Der Diener Gottes Bischof Georg Michael Wittmann (1760 - 1833)
Sein Leben |
Von 1804 bis 1829 war Regens Wittmann gleichzeitig Pfarrer der damals 8000 Seelen zählenden Dompfarrei. Als nimmermüder Verkünder des Gotteswortes in Wort und Tat, als gesuchter Seelenführer, Förderer des öfteren Sakramentenempfanges, vorbildlicher Katechet, vor allem aber durch seine wahrhaft heroische Nächstenliebe wurde er in jener für Regensburg so bewegten Zeit zum großen Nothelfer der Bevölkerung. Seit 1821 Domkapitular, ab 1829 Dompropst und Weihbischof, zugleich Generalvisitator des Bistums Regensburg und seit 1830 Generalvikar, ernannte ihn König Ludwig I. von Bayern nach dem Tode des Regensburger Bischofs, Johann Michael Sailer, 1832 zu dessen Nachfolger. Noch vor dem Eintreffen der päpstlichen Bestätigung starb Wittmann, "der Mann des Gebetes", wie ihn Kardinal Diepenbrock nannte, am 8. März 1833 im Ruf der Heiligkeit.
Seine Bedeutung
Wenige Tage vor dem Hinscheiden Bischof Wittmanns berichtete der Nuntius in Bayern, Charles Graf Mercy d Argenteau, dem Heiligen Vater, Wittmann könne "ob seiner großen Tugenden und seines Wissens mit Recht als eine der ersten Leuchten des deutschen Sprachraums angesehen werden". Er, der tief überzeugte und deshalb auch andere überzeugende Priester, der das Apostolat der Tat so harmonisch mit dem des Betens, Opferns und Leidens zu verbinden vermochte, gehörte zu den bedeutendsten Persönlichkeiten der Kirche des beginnenden 19. Jahrhunderts. In Wittmann begegnet uns ein ebenso unbeirrbarer wie kompromissloser Kämpfer gegen den einseitigen Rationalismus der Aufklärung, die das Übernatürliche mit bloßer Humanität, die unendlich reiche und schöpferische Welt der christlichen Dogmen mit einem dürftigen Moralismus vertauschen wollte. Durch sein langjähriges und entschiedenes Wirken als Regens des Regensburger Priesterseminars trug er dazu bei, die Aufklärung zu überwinden und in einer sich wandelnden Welt die kirchliche Erneuerungsbewegung in Bayern maßgeblich zu beeinflussen. Wittmanns Kompromisslosigkeit zeigt sich auch im heroischen Dienst für den bedrängten Mitmenschen, in dem er Christus sah. Unter Einsatz seines Lebens suchte er am 23. April 1809, als die Franzosen Regensburg erstürmten und die Stadt in Brand schossen, Freund und Feind zu retten. Denselben Opfersinn bewies er im Typhusjahr 1813 und anlässlich der furchtbaren Hungersnot 1816/17.
Er tat es, ohne darüber viel zu reden oder zu diskutieren, aus christlichem Selbstverständnis. Mit Recht wird Wittmann, der zeitlebens besonders alle Kinder ins Herz geschlossen hatte, auch als Wiederbegründer des Mädchenschulwesens in Bayern bezeichnet. Durch die pädagogische und asketische Ausbildung seiner Schülerin, der seligen Schwester M. Theresia v. Jesu Gerhardinger, legte er den Grund zu der weltweiten Kongregation der Armen Schulschwestern von U. L. Frau, die heute in Europa, Süd- und Nordamerika als einer der bedeutendsten weiblichen Schulorden der katholischen Kirche wirkt. Als Regens, später als Weihbischof und Generalvikar wurde Wittmann durch seinen ausgedehnten Freundeskreis und umfangreichen Briefwechsel zu einem Wiedererwecker katholischen Denkens. Seine Arbeiten über die Heilige Schrift, das Breviergebet, den Zölibat und die Jugenderziehung fanden große Verbreitung. Wittmanns besonderes Verdienst war es, dass er anlässlich des Mischehenstreites 1831 den kirchlichen Standpunkt wahrte und den bayerischen Episkopat geeint hat. Einem Mann, so wie Bischof Wittmann, der in allen Priestertugenden ein leuchtendes Beispiel gab und der besonders den Bewohnern von Regensburg so oft seine Hilfe angedeihen ließ, gilt auch heute noch der Dank und die Verehrung des gläubigen Volkes, das nicht müde wird, für seine Seligsprechung - der Prozess wurde am 7. März 1955 eingeleitet - zu beten. Das Verfahren ist in Rom anhängig, ein für die Seligsprechung notwendiges Wunder sowie die Verleihung des heroischen Tugendgrades durch den Heiligen Vater werden erwartet.
Gebet um Seligsprechung des Dieners Gottes Georg Michael Wittmann
Dreieiniger Gott, du Krone aller Heiligkeit! Du erweckst in deiner Kirche immer neue Heilige. Wir bitten dich, lass deinen Diener Bischof Georg Michael Wittmann bald zu Ehren der Altäre erhoben werden, damit er an deinem Throne Bischöfen, Priestern und Gläubigen, besonders den Vorständen der Priesterseminare und den Seelsorgern Vorbild und Fürsprecher sei und damit du, allmächtiger Gott, durch ihn um so mehr verherrlicht wirst, der du lebst und regierst in Ewigkeit. Amen.
