Kirchen und Kapellen

Das Bistum Regensburg existiert offiziell seit der Neuordnung durch Bonifatius im Jahre 739, aber auch vorher hat es hier schon Kirchenbauten gegeben. Heute zählt das Bistum etwa 2500 Kirchen und Kapellen. Für ihre Entstehungszeit und ihre regionale Streuung lässt sich keine lineare Entwicklungslinie zeichnen. Immer wieder gab es Phasen des Baubooms und der Stagnation oder gar des Niedergangs, Parallelentwicklungen zum allgemeinen Auf und Nieder im Verlaufe der Zeiten. Sehr entscheidend sind ferner die regionalen ökonomischen Verhältnisse, zum Beispiel die Fruchtbarkeit des Bodens und die damit einhergehende Siedlungsdichte oder auch die Lage an den alten Handelswegen. Hohen Anteil hatten schließlich auch die Klöster, die je nach Zielsetzung des Ordens in die Städte oder in die Waldeinsamkeit gingen und dort Kirchen entstehen ließen.

Eine relativ dichte Streuung von steinernen romanischen Kirchen ist spätestens im 13. Jahrhundert erreicht. Durch so genannte Hofmarken ist nun das offene Land verwaltungsmäßig erschlossen. Vielfach sind es die Landadeligen als Inhaber der Steuer- und Gerichtshoheit, die bei ihren Burgen oder in den Dörfern Kirchen errichteten. In den Städten bauten die Klöster bzw. die Bischöfe große Kirchen. Die Zeit der Gotik im 14. und 15. Jahrhundert bringt einen allgemeinen Bauboom. Eine breite Wirtschaftskrise im 16. Jahrhundert und die Wirren der Reformation bringen ihn rasch wieder zum Erliegen. Im 17. Jahrhundert bringt der Dreißigjährige Krieg allerorten Verwüstung und Wirtschaftschaos. Kirchenbauten in dieser Zeit sind äußerst selten. Dafür setzt nach einer zögerlichen Erholung endlich im frühen 18. Jahrhundert ein alles überbietender Aufschwung ein. Fast jede kleine Landkirche wird nun wenn nicht neu gebaut so doch vergrößert und neu ausgestaltet.
 
Das erblühende Wallfahrtswesen lässt großartige Neuschöpfungen entstehen, oft in betörendem landschaftlichem Ambiente. Die Säkularisation zu Beginn des 19. Jahrhunderts brachte wieder einen tiefen Einschnitt. Klöster wurden aufgelöst, zahllose Kirchen und Kapellen abgerissen oder zu Stall und Scheune umfunktioniert. Gleichzeitig wurde aber auch viel neu gebaut, nun in Abwandlung der historischen Baustile, wobei die Neugotik zum kirchlichen Baustil schlechthin avancierte. Als zu Anfang des 20. Jahrhunderts die übrigen Künste den Aufbruch in die Moderne begannen, blieb die Kirchenbaukunst sehr verhalten. Nur vereinzelt kam es zu modernen Kirchenbauten und so ist es auch bis ins beginnende 21. Jahrhundert geblieben.

So sind es vor allem historische Kirchen, die das Gesicht unserer Städte und des offenen Landes prägen, die den Städten ihre Highlights, den Dörfern nach wie vor ihre Mitte geben. Es sind sprechende Zeugen von der großen, aus dem Glauben gespeisten Schaffenskraft zahlloser Generationen. Uns heutigen obliegt die Aufgabe, dieses Stück Kultur als unseren Nährboden sorgsam zu pflegen und künftigen Generationen zu bewahren.




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