Der ehrwürdige Diener Gottes Pater Viktrizius Weiß (1842 - 1924)

Der ehrwürdige Diener Gottes P. Viktrizius Weiß wurde am 18. Dezember 1842 in Eggenfelden geboren. Am 29. Juni 1866 empfing er in Freising die Priesterweihe. Er wirkte in der Pfarrseelsorge in Schwabing bei München und dann in der Ausbildung der Priesterstudenten in Freising. In dieser Zeit promovierte er zum Doktor der Theologie. 1875 trat er in den Kapuzinerorden ein. Bald schon betraute ihn der Orden mit der Ausbildung und Erziehung der jungen Mitbrüder. 1884 berief ihn das Vertrauen der Mitbrüder erstmals an die Spitze der Bayerischen Ordensprovinz. Unter seiner Leitung trat der Orden in Bayern aus einem mehr verborgenen Wirken in eine breitere Öffentlichkeit: Die Provinz übernahm die Indianermission in der Araukanie in Chile, neue Konvente wurden errichtet oder deren Übernahme vorbereitet: Mariahilf in Vilsbiburg, St. Joseph in München-Schwabing, Mariahilf in Passau. Die Volksmission nahm einen großen Aufschwung, das Seraphische Liebeswerk wurde gegründet. Der Personalstand der Kapuziner in Bayern verdoppelte sich. Diesem großen Arbeitspensum fühlte er sich schließlich nicht mehr gewachsen. Beim Provinzkapitel 1908 gab er die Verantwortung ab und zog sich in das Wallfahrtskloster Mariahilf nach Vilsbiburg zurück. Dort starb er am 8. Oktober 1924 im Ruf der Heiligkeit. 1979 wurde durch Dekret erklärt, das P. Viktrizius Weiß sein Leben in christlicher Vollkommenheit heroisch geführt hat.

Pater Viktrizius führte ein geistliche Tagebuch, das uns erhalten geblieben ist und uns einen guten Einblick in sein geistliches Ringen gibt. Aus diesem Tagebuch hier einige Auszüge:

17. Juli 1875, nachdem er die Zusage zum Eintritt in den Orden erhalten hatte: "Nun ist die Entscheidung gekommen: Ich haben nach Gebet und Ergebung in den Willen Gottes den Brief geöffnet. Ich bin aufgenommen! ... Also Mut! Gott hat die Türe geöffnet, tritt ein und zaudere nicht!"

22. August 1875, zwei Tage nach seiner Einkleidung in den Orden: "Du hast es also viel leichter, dass du arm bist und die Armut dir erwählt hast; da sind dir viele Kämpfe erspart. ...Benütze deine Zeit recht: Studiere und bete! Du musst aber namentlich das Gebet pflegen, sonst ist zwischen deinem Aufenthalt hier und in Freising kein Unterschied, als dass du hier eine Kutte trägst und dort einen Talar."

22. August 1876, einen Tag nach Ablegung der zeitlichen Gelübde: "O mein Gott, ich habe nun in der heiligen Profess mich dir geschenkt, allein zu dem Zweck, dich zu lieben und dir zu dienen; lass mich nun auch dieses Opfer recht und gut auch vollenden! Vermehre in mir die Liebe und mache mich ausdauernd."

6. September 1876, nach seiner Versetzung ins Kloster Eichstätt: "Du musst nach Heiligkeit trachten. Mittelmäßigkeit ist nicht dein Beruf! Du bist immer besorgt, und meinst, nicht genug tun zu können; es ist nur eines notwendig, dass du heilig wirst und dann ist alles gewonnen. Damit kommst du der Würde nach, die Gott von dir verlangt."


Pater Viktrizius als Meister des Gebetes
"Jesus, du hast immer die wohlwollendsten Gesinnungen gegen mich und willst nichts anderes als mein Heil. O könnte auch ich dir immer treu sein und von dir nimmer geschieden werden! Lass mich lieber sterben als durch eine schwere Sünde deine Liebe und Freundschaft verlieren. Ich bitte dich darum aufs innigste." (Am Tag seiner Diakonatsweihe)

"O mein Herr und Gott, flöße doch meinem Herzen ein rechtes Verlangen nach Heiligkeit ein. Stärke mich, dass ich auf dem Weg dazu nicht ermüde. Ich habe hier viele Gelegenheiten dazu. Lass sie mich recht benützen, damit ich so das ewige Leben erlange und viele Seelen mit mir in den Himmel führe. Heilige Schutzengel, liebste Mutter Maria, bittet für mich." (Nach seiner Ankunft in Eichstätt im September 1876)

Herr, gib mir Liebe, ein starke glühende Liebe zu Dir und wegen Deiner zu allen Menschen und zu allem Guten! Und gib mir Starkmut, dass ich alle Welt für unbedeutend ansehe, wenn sie sich zwischen dich und mich stellen wollte! Gib mir Treue in dem Beruf, zu dem du mich erwählt hast, und die Gnade, recht Vieles und Großes darin zu wirken in tiefster Demut und reinster Absicht, und tilge meine Sündenschuld. Amen. (Dieses Gebet hat Pater Viktrizius oft gebetet und anderen zu beten empfohlen.)

Vom inneren Verhalten eines Gottliebenden
1. Bedenke, dass alles, was auf Erden für groß gilt, nichts ist im Vergleich zu Gott. Darum musst du dich durch nichts in Staunen oder Erschrecken setzen lassen. Das ist dir schon einige Male begegnet, dass du anderen gegenüber deine Ruhe verloren hast und Dinge sagtest, die dich später reuten. Du musst nur Gott allein für groß halten, darin besteht deine Würde und Freiheit ... Gott hat dein Glück von den Menschen unabhängig gemacht, du brauchst sie nicht.
2. Bedenke, dass nichts mit der Ehre und dem Glück zu vergleichen ist, das den Menschen für die kleinste Tat im Himmel zuteil wird: Darum musst du vor jenen Handlungen und Werken Staunen und Ehrfurcht haben, die für die Ewigkeit, für Gott getan sind, und danach immer dein Urteil einrichten.
3. Tue alles mit Ruhe, unbekümmert um den Ausgang und ohne Ungestüm. Wenn Gott die Vollbringung eines Werkes durch dich will, so wird er dir auch trotz aller Hindernisse dazu verhelfen. (2. Oktober 1872).


Gebet um Seligsprechung des ehrwürdigen Dieners Gottes Pater Viktrizius Weiß
Du bist heilig, großer Gott, du bist der Quell aller Heiligkeit. Schenke deiner Kirche und unserem Volk in Pater Viktrizius einen neuen Heiligen und einen neuen Fürsprecher bei dir. Maria, Mutter des Erlösers und Mutter der Erlösten, erflehe uns die Gnade, dass Pater Viktrizius, der dir mit ganzer Hingabe diente, uns bald als leuchtendes Vorbild in der Nachfolge deines Sohnes geschenkt werde. Amen.

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