"Unter diesem Namen "geistliche Übungen" ist jede Weise, das Gewissen zu erforschen, sich zu besinnen, zu betrachten, mündlich und geistig zu beten, und anderer geistlichen Betätigungen zu verstehen, wie weiter unten gesagt werden wird. Denn so wie das Umhergehen, Wandern und Laufen leibliche Übungen sind, genauso nennt man "geistliche Übungen" jede Weise, die Seele darauf vorzubereiten und einzustellen, um alle ungeordneten Anhänglichkeiten von sich zu entfernen und nach ihrer Entfernung den göttlichen Willen in der Einstellung des eigenen Lebens zum Heil der Seele zu suchen und zu finden."
Ignatius von Loyola, Geistliche Übungen
Das Christentum ist eine geschichtlich-messianische, keine meditative Religion. Jesus ist der Christus, der Messias Israels und der Kirche, er war kein "Guru". Das heißt, er hat keinen von seiner geschichtlichen Person ablösbaren Heilsweg vorgetragen. Nach christlicher Überzeugung wird das Heil durch den menschgewordenen, gekreuzigten und auferstandenen Heiland gewirkt und im Glauben angenommen: "Wenn du mit deinem Munde bekennst, daß Jesus der Herr ist, und in deinem Herzen glaubst, daß ihn Gott von den Toten auferweckt hat, so wirst du gerettet." (Römer 10,9) Zu diesem Glauben kommt man durch das Wort. Um in diesem Glauben zu bleiben und zu wachsen, dient auch die christliche Meditation.
Auch wenn das Christentum keine meditative Religion ist, enthält es doch meditative Elemente. So zog sich schon Jesus Christus immer wieder aus der Öffentlichkeit in die Stille zurück, um Zwiesprache mit dem Vater zu halten. "Und am Morgen, noch vor Tage, stand er auf und ging hinaus. Und er ging an eine einsame Stätte und betete dort." (Mk 1,35f; siehe auch Mk. 6,46; 14,35-41, Lukas 6,12; 9,18.28). Was Jesus tat, ist auch für seine Gemeinde maßgeblich. Vielleicht betete er in der Weise der Väter murmelnd die Schrift bedenkend. Daran schließt sich die christliche Meditation an, die in der christlichen Frömmigkeit einen uralten angestammten Platz hat. Schon das Wort "Meditation" zeigt an, daß es sich nicht um ein Selbstgespräch, sondern um eine Form des Gebetes handelt.
Der Begriff Meditation geht auf meditari zurück, die lateinische Übersetzung der hebräischen Vokabel hagah; sie bedeutet ein wiederholendes, betendes Sagen von Schriftworten mit leiser Stimme.
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