Der Diener Gottes P. Bartholomäus Bauer OFMConv. (in Italien "Agricola") (1560 - 1621)

Der Diener Gottes wurde 1560 in der bayerischen Stadt Amberg/Oberpfalz, die seit 1553 größtenteils evangelisch geworden war, geboren. Sein Vater Johann Bauer, der als Küfermeister 1548 das Bürgerrecht erworben und 1550 ein Haus in der Unteren Nabburger-Straße gekauft hatte, hing ebenso wie seine Mutter Magdalena der Lehre Kalvins an. Im Alter von 19 Jahren - die näheren Umstände sind nicht bekannt - ergriff Bartholomäus "die Sehnsucht nach dem katholischen Glauben". Er verließ Elternhaus und Heimat und begab sich nach Rom. Vermutlich hatte er erkannt, dass dort, wo der Papst ist, auch die wahre Kirche zu finden sei. Im Hause des berühmten Kardinals Cristoforo Madruzzo, der ihn vom Ordensprokurator der Minoriten bei der Päpstlichen Kurie, P. Properzio Resta, im katholischen Glauben unterrichten ließ, fand er gastliche Aufnahme.
Als Bartholomäus nach seiner Konversion in den Orden seines Lehrers eintreten wollte, zögerte man zunächst und prüfte ihn. Schließlich überzeugt von seiner Berufung, durfte er in den Konvent von Tagliacozzo eintreten und nach dem Noviziat seine Profess ablegen. Als Ordensmann "übte er nun die christlichen Tugenden wunderbar und erwies sich als Beispiel der Vollkommenheit nach den Evangelien".

Erfüllt von missionarischem Eifer kehrte er mit Erlaubnis seines Oberen bald nach Amberg zurück, um seine Familie zur Konversion zu bewegen. Doch Vater und Brüder verübelten ihm dies so sehr, dass sie ihn töten wollten. Er wäre zum Martyrium sicher bereit gewesen, doch auf Geheiß seiner Mutter verließ er fluchtartig sein Elternhaus. Er kehrte nach Italien zurück und wurde von seinem Generaloberen P. Philipp Gesualdi von Castrovillari freundlich aufgenommen.
 
Nach kurzem Aufenthalt in Padua, wo der von Bartholomäus sehr verehrte hl. Antonius gewirkt hatte, kam er für drei Jahre nach Assisi, der Stadt des hl. Franziskus. Es wurde ihm die Pflege der Kirchenmusik, auf die er sich bestens verstand, und das Amt des Novizenmeisters übertragen, obwohl er noch nicht Priester war. Nachdem er diese Aufgaben in den folgenden fünf Jahren auch in anderen Klöstern Apuliens und Kampaniens, so in Bari, Trani, Barlette, Bitonto, Molfetta, Gravina, Irsina, Montefusco und Neapel, ausgeübt hatte, empfing er die hl. Priesterweihe. In Neapel wurde P. Bartholomäus nun zum Spiritual der Schwestern von der Buße (Franziskaner-Tertiarinnen) bestellt, die sich der Kranken- und Armenpflege widmeten. Zugleich übernahm er die Seelsorge des von den Schwestern betreuten "Spitals der Unheilbaren", in dem sich die Ärmsten der Armen befanden.


Nach übereinstimmenden Zeugenaussagen machte er sich "zum Diener aller, um völlig Christus, dem Herrn zu dienen". Die Tugenden Glaube, Hoffnung und Liebe besaß er in außerordentlicher Weise. Die Liebe betrachtete er als die Mutter aller Tugenden und aller guten Werke. Bedingungslose Liebe zu Gott hatte ihn in den Wirren der Reformationszeit bewogen, die Wahrheit zu suchen. Er fand in der katholischen Kirche, was er suchte. Aus Liebe zu seinem Nächsten widmete er seine Kräfte dem Dienst an Armen, Kranken, Unheilbaren und auch den Gefangenen. Wer in Angst und Not war, der fand ihn auf seiner Seite. Für jeden hatte er Worte des Trostes, die aufrichteten und Hoffnung gaben. Dabei scheute sich P. Bartholomäus nicht, die Mächtigen zu ermahnen, Gerechtigkeit mit Billigkeit und Liebe anzuwenden.

Berühmt wurde sein Ausspruch: "Der glaubt wahrhaft, der durch Taten das übt, was er glaubt." Als echter Sohn des hl. Franziskus zog er, barfüßig, ein Kreuz und einen Bettelsack auf den Schultern, durch Städte und Dörfer, um Almosen zu sammeln für seine Armen, Kranken und Eingekerkerten. Aber als sein größtes Anliegen betrachtete er das ewige Heil seiner Mitmenschen. Den seiner Seelsorge anvertrauten Schwestern und ebenso den Kranken wurde er zum geistlichen Vater. Er hielt regelmäßig Kolloquien über Gott, Frömmigkeit und Heiligkeit, wobei er die Herzen zu entzünden vermochte. Jede Gelegenheit, die sich ihm bot, nahm er wahr, um dem einfachen Volk und vor allem den Kindern, die ihm auf der Straße stets in Scharen folgten, das Wort des Herrn zu verkünden. Er sprach zu ihnen, hörte sie geduldig an, betete mit ihnen und gewöhnte sie an echte christliche Frömmigkeit.


P. Bartholomäus war ein großer Beter. Als eifriger Verehrer der hl. Eucharistie verbrachte er oft ganze Nächte hindurch in der Kirche, um Anbetung zu halten. Der Gottesmutter in inniger Liebe zugetan, sprach er gern von ihrer erhabenen Würde und verehrte sie als Helferin in allen Nöten. Oft und gern betete er: "Gelobt sei immer der Name Jesu und Mariä, zusammen mit dem hl. Franziskus, lass alles auf dich zukommen, wenn du deine Seele retten willst."

Als den vorbildlichen Priester und Ordensmann 1621 eine Krankheit befiel, sagte er in gottergebener Klarheit seinen baldigen Tod voraus. Er litt bereist seit Jahren an einem offenen Fuß, weshalb er auch hinkte, hatte aber dieses Leid mit größter Geduld, ja sogar Freude ertragen. Nun lag er im Spital der Unheilbaren und bereitete sich durch Empfang der hl. Sterbesakramente auf den Heimgang vor. Noch im Todeskampf erweckte er Reue und brachte sein vollkommenes Einverstandensein mit dem Willen Gottes zum Ausdruck. Dann heftete er den Blick fest auf ein Marienbild, und wiederholte beständig die Namen "Jesus" und "Maria". Schließlich küsste er den Rosenkranz, den er in den Händen hielt und gab die Seele seinem Schöpfer zurück. Man schrieb den 23. Mai 1621. Seine Beerdigung am 26. Mai 1621 glich einem Triumphzug. Tausende kamen, um von dem "heiligen Padre" Abschied zu nehmen.


Der weitverbreitete Ruf seiner Heiligkeit im Leben setzte sich nun nach seinem Heimgang erst recht fort. Sein Grab in San Lorenzo - es wurde während des Zweiten Weltkriegs zerstört, aber nach 1945 wieder aufgebaut - ist bis auf den heutigen Tag das Ziel zahlreicher Gläubiger, die auf seine Fürsprache vertrauen. Am 19. Dezember 1987 wurden in einer großen kirchlichen Feier in Anwesenheit des Erzbischofs von Neapel, Michele Giordano, die Reliquien von P. Bartholomäus in die Basilika San Lorenzo Maggiore übertragen.

Sofort nach dem Tod von P. Bartholomäus setzten Bemühungen um seine Seligsprechung ein. 1625 wurde dazu von Rom die Erlaubnis erteilt, der Prozess aber erst 100 Jahre später durchgeführt, da sich die Beschaffung notwendiger Dokumente aus Amberg offenbar sehr schwierig gestaltete. Als infolge der napoleonischen Kriege viele Seligsprechungsakten von Rom nach Paris verschleppt wurden, darunter auch die des Dieners Gottes, geriet das Verfahren fast in Vergessenheit. Erst in jüngster Zeit bemühen sich die Erzdiözese Neapel, das Bistum Regensburg und vor allem der Franziskaner-Minoriten-Orden um die Seligsprechung.

Der in Amberg geborene und in Neapel verstorbene P. Bartholomäus steht den Bayern ebenso wie den Neapolitanern nahe. Seine bedingungslose Nachfolge Christi und sein beispielhaftes Leben und Wirken vermag auch dem Menschen des 20. Jahrhunderts viel zu sagen. Er verdient es, auch in seiner Heimat, der Vergessenheit entrissen zu werden, zumal wir in ihm einen neuen Fürbitter am Throne Gottes gewinnen und verehren dürfen.


Gebet um Seligsprechung des Dieners Gottes P. Bartholomäus Bauer
Dreieiniger Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist! Ich bin voller Anbetung und Dank für die Gaben, mit denen der Diener Gottes, P. Bartholomäus, ausgestattet worden ist. Er besaß große Liebe zu Jesus, dem Gekreuzigten; er hegte eine innige Verehrung zur allerseligsten Jungfrau Maria; er war ein echter Sohn des hl. Franz von Assisi; sein Leben war Dienst für Arme und Kranke nach dem Gebot der Nächstenliebe. Ich bitte darum, dass er bald zur Ehre der Altäre erhoben wird, damit er allen Gläubigen ein Vorbild opferbereiten Lebens sei und damit du, allmächtiger Gott, durch ihn um so mehr verherrlicht wirst, der du lebst und regierst in Ewigkeit. Amen.

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