Der Erwachsenenkatechismus
Woher sollen wir wissen, was wir glauben sollen? Die Kirche hat sich von Anfang an bemüht, die authentische christliche Lehre zu bewahren und weiterzugeben. Daher schenkt uns die Kirche ein Buch, das die gesamte christliche Glaubenslehre darlegt: Den „Katechismus“.
Das Wort kommt aus dem Griechischen „katechein“ und heißt so viel wie „lehren, erziehen“. Der Katechismus ist dazu da, uns über unseren Glauben zu belehren und zum christlichen Glauben zu erziehen. Jeder Gläubige kann sich daran orientieren. Er hat damit die Sicherheit, dass er nicht nur speziellen wissenschaftlichen Hypothesen „aufsitzt“ oder sich widersprechenden Lehrmeinungen von Archäologen oder Theologen.
Für die, die in der Verkündigung stehen – Bischöfe, Priester, Religionslehrer und Katecheten - ist der Katechismus Richtlinie und Instrument. Er bildet außerdem die Grundlage für örtliche Katechismen, die regional ausgearbeitet werden und der Mentalität der verschiedenen Kulturen, den gesellschaftlichen und kirchlichen Umständen angepasst werden sollen.
Die Entstehung des Katechismus
Um die Bedeutung des aktuellen Katechismus einschätzen zu können, ist es gut, einiges über seine Entstehung zu wissen. Der „Katechismus der katholischen Kirche“ wurde unter Papst Johannes Paul II. am 11.10. 1992 veröffentlicht. Damals war es genau 30 Jahre her, dass das II. Vatikanische Konzil eröffnet worden war, das erhebliche Neuerungen für die Kirche gebracht hatte.
Der Papst reagierte damit auf eine Bitte, die bereits im Jahr 1985 an ihn herangetragen wurde: Alles begann auf einer außerordentlichen Synode, die der Papst damals anlässlich des 20. Jahrestages des Konzilsabschlusses einberufen hatte. Dort äußerten die Bischöfe ihren Wunsch nach einem Kompendium, in dem die gesamte katholische Glaubenslehre zusammengefasst sei.
Daraufhin berief der Papst eine Kommission von 12 Kardinälen ein, wobei unser heutiger Papst Benedikt XVI. – damals noch Kardinal Joseph Ratzinger – den Vorsitz hatte. Unterstützt von einem Redaktionsteam - bestehend aus Bischöfen und Fachleuten für Theologie und Katechese - kam dann ein Entwurf zustande.
Dieser wurde weltweit den Bischöfen zur Diskussion vorgelegt. Anmerkungen und Verbesserungsvorschläge wurden vielfach noch eingearbeitet. So kann dieser Katechismus als ein „gesamtkirchliches Werk“ betrachtet werden.
Aufbau und Inhalte des Katechismus
|
1. Teil „Ich glaube –wir glauben“
In diesem Teil geht es erst mal um die Grundlagen: Der Mensch ist von Anfang an auf Gott hin geschaffen; daher kann er auch anfanghaft seine Existenz erkennen; daher kann er überhaupt von ihm sprechen. Der Mensch ist sozusagen „gottfähig“ (was ja so manche Philosophen bestritten haben). Andererseits geht Gott auch auf den Menschen zu, er kommt ihm sozusagen entgegen. Die Theologie nennt das „Offenbarung“.
Gott offenbart sich in der Geschichte. Das Alte und das Neue Testament sprechen von dieser Offenbarung. Dieses „Entgegenkommen“ Gottes ruft nach einer Antwort: Der Mensch spricht sein gläubiges Vertrauen Gott gegenüber aus im „Glaubensbekenntnis“. Die Bedeutung der einzelnen Aussagen dieses Bekenntnisses entfalten sich auch in diesem ersten Teil.
2. Teil: „Die Feier des christlichen Mysteriums“
Hier kann man nachlesen, welche Bedeutung die Liturgie für uns Christen hat. Im Zentrum steht dabei natürlich die Eucharistiefeier, in der sich „das Werk unserer Erlösung vollzieht.“ (Konzilskonstitution Sacrosanctum Concilium 2).
Es wird aber auch erklärt, - wie Paulus in seinem Brief an die Römer sagt (Röm 12,1)- dass unser ganzes Leben ja ein „Gottesdienst“ sein soll. Daraufhin werden die „Wegmarken“ eines christlichen Lebens erläutert, die sieben Sakramente: Taufe, Firmung, Eucharistie, Buße, Krankensalbung, Weihe, Ehe.
3. Teil: „Das Leben in Christus“
Dieses Kapitel geht ein auf das richtige Handeln des Christen, das sich konsequenterweise aus seinem Glauben ergibt. Fragen nach der Freiheit des menschlichen Handelns und die Rolle des Gewissens werden behandelt.
Themen sind auch: Was ist Sünde, was bedeuten die Tugenden? Im Zentrum stehen dann die Zehn Gebote (in der Bibel nachzulesen in Ex 20,2-17 und Dtn 5,6-21), die dem Leben des gläubigen Christen die richtige Richtung geben.
Der Katechismus gibt auch Empfehlungen für die konkrete Umsetzung: Wie sich der Christ in das soziale Leben und die Gesellschaft einbringen kann und soll.
4. Teil: „Das christliche Gebet“
In einem ersten Abschnitt wird das Gespräch mit Gott thematisiert, ohne das ein christliches Leben nicht möglich ist. Es wird erläutert, was Gebet eigentlich ist und wie viele verschiedene Formen von Gebet es gibt: Anbetung, Bittgebet, Fürbittgebet, Dankgebet, Lobgebet, betrachtendes Gebet, inneres Gebet. Der Katechismus weist auch darauf hin, dass Beten nicht immer einfach ist und spricht vom „Kampf des Betens“.
Höhepunkt und Abschluß des Katechismus bildet der zweite Abschnitt dieses Kapitels. Er erläutert das christliche Gebet, das uns Jesus selbst gelehrt hat: Das „Vaterunser“.
Der Katechismus ist ein Nachschlagewerk für jeden Christen und eine echte Hilfe für den, der Christ werden will oder seinen Glauben vertiefen will. Wer ihn nicht als Buch besitzt, kann die Texte nachlesen unter www.vatican.va/archive/DEU0035/_IND. Dort gibt es auch die Möglichkeit, eine „Konkordanz“ zu benützen, d.h. eine alphabetische Suchfunktion nach bestimmten Begriffen.
Fotos: pixelia
