 Erhebung eines unkanonischen Bischofs Der heilige Erhard zählt zu den Wanderbischöfen ohne Bistum und Sprengel. Dieser fränkische Missionsbischof wirkte am bajuwarischen Herzogshof in Regensburg und fand im Niedermünster seine letzte Ruhestätte in einem Grab aus wiederverwendeten römischen Tuffplatten und einem Sarkophagdeckel († um 715). Seine Identität ist aufgrund der ununterbrochenen Verehrung bis in heutige Zeit nicht anzuzweifeln. In einzigartiger Weise wird hier der mittelalterliche Erhebungsvorgang vor Augen geführt. Bei der kanonischen Heiligsprechung Erhards durch Papst Leo IX. im Jahre 1052 öffnete man den Kirchenboden gezielt über dem Grab und hob den Sarkophagdeckel auf das Niveau des Kirchenbodens an, indem man die Grabwände bis zu dieser Höhe aufmauerte. Somit wurde das Erhardgrab in der ottonischen Kirche sichtbar und blieb es durch alle Bauphasen bis heute. Der direkt daneben in einem römischen Sarkophag bestattete Mann war dagegen bereits in der Karolingerzeit vergessen; seine Identität bleibt spekulativ. Das monasterium inferioris – die Saalkirche wird in einen Gebäudekomplex eingebunden Die Pfalzkapelle, ein rund 20 x 10 m großer Saalbau mit einem Rechteckchor von 5,5 x 8,5 m, hatte über längere Zeit Bestand. Dies ist den Erneuerungen des massiven Kalkestrichs, Neu-verputzungen sowie Ein- und Anbauten zu entnehmen. Beschädigungen nahe dem Chor deuten auf einen Brand hin. Danach verlegte man den Eingang nach Westen. Später erfolgte der Anbau von Räumen an der Süd-, Ost- und Nordseite, die in den dort befindlichen Friedhof eingriffen. Zudem wurde das Kirchenschiff etwa mittig durch ein Mäuerchen getrennt. Durch die Abtrennung des Laienraums dürfte Letzteres ein Indiz für die Umwandlung der Pfalzkapelle in eine Stiftskirche sein; das 866/889 urkundlich genannte adelige Damenstift „monasterium inferioris“ entstand. Herzog Heinrich I. und Herzogin Judith gestalten das Niedermünster neu Auf Veranlassung von Herzog Heinrich I. und seiner Frau Judith wurden Kirche und Stift Niedermünster neu errichtet. Der große, nun dreischiffige Kirchenbau besaß ein östliches Querhaus mit drei Apsiden. Bei Heinrichs Tod 955 war dieser bereits so weit fertiggestellt, dass er vor dem Hauptchor beigesetzt werden konnte. Der Kalksteinsarkophag Heinrichs, ein Bruder Ottos des Großen, liegt in direktem achsialen Bezug zu den älteren Herzogsgräbern an der Südwand des karolingischen Chores. Seine Frau Judith, eine Tochter Herzog Arnulfs, wurde an seiner Seite in einer gemauerten Grabkammer bestattet. Daneben fand ein weiteres Familienmitglied in einem zweitverwendeten römischen Sarkophag seine letzte Ruhe. Ihre Schwiegertochter Gisela wurde vor der südlichen Apsis beigesetzt. Durch diese herzogliche Familiengrablege war das Niedermünster vor allen anderen Regensburger Kirchen herausgehoben. Judith wird heute noch als Neubegründerin des Niedermünsterstiftes, dem sie zeitweise vorstand, geehrt. Diese Verehrung führte zur Öffnung des Grabes und der Umbettung ihrer Gebeine in die jetzige romanische Kirche.
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