Der ehrwürdige Diener Gottes Bernhard Lehner von Herrngiersdorf (1930 - 1944)

"Der kleine Bernhard", wie er von seinen vielen Verehrern liebevoll genannt wird, wurde am 4. Januar 1930 als Sohn eines Schreiners im niederbayerischen Herrngiersdorf, unweit von Regensburg, geboren. In der Taufe erhielt er den Namen des großen Mystikers, des hl. Bernhard von Clairvaux. Schon vor seiner Geburt war er von seiner frommen Mutter Anna der Gottesmutter in Altötting geweiht worden. Die kinderreiche Familie lebte in bescheidenen, aber durchaus harmonischen Verhältnissen. Schon als Volksschüler besuchte er fast täglich die hl. Messe in der benachbarten Pfarrkirche in Semerskirchen. Die erste hl. Beichte und die Erstkommunion, die er am 16. April 1939 empfing, wurden für ihn zu einem bedeutenden Erlebnis. Wahrscheinlich keimte in ihm bereits damals der Wunsch: "Ich will etwas werden, womit man in den Himmel kommt." Dieses hohe Ziel zu erreichen, bemühte sich der kleine Bub täglich. So reifte in Bernhard der Wunsch, Priester zu werden. Sein Pfarrer konnte guten Gewissens in das Aufnahmegesuch für das bischöfliche Knabenseminar Obermünster in Regensburg schreiben: "Bernhard Lehner hat Neigung und Eignung zum Priesterberuf." Nach Überwindung zeitbedingter Schwierigkeiten - das unselige nationalsozialistische Regime hatte ja auch Bayern fest im Griff - kam der Bub am 21. September 1941 nach Regensburg, um als Seminarist das Alte Gymnasium der Domstadt zu besuchen. In seiner Strebsamkeit lebte er nach dem Grundsatz: Im Beten der Frömmste, im Studieren der Fleißigste und im Spielen der Fröhlichste. Der fromme, frische Bub war bei allen beliebt. Als er 1942 das Sakrament der Firmung empfangen durfte, zeichnete er in seinem Kalender einen gelben Stern - der Tag bedeutete für ihn den Höhepunkt seines kurzen irdischen Lebens. Anfangs Dezember 1943 erkrankte Bernhard an septischer Diphtherie. Eilends wurde er in die städtische Kinderklinik eingeliefert. Um Weihnachten verschlechterte sich sein Zustand zusehends. Der Gaumensegellähmung folgte Zwerchfelllähmung.


Tapfer, geduldig, ja sogar heiter ertrug er alle Schmerzen. Nach einem Schwächeanfall am 16. Januar 1944 schien sein Ende gekommen zu sein. Er verlangte nach den Sterbesakramenten und sagte zu den Seinen: "Lasst mich doch sterben. Wer wird denn weinen, wenn man in den Himmel kommt!" Schließlich starb er am 24. Januar 1944, bis zuletzt bei vollem Bewusstsein. Alle, die Zeugen seines Hinscheidens wurde, hatten den Eindruck, er sei wie ein Heiliger heimgegangen. Schon damals sagte sein Seminardirektor: "Nun haben wir einen Fürsprecher im Himmel", als er vom Tode Bernhards erfuhr; Jahre später meinte er: "Er war der beste Seminarist, den ich in meiner 35-jährigen Seminarzeit hatte!" Am 27. Januar 1944, einem rauen Wintertag, kamen viele Gläubige, darunter zahllose Kinder und Jungendliche, zur Beerdigung im kleinen Gottesacker von Herrngiersdorf. Das war nicht selbstverständlich, abgesehen von der Witterung, denn damals im Kriegsjahr 1944 hatte die bayerische Bevölkerung wahrlich andere Probleme. Die Leiden des Krieges, nationalsozialistische Schikanen, Bombenkrieg, Ernährungskrise und eine ungewisse Zukunft beschäftigte die Menschen. Aber über der Beerdigung lag eine rührende Ergriffenheit. Die Teilnehmer, Verwandte, Dorfbewohner, Klassenkameraden, Seminaristen, Lehrer und Seminarvorstände, sie alle spürten, hier ist ein kaum 14-jähriger Knabe, dessen einziger Wunsch gewesen ist, Priester zu werden, vor Gott reif für die Ewigkeit empfunden worden; er ist ein Frühvollendeter, ihm blieb die beschwerliche irdische Pilgerschaft erspart. Im Leben Bernhards ragen keine auffallenden oder gar außerordentliche Leistungen der Heiligkeit hervor. Ihn zeichnete vielmehr eine gewissenhafte, beharrliche Treue in den Alltagspflichten aus: ein "kleiner Weg" also, ähnlich wie bei der kleinen hl. Therese vom Kinde Jesu.


Auch Bernhard besaß ein gesundes, natürlich frisches, frohes und frommes Wesen. Vor allem aber ist seine feine und mitfühlende, stets hilfsbereite kindliche Güte anziehend, die an jedem Leid der ihm begegnenden Menschen aufrichtig Anteil nahm. Die Wurzel dafür ist in seiner übergroßen hingebenden Liebe an Gottes Willen und seinen Geboten zu suchen. Ebenso hervorzuheben ist seine innige Verehrung der lieben Gottesmutter, die sich u. a. im eifrigen Rosenkranz geäußert hat. So wurde er schon zu Lebzeiten und erst recht nach seinem Hinscheiden zum stillen Vorbild für Kinder und Jugendliche. Über sich selbst hinausgewachsen ist der Bub allerdings erst während seiner schweren Krankheit und auf dem Sterbebett. "Heiligmäßig" erschien er allen, die ihn pflegten und ihn noch besuchen durften. Sein Leben, Leiden und Sterben, vor allem seine Liebe zu Gott und dem Nächsten hinterließen einen starken, nachhaltigen Eindruck.

In der Not der Nachkriegszeit verbreitete sich sprunghaft der Ruf Bernhards als Fürbitter an Gottes Thron, zunächst in seiner engeren Heimat, dann in ganz Bayern und weitdarüber hinaus. Der Regensburger Bischof Dr. Michael Buchberger (1927 - 1961) sah sich dadurch veranlasst, den Seligsprechungsprozess einzuleiten und von 1950 bis 1951 durchzuführen. Am 14. September 1952 erfolgte darauf die feierliche Übertragung und Beisetzung der sterblichen Überreste des Dieners Gottes in eine Gruft der Herrngiersdorfer Filialkirche. Über 20.000 Gläubige nahmen daran teil. Seither ist das Seligsprechungsverfahren in Rom anhängig und inzwischen wurde auch die prinzipielle Frage, ob man bei Kindern schon von heroischer Tugend sprechen könne, positiv gelöst. So sind die Voraussetzungen für die Weiterführung des Prozesses gegeben. 1994/95 wurde zudem ein notwendiger Ergänzungsprozess durchgeführt.


Die erstaunlich große Verehrung des katholischen Volkes zeigt sich fortwährend im Vertrauen auf seine Fürbitte. Tausende von Gebetserhörungen sind die nicht zu übersehende Resonanz. Während der dem Präfekten der Heiligsprechungskongregation, Kardinal Angelo Amato, gewährten Audienz vom 2. April 2011 autorisierte Papst Benedikt XVI. die Kongregation dazu, das Dekret über den heroischen Tugendgrad Bernhard Lehners zu promulgieren. Die Kirche bestätigte dadurch: Bernhard hat die christlichen Tugenden seinem Alter und Stand entsprechend in einer herausragenden, das gewöhnliche Maß übersteigenden Weise gelebt. Er kann nun als „ehrwürdiger Diener Gottes“ bezeichnet werden. So ist zu hoffen, vorausgesetzt es ereignet sich ein nachweisbares Wunder, dass dem ehrwürdigen Diener Gottes Bernhard Lehner durch die Seligsprechung die Ehre der Altäre zuteil wird. Darum sind alle Gläubigen eingeladen, im Gebet neben ihren eigenen Anliegen auch diese Bitte vor Gott zu tragen. Eine Hilfe und Anregung dazu bietet das nachstehende Gebet.

Gebet um Seligsprechung des ehrwürdigen Dieners Gottes Bernhard Lehner
Dreieiniger Gott, du Krone aller Heiligkeit! Du erweckst in deiner Kirche immer neue Heilige. Wir bitten dich, lass deinen Diener Bernhard Lehner, der aus Liebe zu dir und dem Nächsten alle seine Pflichten gewissenhaft erfüllt hat, bald zur Ehre der Altäre erhoben werden, damit er allen Gläubigen, besonders den Kindern und Jugendlichen, ein Vorbild christlichen Lebens sei und damit du, allmächtiger Gott, durch ihn um so mehr verherrlicht wirst, der du lebst und regierst in Ewigkeit. Amen.


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