©iStock.com/OJO_Images

Valentinstag:

Er gilt als der Tag der Liebenden: der Valentinstag am 14. Februar. Die Wurzeln dieses Brauchs gehen zurück auf das Leben des christlichen Märtyrers Valentin von Terni, der als Priester trotz Verbot durch Kaiser Claudius II. Soldaten und Sklaven nach christlichem Ritus getraut haben soll. Den frisch Vermählten schenkte er Blumen aus seinem eigenen Garten. Am 14. Februar 269 wurde er, der Überlieferung nach, für dieses Vergehen hingerichtet.

Auch heute noch nutzen viele Menschen den Valentinstag, um ihrem Partner mit einem Blumengruß, einer kleinen Aufmerksamkeit oder auch nur mit Worten für die gemeinsame Zeit zu danken und somit der liebenden Verbindung Ausdruck zu verleihen.

Auch in der Poesie finden sich seit jeher Wege, Gefühle in Worte zu fassen und damit dem Liebenden diese zu offenbaren. In Zeiten von SMS, facebook-Posts und eMails finden die Menschen jedoch kaum noch Zeit, mit einem Liebesgedicht, sei es selbstverfasst oder von einem der Großen unserer Zeit, dem Partner oder der Angebeteten zu sagen, was man für ihn empfindet.

Im Folgenden wollen wir Ihnen einige, fast schon vergessene Klassiker aber auch moderne Gedichte aus dem Genre des „Poetry slam“ ans Herz legen und Sie dazu einladen, sich auf das Geschriebene und Vorgetragene einzulassen. Vielleicht finden auch Sie hier die eine oder andere Anregung, um Ihren Partner heuer mit einem kleinen Liebesgedicht zu überraschen.

Das Hohelied Salomos

©fotolia.de/onneur

Mit Küssen seines Mundes bedecke er mich. Süßer als Wein ist deine Liebe. Köstlich ist der Duft deiner Salben, dein Name hingegossenes Salböl; darum lieben dich die Mädchen.
Zieh mich her hinter dir! Lass uns eilen! Der König führt mich in seine Gemächer. Jauchzen lasst uns, deiner uns freuen, deine Liebe höher rühmen als Wein. Dich liebt man zu Recht.
Braun bin ich, doch schön, ihr Töchter Jerusalems, wie die Zelte von Kedar, wie Salomos Decken. Schaut mich nicht so an, weil ich gebräunt bin. Die Sonne hat mich verbrannt. Meiner Mutter Söhne waren mir böse, ließen mich Weinberge hüten; den eigenen Weinberg konnte ich nicht hüten.

Du, den meine Seele liebt, sag mir: Wo weidest du die Herde? Wo lagerst du am Mittag? Wozu soll ich erst umherirren bei den Herden deiner Gefährten? Wenn du das nicht weißt, du schönste der Frauen, dann folge den Spuren der Schafe, dann weide deine Zicklein dort, wo die Hirten lagern.

Mit der Stute an Pharaos Wagen vergleiche ich dich, meine Freundin. Schön sind deine Wangen zwischen den Kettchen, dein Hals in der Perlenschnur. Machen wir dir noch goldene Kettchen, kleine Silberkugeln daran. Solange der König an der Tafel liegt, gibt meine Narde ihren Duft. Mein Geliebter ruht wie ein Beutel mit Myrrhe an meiner Brust.

Eine Hennablüte ist mein Geliebter mir aus den Weinbergen von En-Gedi. Schön bist du, meine Freundin, ja, du bist schön. Zwei Tauben sind deine Augen.

Schön bist du, mein Geliebter, verlockend. Frisches Grün ist unser Lager, Zedern sind die Balken unseres Hauses, Zypressen die Wände.

©fotolia.de/manfredxy

Ich bin eine Blume auf den Wiesen des Scharon, eine Lilie der Täler. Eine Lilie unter Disteln ist meine Freundin unter den Mädchen. Ein Apfelbaum unter Waldbäumen ist mein Geliebter unter den Burschen. In seinem Schatten begehre ich zu sitzen. Wie süß schmeckt seine Frucht meinem Gaumen!

In das Weinhaus hat er mich geführt. Sein Zeichen über mir heißt Liebe. Stärkt mich mit Traubenkuchen, erquickt mich mit Äpfeln; denn ich bin krank vor Liebe. Seine Linke liegt unter meinem Kopf, seine Rechte umfängt mich.

Bei den Gazellen und Hirschen auf der Flur beschwöre ich euch, Jerusalems Töchter: Stört die Liebe nicht auf, weckt sie nicht, bis es ihr selbst gefällt.

Horch! Mein Geliebter! Sieh da, er kommt. Er springt über die Berge, hüpft über die Hügel. Der Gazelle gleicht mein Geliebter, dem jungen Hirsch. Ja, draußen steht er an der Wand unsres Hauses; er blickt durch die Fenster, späht durch die Gitter.

Der Geliebte spricht zu mir: Steh auf, meine Freundin, meine Schöne, so komm doch! Denn vorbei ist der Winter, verrauscht der Regen.

Auf der Flur erscheinen die Blumen; die Zeit zum Singen ist da. Die Stimme der Turteltaube ist zu hören in unserem Land.

Liebeserklärung an einen Reisenden (Jana Klar)

Liebesgedichte von Goethe

©fotolia.de/Jesse Barrow

Faust will Gretchen seine Liebe gestehen:

„O schaudre nicht! Laß diesen Blick,
laß diesen Händedruck dir sagen,
was unaussprechlich ist:
Sich hinzugeben ganz und eine Wonne
zu fühlen, die ewig sein muß!
Ewig! – Ihr Ende würde Verzweiflung sein
Nein, kein Ende! Kein Ende!“

Johann Wolfgang von Goethe - Aus dem Faust, Kap. 23

Liebe

Freudvoll
Und leidvoll,
Gedankenvoll sein,
Hangen
Und bangen
In schwebender Pein,
Himmelhoch jauchzend,
Zum Tode betrübt –
Glücklich allein
Ist die Seele, die liebt.

Johann Wolfgang von Goethe - aus dem Egmont

Ich habe dich so lieb (Joachim Ringelnatz)

©fotolia.de/johnsroad7

Ich habe dich so lieb!
Ich würde dir ohne Bedenken
Eine Kachel aus meinem Ofen
Schenken.

Ich habe dir nichts getan.
Nun ist mir traurig zu Mut.
An der Hängen der Eisenbahn
Leuchtet der Ginster so gut.

Vorbei - verjährt -
Doch nimmer vergessen.
Ich reise.
Alles, was lange währt,
Ist leise.

Die Zeit entstellt
Alle Lebewesen.
Ein Hund bellt.
Er kann nicht lesen.
Er kann nicht schreiben.
Wir können nicht bleiben.

Ich lache.
Die Löcher sind die Hauptsache
An einem Sieb.

Ich habe dich so lieb.

Joachim Ringelnatz

Dein Lächeln verdreht Köpfe - Fiva Mc & Das Phantom Orchester

Ich sah den Himmel glänzen (Anna von Gottberg)

©fotolia.de/Jörg Hackemann

Ich sah den Himmel glänzen
Im klaren Silberbach,
Wie ward nach ihm die Sehnsucht
In meinem Herzen wach!

Ich sah den Himmel wieder
Im Auge dein so süß
Da wähnt ich zu erblicken
Das ganze Paradies.

Doch seit du mich gelehret
Der Liebe Leid und Lust,
Da trage ich den Himmel
In meiner eig'nen Brust.

 Anna von Gottberg

Liebe auch läßt sich den Wellen vergleichen (Rainer Maria Rilke)

Liebe auch läßt sich den Wellen vergleichen,
Sehnsucht wälzt ihre Wogen zum Ziele,
flüchtendes Nahen, nahendes Weichen,
heiligster Ernst und doch schönstes der Spiele.

Dieses Erkämpfen mit Raunen und Rosen
schon mit der Venus den Wellen entstiegs,
süß vom verstohlenen Augenkosen
bis zu dem Kusse, dem Siegel des Siegs.

Ich will dirs erzählen:
Der Kuß ist ein Lied,
ein wortloses Lied;
ein Kuß - der geschieht!
Es löst das Solo zweier Seelen
in vollen Mollakkorden sich:
Küsse mich ........
Küsse mich - wie das süß -
Küsse mich, Kind, auf den Mund ...
Ja so ein Kuß verrät das und dies ...
Küsse die Lippen mir wund ...

Küsse mich lange, minutenlang,
küsse die Wangen mir rot.
Jetzt bin ich doch schon vor Liebe krank -
küß mich zu Tod ...

Liebe - leuchtende Liebe spannte
weit ihren Flug an des Weltalls Rand, -
Jeder durchwandert sein eigener Dante
Himmel und Hölle an ihrer Hand.

Jeder der weiß wie sie himmlisch oft nahte,
hell in den Augen ein süßes Gebot,
denkt auch das schreckliche >Lasciate<,
das sie am Tore der Hölle gedroht. -

Nicht eine Hölle voll Schwefelgeschwele
harrt meines Todes mit Schrecken und Pein -
Eine Hölle wärs meiner fiebernden Seele,
jemals von dir vergessen zu sein ...

Rainer Maria Rilke

Online Welt wieder einblenden

Onlinewelt öffnen
Onlinewelt schließen