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news.de, 08.02.2010
Zölibat führt nicht zu Kindesmissbrauch - Artikel von Silke Katenkamp auf dem Internetportal news.de
Kirche und Pädophilie werden schnell im selben Atemzug genannt - und die Missbrauchsfälle an Jesuitenkollegs geben dem neuen Zunder. Doch nach Ansicht von Experten hat die sexuelle Abart nichts mit dem Zölibat katholischer Priester zu tun.
Der Missbrauchsskandal an Jesuiten-Schulen hat die Debatte über den Zölibat neu entfacht. Der Mediziner Norbert Leygraf schließt aus, dass das Eheverbot für Priester den sexuellen Missbrauch von Kindern auslöst. «Es spricht nichts dafür, dass die pädophile Tendenz durch den Zölibat entsteht», sagte Professor Leygraf vom Institut für Forensische Psychiatrie an der Universität Duisburg-Essen. Das Institut begutachtet im Auftrag der Kirche Mitarbeiter der Kirche, die verdächtigt werden, ein Sexualdelikt begangen zu haben. In den vergangenen sieben Jahren seien das etwa 20 Fälle gewesen.
«Der Verzicht auf Sexualität führt nicht dazu, dass die Sexualität sich ändert», stellte Leygraf klar. Durch die Unterdrückung von Sexualität könnten zwar verschiedene Konflikte auftreten, die die Persönlichkeit veränderten. «Die Zielrichtung von Sexualität wird dadurch aber nicht verändert. Und diese entwickelt sich in der Pubertät. Danach kann sie nicht mehr grundlegend geändert werden.»
Wieso ein Mensch eine pädophile Sexualität hat, sei bisher unbekannt. «Es gibt Theorien über Erziehung oder frühere Entwicklungsphasen, auch zum Erbfaktor», sagte Leygraf. «Fest steht aber: Wir wissen es nicht.» Der Psychiater warnte vor der Annahme, dass Kindesmissbrauch kirchenspezifisch ist. «Das wird immer behauptet, obwohl es keine Statistik darüber gibt.» Pädophilie komme in allen Berufsgruppen vor. In pädagogischen Berufen bestehe allerdings eher die Möglichkeit, die sexuellen Fantasien umzusetzen. «Der sexuelle Missbrauch ist aber von den betroffenen Menschen nicht mit der Berufswahl angestrebt worden», sagte Leygraf. Nach Ansicht des Mediziners seien sie generell an Kindern interessiert, nicht nur sexuell. «Sie haben das Empfinden, dass die Welt der Kinder ihnen angemessen ist. Deswegen können sie meist ganz hervorragend mit ihnen umgehen. Und deswegen wenden sie sich häufig pädagogischen Berufen zu. In anderen Berufen gibt es wahrscheinlich eine Menge Leute mit pädophiler Ader, die das aber nie ausleben.»
Nach Ansicht von Leygraf tut die Kirche heute sehr viel, um Missbrauchsfälle zu verhindern. «Da hat sich sehr viel getan in den letzten Jahren, um Verdachtsfällen schnell und konsequent nachzugehen.» Allerdings sei es nicht möglich, im Vorfeld festzustellen, ob jemand sexuell an Kindern interessiert ist. «Das kann nicht untersucht werden.»
Heilbar sei Pädophilie nicht. «Man kann die Sexualität therapeutisch nicht ändern. Man kann nur Mechanismen beibringen, damit die Menschen es schaffen, ihre Neigungen zu kontrollieren, oder ganz darauf zu verzichten. Wenn die Leute kooperativ sind, kann man auch mit Medikamenten helfen.»
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