, in der viele Menschen von Zweifeln und Zukunftsängsten geplagt werden, zeigt uns Maria durch ihr unerschütterliches Gottvertrauen den Weg, der in eine gute Zukunft führt.“