Mädchen sitzt zusammengesunken und mit traurigem Gesicht auf dem Boden an einem Zaun
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Krisenseelsorge im Schulbereich (KiS)

Die „Krisenseelsorge im Schulbereich“ (kurz: KiS) ist ein Angebot der Schulpastoral im Bistum Regensburg zur Fortbildung, Unterstützung und Begleitung von Lehrkräften und anderen Mitarbeiter/innen an Schulen, von Schülerinnen und Schülern sowie Eltern bei der Bewältigung von Tod und Trauer an der Schule.

Das Angebot der Krisenseelsorge in Schulen

Fortbildung

Die Mitarbeiter/innen von KiS bieten Fortbildungen für die Lehrkräfte und sonstigen Mitarbeiter/innen an allen Schularten an, um sie auf einen möglichen Todesfall an der Schule vorzubereiten, ihre Kompetenzen zu stärken und ihre Handlungsfähigkeit im Krisenfall zu erhöhen.

Unterstützung im Akutfall

im Akutfall stehen die Mitarbeiter per Telefon oder auf offizielle Anforderung durch die Schulleitung bzw. der Einsatzleitung von Rettungsdienst und Polizei persönlich vor Ort den Schüler/-innen, Eltern, Kolleginnen und Kollegen und der Schulleitung zur Verfügung und unterstützen sie in dieser schwierigen Situation.

Information und Beratung

Für Auskünfte, Informationen und Beratung können Sie sich telefonisch und per Mail an die KiS Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wenden.

Vernetzung und Kooperation

KiS arbeitet eng mit der diözesanen Notfallseelsorge bzw. den Kriseninterventionsteams, dem „Kriseninterventions- und bewältigungsteam bayerischer Schulpsychologen“ (KIBBS) zusammen, sowie den kirchlichen und kommunalen Beratungsstellen.

Im Bedarfsfall vermittelt KiS an weitere Fachstellen bzw. Hilfsorganisationen weiter.

Team und Leitung

Das diözesane Team der Krisenseelsorge in Schulen besteht aus acht staatlichen und kirchlichen, speziell ausgebildeten Religionslehrkräften, die für Sie in bestimmten Regionen und für die jeweilige Schulart Ansprechpartner/innen sind. Die Leitung und Koordination liegt bei Frau Rita Weiß, Diözesanbeauftragte für KiS.

Im Referat Schule/Hochschule ist Frau Susanne Noffke, Leiterin der Abteilung Schulpastoral, für diesen Bereich der Schulpastoral verantwortlich.

Wenden Sie sich an uns, wenn Sie sich durch eine Fortbildung auf diese herausfordernde Situation an der Schule vorbereiten wollen.

Rufen Sie uns an oder mailen Sie uns, wenn Sie Informationen oder Beratung wünschen.

Rita Weiß: Tel. 0170 / 871 3317; Mail: KiS.Schulpastoral@bistum-regensburg.de

Wir unterstützen Sie gerne. Weitere Informationen finden Sie auf der Homepage der Schulpastoral unter „Krisenseelsorge in Schulen".

"Dankbar für die kleinen Dinge des Alltags" - Interview mit Rita Weiß, Diözesanbeauftragte für die Krisenseelsorge in Schulen

Rita Weiß

Frau Weiß, wer wendet sich denn an Sie?


Das sind Schulleitungen, Lehrer, Eltern und Schüler.


Wann, in welchen Situationen, werden Sie kontaktiert? Was kommt am häufigsten vor?

Bei Akutsituationen an Schulen, z.B. Tod eines Schülers, Lehrers oder Familienangehörigen durch Krankheit, Unfall oder Suizid, bei Schulbusunfällen oder lebensbedrohlicher Krankheit eines Schülers oder Lehrers.

Meistens sind es Unfälle oder Suizide, bei denen wir gerufen werden. Im Gegensatz zur Notfallseelsorge gehen wir an keine Unfallorte, sondern arbeiten ausschließlich an der betroffenen Schule.


Wie kann man Schüler bei einer Krise im ersten Moment beruhigen?

Mann sollte ihre schwierige Situation wahr- und ernst nehmen, Kontakt aufnehmen zu ihnen, Nähe und Gespräche anbieten oder einfach "nur" still bei ihnen sitzen, Rituale und Ausdrucksmöglichkeiten für ihre Trauer anbieten (z.B. ein Kondolenzbuch gestalten, eine Karte schreiben...), für Bewegung sorgen, nach 1 - 2 Stunden auch wieder "normalen" Unterricht, denn gewohnte Strukturen bieten Halt und Orientierung und stabilisieren somit die Schüler.


Gibt es Prävention? Wie können mit Schülern solche schwierigen Themen angesprochen und besprochen werden?

Prävention ist vor allem rund um das Thema Suizid möglich. In den Lehrplänen der unterschiedlichen Schularten kommen in verschiedenen Jahrgangsstufen Themenbereiche vor, in denen Themen wie Tod und Trauer, Suizid usw. zur Sprache kommen, auch wenn keine Akutsituation vorherrscht. So können Schüler auf den Ernstfall vorbereitet werden. Für uns als Religionslehrer bietet auch das Kirchenjahr Gelegenheiten, diese Themen anzusprechen, z.B. Allerheiligen, Totenmonat November usw.

Grundsätzlich ist es wichtig, Schüler zu stärken, damit sie möglichst resilient sind, wenn sie Betroffene sein sollten. Dazu bietet unser Unterricht basierend auf unserem christlichen Menschen- und Gottesbild unzählige Möglichkeiten, z.B. mit folgenden Botschaften: Ich bin ein Abbild Gottes, ich bin wichtig und wertvoll, ich werde geliebt, ich kann und bin etwas, ich lebe in Gemeinschaft...


Welche Veranstaltungen finden statt?

Eine ganze Menge: Fortbildungen für Lehrer und für Personal an Schulen, Seminartage für angehende Lehrer, diverse Konferenzen, auch auf Bayernebene mit den Diözesanbeauftragten der anderen Bistümer, Vernetzung mit anderen, in diesem Bereich tätigen Systemen, z.B. Schulpsychologen, Notfallseelsorge usw., Infostände auf Veranstaltungen (z.B. Katholikentag, Schulpastoralkonferenz, Religionslehrertag...)


Immer häufiger hört man von Attentaten? Steigt Ihrer Meinung nach die Angst in der Bevölkerung?

Ich glaube nicht, dass in unserem Bistum eine verstärkte Angst vor Attentaten herrscht. Natürlich haben vor allem die Amokläufe an Schulen in Erfurt usw. für diese Thematik sensibilisiert, aber wir leben hier in einer Gegend, die Gott sei Dank bis auf einige Androhungen bisher davon verschont geblieben ist.


Gibt es auch freudige Momente in ihrem schwierigen Beruf?

Oh ja, sehr wohl! Zunächst ganz grundsätzlicher Art: Die Beschäftigung mit dem Thema Tod lässt dankbar sein auch für die kleinen Dinge des Alltags. Das Bewusstsein dafür wird geschärft, dass beileibe nicht alles selbstverständlich ist und es jeden Tag Grund gibt zu danken.

Zudem stimmt es zufrieden, wenn man nach einem Einsatz an einer Schule ein Feedback dahingehend bekommt, dass man der Schule in dieser schwer zu bewältigenden Situation eine Stütze war. Nach Fortbildungen treten oftmals Kollegen an mich heran und erzählen, dass sie ein Stück weit ihre Angst vor diesen Situationen verloren haben und sich kompetenter fühlen als vorher.

Eine Gruppe, die einmal eine sogenannte Modulausbildung in Krisenseelsorge absolviert hat, trifft sich z.B. seit sechs Jahren regelmäßig einmal pro Jahr zu einem gegenseitigen Austausch und inhaltlicher Arbeit. Diese Begegnungen jedes Jahr empfinde ich als sehr beglückend.
Und: Ich mache diese Arbeit nicht allein. Ein Team im Rücken zu haben macht stark!