Maria Theresia von Jesu Karolina Gerhardinger (1797 - 1879)

einem Novembermorgen 1835 gelobt Karolina Gerhardinger in aller Stille, von nun an als Maria Theresia von Jesu "in Gehorsam, in Armut, in Keuschheit und für den Unterricht und die Erziehung der weiblichen Jugend" (Gelübdeformel) zu leben. An einem Novembermorgen 1985 - genau 150 Jahre später- wird sie in Rom feierlich seliggesprochen und in das Blickfeld der Offentlichkeit gerückt.

Karolina Gerhardinger wird am 20. Juni 1797 in Regensburg-Stadtamhof geboren. Der Schiffsmeister Willibald Gerhardinger und seine Frau Franziska geben ihrer Tochter eine gesunde Natur und hohe Geistesgaben mit, Einfühlungsvermögen und Tatkraft, Standfestigkeit in dieser Welt und Beheimatung in Gott. Karolinas Jugend fällt in eine Zeit, die durch Aufklärung und Säkularisation den bisher gültigen Glaubens-und Sittenwerten feindlich gegenübersteht; Schließung der kirchlichen Einrichtungen, Zerfall des Familienlebens, Verwahrlosung der Kinder und Verarmung des einfachen Volkes sind die Folgen. Mit Sorge beobachtet der Dompfarrer und spätere Bischof von Regensburg Georg Michael Wittmann diese Entwicklung. Weil er sich von einer christlichen Bildungsarbeit notwendende Hilfe erwartet, lenkt er nach Aufhebung von Schule und Kloster der Notre-Dame-Frauen in Stadtamhof 1809 den Lebensweg seiner Schülerin Karolina in diese Richtung. Die erst Zwölfjährige wird zur Lehrerin ausgebildet und prägt in den folgenden 20 Jahren ihre Heimatschule zu einer vorbildlichen Unterrichts-und Erziehungsstätte für arme Kinder und arbeitsiose Mädchen. Das Geheimnis von Karolinas beruflicher Tüchtigkeit und Strahlkraft liegt in ihrem Bestreben, "nach der Lehre Jesu eine Magd ihrer Kinder zu sein", sowie im Leben der Buße und des Gebetes, das sie mit zwei Lehrerinnen führt. Zugleich gewinnt in diesen Jahren ihre Sehnsucht nach dem Ordensieben immer klarer Gestalt.


Als mit König Ludwig I. für Bayern eine kirchenfreundlichere Zeit anbricht, bemühen sich Karolina und ihr geistlicher Führer G.M. Wittmann um eine Klostergründung. Schwierigkeiten von außen und der Tod des Bischofs im März 1833 treffen Karolina hart; doch sie folgt ihrer Berufung und beginnt am 24. Oktober 1833 inNeunburg vorm Wald mit zwei Gefährtinnen das gemeinsame klöster! iche Leben. Dabei erhält sie geistliche Wegweisung und finanzielle Unterstützung durch Franz Sebastian Job, einen priesterlichen Freund Wittmanns, bis auch er 1834 stirbt. In dieser Notsituation bemüht sich Karolina als die "starke Frau", die aus bedingungslosem Gottvertrauen lebt und keine Mühe scheut, wenn es um den erkannten Willen Gottes geht. Dies zeigt sich besonders in den Jahren, da sie für ihre Gemeinschaft um die Bestätigung der zentralen Leitung durch eine Generaloberin ringt und auf die Approbation ihrer Ordensregel wartet.

Von ihrem Leben und Wirken angezogen, schließen sich in kürzester Zeit viele junge Frauen der Kongregation der A. Schulschwestern v.U.L.Fr.an. Diese Erfahrung und ihr Weitblick leiten Mutter Theresia, wie Karolina nun genannt wird, als sie 1843 das Mutterhaus nach München verlegt, damit dort eine bestmögliche geistliche und berufliche Ausbildung ihrer Schwestern erfolgen kann. Von hier aus gehen diese, zu zwei und drei, in abgelegene Dörfer und arme Städte, in die sie gerufen werden, und übernehmen Kindergärten, Schulen, Heime und Fürsorgeeinrichtungen. Als Ziel ihres Dienstes erstreben sie die Erziehung der Mädchen zu christlichen Frauen und Müttern, damit von einem geordneten Familienleben eine positive Veränderung der Gesellschaft ausgehen kann.


Bereits 14 Jahre nach Entstehung der Gemeinschaft begleitet die Gründerin 5 Schwestern nach Amerika, wo in den Vereinigten Staaten eine ebenso segensreiche Tätigkeit und rasche Ausbreitung erfolgt wie in vielen Ländern des europäischen Kontinents. Unermüdlich setzt sich Mutter Theresia ein für die Einheit der Kongregation, hebend leitet sie die Schwestern an zu einem tiefen geistlichen Leben, und bei allem bleibt sie die Magd des Herrn. Das Gebet ist die Quelle ihrer Kraft, der Heilige Geist ist ihr Führer, Maria ihr Vorbild.
 
Am 9. Mai 1879 gibt sie in München ihr bewegtes und erfülltes Leben ihrem Schöpfer zurück, während 2500 Schwestern ihr geistliches Erbe in die Zukunft tragen - zur Ehre Gottes und zum Heil der Menschen.

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