Der heilige Koloman – Ein Heiliger ohne offizielle Heiligsprechung

12.10.2017

Fremde Sprache, fremde Kleidung – wenn das nicht verdächtig ist. Was auf den ersten Blick ein Kapitel aus unserer Gegenwart zu sein scheint, führt über 1000 Jahre zurück: zu einem Mann, der als Heiliger verehrt wird, aber nie offiziell heiliggesprochen wurde. Sein Name: Koloman oder auch Coloman.

Koloman war ein irischer Pilger, der 1012 unterwegs war ins Heilige Land. Er kam bis nach Niederösterreich, genauer gesagt bis nach Stockerau bei Wien. Dort endete seine Pilgerreise. Weil er so anders sprach und aussah, hielten ihn die Einheimischen für einen böhmischen oder ungarischen Spion. Sie nahmen ihn gefangen, folterten ihn und da er nicht geständig war, wurde er der Überlieferung nach an einem Holunderstrauch aufgehängt. Das war am 17. Juli 1012.

Die Legende berichtet, dass der Leichnam Kolomans eineinhalb Jahre völlig unverwest am Holunderstrauch hängen blieb. Dieser Holunderstrauch ist übrigens bis heute an der Rückwand des Klosters Stockerau zu sehen.

Weitere Wunder folgten: so träumte ein Vater, dass sein krankes Kind geheilt werden würde, wenn er es mit dem Fleisch und Blut aus dem Körper des Toten bestreichen würde. Das soll sich bewahrheitet haben. Und als es daran ging, Kolomans Tod festzustellen, das stach ein Jäger einen Spieß in seine Seite und es floss Blut heraus. 1014 ließ der Babenberger Markgraf Heinrich I. den Märtyrer Koloman in seine Residenz beim Kloster Melk überführen. Hier wurde er am 13. Oktober 1014 durch Bischof Megingaud von Eichstätt bestattet.

Somit gilt der 13. Oktober als Kolomans Gedenktag und das seit dem Jahr 1244.

Die Verehrung als Märtyrer ließ nicht lange auf sich warten. Sie breitete sich bereits im 11. Jahrhundert aus – von Melk über ganz Österreich, nach Ungarn und auch nach Bayern.

Koloman ist ein beliebter Pferde- und Viehpatron. Außerdem wird er bei Unwettern angerufen, man erbittet sich von ihm Hilfe bei Kopf-, Hals-, Zahn- und Fußleiden, er ist Patron der Reisenden und darüber hinaus gilt der Heilige Koloman auch als beliebter Heiratspatron. Das beweist folgender Spruch: „Heiliger Koloman, schick mir einen braven Mann“.

Dargestellt wird Koloman übrigens als Pilger mit Strick, Stab, Hut Pilgerflasche, Zange, Steinen, Ruten.

 

Koloman-Kirchen sind im Bistum Regensburg eher eine Seltenheit

Im Bistum Regensburg gibt es insgesamt acht Kapellen und Kirchen, die dem Heiligen Koloman geweiht sind: zum Beispiel die Koloman-Kapelle im Mainburger Ortsteil Massenhausen, die Koloman-Kapelle in Warmersdorf, einem Ortsteil von Bodenwöhr oder auch die Kirche St. Coloman in Regensburg-Harting, eine Gründung des Klosters St. Emmeram. Die Kirche gehört seit 10 Jahren zur Pfarrei St. Franziskus-Burgweinting.

Der österreichische Maler Matthias Schiffer verewigte dort den Heiligen Koloman in drei Deckengemälden. Im Hauptschiff stellte er seinen Tod dar, im Altarraum seine Aufnahme in den Himmel und über der Empore ist zu sehen, wie er als Viehpatron angerufen wird.

Dazu kommen vier Medaillons, die das Martyrium des Hl. Koloman beschreiben, sowie eine Figur im Altarraum, weiß Cornelia Hecht. Die Religionslehrerin aus Neutraubling bietet auf Wunsch Führungen in der Hartinger Kirche St. Coloman an.

Am 15. Oktober wird in der Kirche St. Coloman in Harting das Patrozinium gefeiert. Der Festgottesdienst mit Pfarrer Dr. Christoph Seidl beginnt um 9 Uhr 15.