Die Proskesche Musikabteilung


Die Proskesche Musikabteilung der Bischöflichen Zentralbibliothek Regensburg gilt als drittgrößte Musiksammlung in der Bundesrepublik Deutschland. Den Grundstock zum Altbestand der Proskeschen Musikabteilung legte Carl Proske (1794-1861) mit einer über drei Jahrzehnte seines Lebens zusammengetragenen Sammlung wertvollster Musikalien. Proske, 1826 in Regensburg zum Priester geweiht und 1830 zum Kanonikus am Kollegiatstift Unserer Lieben Frau zur Alten Kapelle ernannt, verfolgte mit seiner Sammlung keinen Selbstzweck. Sein erklärtes Ziel war es, einer Verselbstständigung der Musik innerhalb der Messfeier entgegenzuwirken und die gottesdienstliche Musik wieder aufs engste mit der Liturgie zu verknüpfen. Das Verständnis von Musik als integrierender Bestandteil der Liturgie auf der Grundlage des Gregorianischen Gesangs und der altklassischen Vokalpolyphonie wie bei Palestrina und Orlando di Lasso war seine Maxime. Er initiierte damit eine kirchenmusikalisch-liturgische Reform, die in die Bewegung des Regensburger Cäcilianismus einmündete.

Seine Musiksammlung sollte sowohl grundlegende Studien auf dem Gebiet der altklassischen Vokalpolyphonie und des gregorianischen Gesangs ermöglichen als auch das Material für die Erarbeitung moderner Editionen bereitstellen. Zu diesem Zweck unternahm er in den Jahren 1834 bis 1838 drei Studienreisen nach Italien (Rom, Neapel, Bologna, Florenz, Pistoia, Venedig), auf denen er in Archiven und Bibliotheken an der Erstellung von Abschriften arbeitete. Er bemühte sich außerdem, alte Musikdrucke und -handschriften des 16. bis 19. Jahrhunderts in Antiquariaten des In- und Auslands zu erwerben. Viele der von Proske spartierten oder erworbenen Musikalien sind heute unikat in der Bischöflichen Zentralbibliothek überliefert.

Ergänzt wird die Sammlung durch die umfangreichen musikalischen Nachlässe der nicht nur für die Regensburger Musikgeschichte bedeutenden Persönlichkeiten Johann Georg (1812-1858) und Dominicus (1822-1868; Mettenleiter), Franz Xaver Haberl (1840-1910; Gründer der Regensburger Kirchenmusikschule) und Franz Xaver Witt (1834-1888; Gründer des Allgemeinen Deutschen Cäcilienvereins). Der Altbestand umfasst rund 20.000 Handschriften und Drucke sowie mehr als 10.500 Musikerbriefe vornehmlich des 19. Jahrhunderts.

Bestandserschließung / Gedruckte Kataloge:
Eine Neukatalogisierung macht den wertvollen Altbestand der Öffentlichkeit zugänglich. Neben der Verzeichnung der Drucke bis 1800 durch das Internationale Quellenlexikon RISM (Répertoire International des Sources Musicales) werden die Musikhandschriften innerhalb der von de Bayerischen Staatbibliothek herausgegebenen – im Henle-Verlag München publizierten - Reihe Kataloge Bayerischer Musiksammlungen bibliothekarisch erschlossen (Bd. 14, 1-15). Weitere Bände sind in Arbeit.

Einzelaufführung siehe unter „Kataloge“ der Bischöflichen Zentralbibliothek Regensburg.

Veröffentlichungen: Siehe unter Veröffentlichungen der Bischöflichen Zentralbibliothek.


Proskesche Musikabteilung, Detail aus einem Prozessionale und Rituale (14./15. Jh.) und Fragment eines Perikopenbuchs (13. Jh.).

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