Das Regensburger Bistumsblatt feiert Geburtstag: 90 Jahre Katholische SonntagsZeitung

31.05.2017

Die Katholische SonntagsZeitung wird heuer 90 Jahre alt. Das Regensburger Bistumsblatt feiert das Jubiläum an Pfingsten mit einer Jubiläumsausgabe.

Nach zwei Probenummern, die am 5. und 12. Dezember 1926 in einer Auflage von jeweils 80 000 Exemplaren erschienen, startete das Regensburger Sonntagsblatt mit der Ausgabe vom 2. Januar 1927 den wöchentlichen Aboverkauf. Da es zu jener Zeit noch kein Fernsehen, wenig Radio und erst recht keine Computer gab, erzielte das Blatt eine riesige Verbreitung und große Aufmerksamkeit. Auch 90 Jahre später ist die Katholische SonntagsZeitung, wie sie mittlerweile heißt, bei vielen Gläubigen im Bistum Regensburg selbstverständliche Sonntagslektüre. Eine Jubiläumsausgabe, die an Pfingsten erscheint, blickt zurück auf die Geschichte und lässt Leser nicht nur aus dem Bistum, sondern rund um den Globus zu Wort kommen.

Um auch jenen einen Einblick zu ermöglichen, die einfach mal neugierig sind und die Katholische SonntagsZeitung kennenlernen wollen: Die Jubiläumsausgabe kann ab dem 1. Juni 2017 um 16 Uhr kostenlos und unverbindlich heruntergeladen werden. Viel Freude bei der Lektüre!

Zum Jubiläum gibt es das Abonnement der Katholischen SonntagsZeitung zu einem besonders attraktiven Preis: Für 75 Euro können Sie die Ausgabe mit Informationen, Nachrichten und Neuigkeiten aus Kirche und Welt sowie viel guter Unterhaltung für ein ganzes Jahr lang beziehen. Mehr Informationen zum einmaligen Jubiläums-Abo können Sie als PDF herunterladen.

Redaktionsleiter Stefan Mohr.

"Aus dem Bistum für das Bistum"

Aus Anlass des Jubiläums haben wir mit Stefan Mohr gesprochen, dem Redaktionsleiter der Regensburger Ausgabe.

Herr Mohr, was hat sich in der Zeit, die Sie von den 90 Jahren als Mitarbeiter und Redaktionsleiter der Katholischen Sonntagzeitung miterlebt haben, verändert?

Als ich vor über 29 Jahren als Redakteur beim Regensburger Bistumsblatt anfing, stand in einem der Redaktionsräume noch ein alter Telex-Fernschreiber und auf meinem Schreibtisch eine große Schreibmaschine - immerhin schon elektrisch. Eigene und Fremdtexte wurden von uns Redakteuren ausschließlich auf Papier bearbeitet und ein Klebeumbruch für die Schriftsetzer in der Druckerei mit Schere, Kleister und Papier gemacht. "Hast du Leim und Scher', bis du Redakteur", hieß damals ein Sprichwort. Das Telefax, das bald darauf Einzug hielt in der Redaktion, war dann schon ein Sprung bezüglich schneller und weltweiter Nachrichtenübermittlung - zumindest was den Text betraf. Mit dem Wechsel des Druckhauses - ab Januar 1996 wurde das Regensburger Bistumsblatt in Passau gedruckt - wurden die ersten Computer in der Redaktion aufgestellt. Mehr und mehr bestimmen die Text- und Bildbearbeitung sowie der Ganzseiten-Umbruch am Bildschirm unseren Redaktionsalltag. Dank Internet wurde die Datenübermittlung immer globaler, schneller und einfacher. Schickten anfänglich die Freien Mitarbeiter im Bistum Text und Bild noch auf Diskette per Post, so wurden E-Mails mit angehängten Bilddaten bald Standard.
Heute arbeiten wir Redakteure wie selbstverständlich mit modernster Computertechnologie in der Kommunikation und der Erstellung unserer Druckseiten - eine rasante Entwicklung in nicht einmal 30 Jahren. Die technische Entwicklung im Medienbereich hatte freilich auch Auswirkung auf den Inhalt der Zeitung. Durch eine ganze Reihe von Anpassungen - sogenannte Relaunches - präsentierte sich auch das Regensburger Bistumsblatt immer wieder als modernes Printmedium auf der Höhe der Zeit.

 

Was war Ihr schönstes Erlebnis, das Sie damit verbinden?

Viele schöne Erlebnisse hatte ich in Begegnungen mit interessanten Menschen, als ich für die wöchentliche Bistums-Reportage noch viel in der Diözese unterwegs war. Seit ich mit dem Übergang des Regensburger Bistumsblatts in die Katholische SonntagsZeitung im Juli 2003 Regensburger Redaktionsleiter geworden bin, komme ich kaum noch aus meinem Büro. Schöne Erlebnisse sind da die Momente, in denen man sich darüber freut, dass Beiträge für die Zeitung so gelungen sind, wie man sich das vorgestellt und gewünscht hat. Ein solcher Glücksmoment war zum Beispiel, als die letzte Seite der Sonderseiten zum Besuch von Papst Benedikt XVI. in Regensburg an die Druckerei geschickt wurde. Oder die Abende in der Zeit des Katholikentags 2014 in Regensburg, als wir mit kleiner Mannschaft vom Vormittag bis spät in die Nacht an täglichen 16-seitigen Sonderausgaben gearbeitet haben. Nachdem wir die letzte Druckvorlage für die abschließende Ausgabe, die Sonntagsausgabe, verschickt hatten, waren wir so euphorisch, dass wir - obwohl wir sicher übernächtigt waren und am nächsten Tag ja schon wieder an der regulären Wochenzeitung arbeiten mussten - nicht nach Hause ins Bett wollten, sondern in einem Wirtshaus noch gemeinsam ein Bier tranken. Wir waren wie trunken - aber nicht vom Bier.

 

Wie und mit welchen Schwerpunkten sehen Sie Ihren Dienst für die Menschen im Bistum?

"Aus dem Bistum für das Bistum", so lautete die Parole für die Macher der ersten Regensburger Bistumszeitung vor 90 Jahren. Daran hat sich - zumindest was den Bistumsteil betrifft - trotz vieler technischer Neuerungen und anderer Umstellungen nichts geändert. Nach wie vor wollen meine Kollegen Gudrun Wittmann und Markus Detter wie auch ich Nachrichten und Wortmeldungen aus dem Bistum für die Leser im Bistum aufbereiten. Das kirchliche Leben in der Diözese soll in seiner Breite, Vielfalt und Besonderheit einen Spiegel finden. Bei über 700 Seelsorgestellen im Bistum ist das für eine Wochenzeitung ein hoher Anspruch und eine Herausforderung - Woche für Woche. Das kann nur annähernd gelingen, einmal mehr, einmal weniger. Viele Freie Mitarbeiter in der ganzen Diözese helfen uns dabei, ohne sie ginge es nicht. Dieser Spiegel kann jedem Leser zeigen: Ich bin nicht allein Christ, nicht allein Kirche.
Auch und gerade unsere wöchentliche Doppelseite mit Terminankündigungen kirchlicher Veranstaltungen zeigt, wo und wie Kirche erlebbar wird. Darüber hinaus wollen wir unseren Lesern Mut machen und helfen, ihr Christsein zu leben - mit geistlichem Wort in vielfältiger Weise: vom Kommentar zum Sonntagsevangelium bis zum Krankenbrief, vom Wort des Bischofs bis zu Erläuterungen pastoraler Mitarbeiter. Und nicht zuletzt wollen wir Interessantes und Unterhaltsames zur Lektüre anbieten, von der Kurzvorstellung von Gotteshäusern unter der Rubrik "Im Bistum unterwegs" bis hin zu Erzählungen und Rätseln.

 

Wo sehen Sie die Kernherausforderungen der Kirche und eines kirchlichen Mediums heutzutage?

In einer immer säkularer werdenden Gesellschaft steht die Kirche vor vielen Herausforderungen. Eine große davon ist sicherlich, dass die Glaubensvermittlung an die nächste Generation nicht mehr wie selbstverständlich funktioniert. Früher wurde man gleichsam hineingeboren in ein kirchliches Milieu, das stabil war. Und man wuchs - ich möchte fast sagen: alternativlos - darin auf. Heute ist das Bekenntnis zu Christus und seiner Kirche hierzulande alles andere als selbstverständlich. Mir scheint, dass viele Gläubige verunsichert, ja verängstigt und sprachlos geworden sind.
Mich erinnert das an die Situation der Apostel vor dem Pfingstfest. An Pfingsten wurden sie aber im wahrsten Sinne des Wortes begeistert, fassten Mut und fanden gleichsam ihre Sprache wieder. Pfingsten ist die Geburtsstunde der Kirche. Und der Geburtsort ist das Obergemach, die gute Stube sozusagen. Und genau das brauchen wir wieder: Wir brauchen das Gebet und das Gespräch über Gott und die Welt am Familientisch in der guten Stube, wir brauchen den Austausch über unseren Glauben in der Runde Gleichgesinnter. Das ist der Weg, Sprachlosigkeit zu überwinden. Wir brauchen Glaubensgemeinschaft über den sonntäglichen Gottesdienst hinaus, um mit neuem Mut auch die zu begeistern, die den Weg in die Gotteshäuser nicht oder nicht mehr finden. Mein Wunsch und meine Hoffnung ist es, dass unsere Kirchenzeitung als Kommunikationsmittel dazu beitragen kann, diese Sprachlosigkeit der Gläubigen ein Stück weit zu überwinden.

 

Wo wird denn der Platz der SonntagsZeitung in Zukunft sein - und warum empfehlen Sie sie?

Welchen Weg die Katholische SonntagsZeitung in Zukunft gehen wird, weiß ich nicht. Ich bin nicht der Verleger und nicht der Chefredakteur, sondern nur der Redaktionsleiter für den Diözesanteil. Als solcher will ich auch weiterhin zusammen mit meinen Kollegen guten Gesprächsstoff liefern - aus dem Bistum für das Bistum. Denn nach wie vor sehe ich den Platz der Katholischen SonntagsZeitung als Familienlektüre auf dem Tisch der guten Stube. Nach wie vor sehe ich in unserem Printmedium ein sehr geeignetes Mittel, das Gespräch über Gott und die Welt lebendig zu halten.
In ihrer Vielfalt bietet unsere Bistumszeitung dazu reichlich Gelegenheit: von der Titelreportage über Wissenwertes aus Rom und der Welt bis hin zur Liturgie-Doppelseite, von spirituellen Denkanstößen über die Bistumsnachrichten bis hin zu Tipps für interessante Veranstaltungen, nicht zuletzt vom wegweisenden Wort des Bischofs in Predigten bis hin zu anspruchvoller Unterhaltung und vielem mehr. Sie sehen, ich rede mich in Begeisterung. In der Tat gehört für mich die Bistumszeitung wie selbstverständlich in jeden katholischen Haushalt.