Das päpstliche Wappen

Zu Beginn seines Pontifikates kann der jeweilige Papst die Symbole auf dem Schild seines Wappens festlegen. Sie sind eine Art Motto für seine Amtsperiode. Unterhalb des Wappens kann der Wahlspruch des Papstes angegeben sein, so z.B. bei Papst Johannes Paul II. das "Totus tuus".

Was bei jedem päpstlichen Wappen gleich ist, sind die beiden sich kreuzenden Schlüssel. Sie symbolisieren die Binde- und Lösegewalt, die Christus dem Petrus und seinen Nachfolgern auf Erden gegeben hat: "Ich aber sage dir: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen, und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen. Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreiches geben; was du auf Erden binden wirst, das wird auch im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird auch im Himmel gelöst sein." (Mt 16,18-19). Der silberne Schlüssel steht für die Binde-, der goldene für die Lösegewalt. Die Farben Weiß(Silber) und Gelb (Gold) sind die Farben des heiligen Stuhls.
Verbunden sind die beiden Schlüssel durch eine Kordel mit Quastenenden. Über den beiden Schlüsseln befindet sich bei jedem päpstlichen Wappen außerdem eine Tiara (dreifache Papstkrone).

Das Wappen Benedikts

Unser Papst Benedikt XVI. hatte den Mut, diese Tradition abzuändern. Statt der Tiara (Papstkrone), die seit Paul VI. (1963)nicht mehr getragen wird, befindet sich nun die einfache Mitra (Bsichofsmütze) an der Spitze des päpstlichen Wappens. Papst Benedikt trug auch bei seinem Amtsantritt statt der Tiara die Mitra. Damit betonte er, wie die Päpste vor ihm seit der Abschaffung der Tiara, dass er als Stellvertreter Christi auf Erden sein Amt nicht aus Überlegenheit über die anderen Bischöfe ausübt, sondern wie Christus den anderen damit dient. Als Papst ist er Symbol der Einheit in einem Kollegium von Bischöfen, die die Gesamtkirche repräsentieren.

Die drei goldenen Bänder in der Mitra bedeuten die drei Aufgaben des oberhirtlichen Amtes: Lehren, Lenken und Heiligen. Eine andere Interpretation spricht von den drei Gewalten: Weiheamt, Jurisdiktion und Lehramt.

Neu im päpstlichen Wappen ist auch das erzbischöfliche Pallium (ganz unten), das der Papst bei seiner Amtsübernahme umgelegt bekam. Es ist ein aus reiner Lammwolle gewobenes weißes Wollband mit drei roten Kreuzen. Wie eine Stola wird es über dem Meßgewand getragen. Es soll auf die Aufgabe des Papstes hindeuten, Hirte der ihm anvertrauten Herde zu sein. Das Pallium ist zugleich eine Auszeichnung: Der Papst verleiht es in Rom an Erzbischöfe, die es dann in ihrer Kirchenprovinz tragen dürfen.

Die Symbole auf dem Wappenschild hat Papst Benedikt von seinem Bischofswappen aus seiner Zeit als Erzbischof von München und Freising übernommen. Rechts sieht man den gesattelten Bären, ein Hinweis auf den Diözesanpatron von Freising, den Heiligen Korbinian. Korbinian verbreitete im 8. Jahrhundert den christlichen Glauben in Altbayern. Der Bischof war, so erzählt die Legende, auf seinem Weg nach Rom. Da habe ihm ein Bär den Packesel gerissen. Daraufhin habe er den Bären gesattelt und ihm befohlen, seine Lasten nach Rom zu tragen. Diese Erzählung symbolisiert, dass das Christentum das Heidentum bezwungen hat. Der Bär weist auch als "Lastträger" Gottes auf die Last und Bürde des Amtes hin.

Der gekrönte Mohr ("Caput aethiopum") ist ebenfalls eine Anleihe aus dem Wappen der Freisinger Erzbischöfe. Der nach links blickende Mohrenkopf war seit 1316 (Bischof Konrad III.) fester Bestandteil im Wappen des Fürstbistums Freising. Auch dieser "Freisinger Mohr" erinnert an Bayern, die Heimat des Papstes und an seine Zeit als Erzbischof von München und Freising.

Im unteren Bereich des Wappens befindet sich das Symbol der Muschel. Sie ist einerseits ein Hinweis auf einen der Lieblingstheologen unseres Papstes, den Heiligen Augustinus (364- 430). Eine Legende erzählt, Augustinus habe bei einem Spaziergang am Meer über die Unergründlichkeit der Dreifaltigkeit nachgedacht. Dabei habe er einen Jungen getroffen, der versucht habe, das Wasser des gesamten Meeres mit einer kleinen Muschel in eine Grube zu schöpfen. Ebenso sei es unmöglich, so sei Augustinus bewußt geworden, das Geheimnis der unergründlichen Dreifaltigkeit auszuschöpfen. Die Muschel wurde damit zum Symbol des Eintauchens in die unergründlichen Tiefen Gottes.

Bekannt ist das Zeichen der Muschel auch durch Santiago de Compostela. Der Pilgerweg zu dem Wallfahrtsort, an dem die Gebeine des Heiligen Jakobus verehrt werden, ist schon von vielen Menschen beschritten worden. Die sogenannte "Jakobsmuschel" symbolisiert, dass wir als Kirche immer als pilgerndes Gottesvolk unterwegs bleiben. Das pilgernde Gottesvolk ist ein zentraler Begriff des II. Vatikanums, bei dem unser Papst damals als sehr junger Theologe mitgearbeitet hat.
Die Muschel befand sich auch als Wappensymbol im Schottenkloster von Regensburg, wo jetzt das Priesterseminar der Diözese untergebracht ist. Damit weist sie auch auf das ehemalige Wirken des Papstes als Theologieprofessor hin.



Eine Übersicht über weitere Wappen in der Geschichte der Päpste findet sich unter

Papstwappen in der Geschichte

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