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Der Krippenschnitzer

21.02.18   |  

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  • Seit über 40 Jahren ist Günter Maller (58) als Holzbildhauer aktiv. Zuerst einige Jahre in seinem Lehrbetrieb in Bodenmais (Landkreis Regen), seit 1984 ist er selbstständig mit einer kleinen Holzschnitzerei in Neukirchen b. Hl. Blut (Landkreis Cham). Er hat den Boom der Holzschnitzer in den 80er-Jahren mitbekommen, aber auch den langsamen Untergang der Branche in den folgenden 90er- und 00er-Jahren. Seine Holzschnitzerei sorgt schon lange nicht mehr für den Broterwerb seiner Familie. Schon vor gut 15 Jahren hat er sich ein Nebenerwerb suchen müssen. Mallers Leidenschaft ist und bleibt aber die Holzschnitzerei.

  • In seinem kleinen Geschäft in der Marktstraße gibt es zeitgenössische Holzkunst, aber auch sakrale Kunst wie Heiligenfiguren, Madonnen, Kreuze oder Krippen. Nicht fehlen darf hier eine Nachbildung der Neukirchner Madonna. Der Legende nach hat ein Hussit der Madonna-Figur mit einem Beil den Kopf gespalten – aus der Wunde ist Blut ausgetreten. Darum auch der Ortsname: Neukirchen beim Heiligen Blut. Das Original ist übrigens in der Neukirchner Kirche zu sehen.

  • Typisch „neukirchnerisch“ sind auch die Neukirchner Kreuze – auch Weinlaubkreuze genannt. Um das Kruzifix ranken sich Weinblätter. „Bei Wallfahrern sind die Kreuze sehr beliebt, weil diese Art der Kreuzdarstellung sehr typisch für unseren Ort ist“, erklärt Günter Maller.

  • Was in keiner Holzbildhauer-Werkstatt fehlen darf, sind natürlich handgemachte Krippen. Günter Maller hat seinen ganz eigenen Stil, den er als zeitlos beschreibt. „Ich eifere da keiner Epoche nach, sondern versuche meine Krippen zeitlos zu gestalten.“

  • Die filigranen Figuren, die Günter Maller in verschiedenen Größen herstellt, sind alle aus Weimut-Kiefer geschnitzt. „Die Weimut-Kiefer hat ein sehr weiches Holz. Das eignet sich gut, um gerade kleinere Figuren zu schnitzen und ihnen ein Gesicht zu geben.“

  • Zwischen einer und drei Stunden braucht der Profi mit seinem Werkzeug für eine Krippenfigur. Optional können die kleinen Kunstwerke anschließend noch mit Wasserfarben bemalt werden.

  • Echte Handarbeit lässt sich am besten an ein und derselben Figur erkennen. „Ich kann zwar eine Figur immer wieder schnitzen, aber aussehen wird sie nie gleich“, sagt der Holzbildhauermeister. Gut erkennbar an diesen drei Krippenfiguren, die sich gerade in den Gesichtszügen und der Gesichtsform stark unterscheiden.

  • „Ich muss mich immer zusammenreißen, wenn ich weibliche oder kindliche Gesichter schnitze, weil mein Stil ist eher grob und kantig – also gut für Männergesichter“, analysiert der Fachmann sein Können.

  • Krippen sind in den Familien auch heute noch ein großes Thema. „Ich habe viele Kunden, die Krippenfiguren sammeln oder sich jedes Jahr neue Figuren für ihre Krippe daheim kaufen“, erklärt Maller. Dazu führt der Holzbildhauer für jeden Kunden eine Kartei, um zu wissen, welche Figuren in welcher Größe er schon daheim hat und was noch fehlt. „Weil oft wissen das die Leute selber nicht so genau.“

  • In seinem eigenen Wohnzimmer steht übrigens gar keine besondere Krippe. Ganz Geschäftsmann stellt sich Maller Figuren in seine private Krippe, die unverkäuflich sind. „Früher waren die Figuren viel knalliger bemalt. Das hat man heute nicht mehr. Aber mir ist es egal, die Handwerkskunst ist ja die gleiche“, lacht der Holzbildhauer.

  • Und dann gibt es bei Maller im Geschäft noch eine ganz besondere Figur. 1,20 Meter groß und unverkäuflich – sein Meisterstück. „Ja, das ist der Läufer, den habe ich 1988 zur Meisterprüfung geschnitzt.“ Früher seien seine beiden Buben oft auf den Schultern des Läufers gesessen. Heute begrüßt er die Kunden in der kleinen Werkstatt, in der es so herrlich nach Holz riecht. (Fotoreportage: Renate Kerscher)

In seinem kleinen Geschäft in der Marktstraße gibt es zeitgenössische Holzkunst, aber auch sakrale Kunst wie Heiligenfiguren, Madonnen, Kreuze und Krippen.