Der Leib ist der „Lieblingsweg der Gnade“ – Podium vertieft das Thema der „Ökologie des Menschen“

30.05.2014

„Ökologie des Menschen“ war der Titel eines maßgeblichen Podiums im Rahmen des 99. Deutschen Katholikentags, das am Donnerstagnachmittag an der Universität Re-gensburg stattfand. Der renommierte Heidelberger Neutestamentler Prof. Klaus Berger trug das Impulsreferat vor, bevor das hochkarätig besetzte Podium, moderiert vom Journalisten Dr. Alexander Kissler, die Anliegen der Familie und der Ehe in weiteren Statements mit Gewinn vertiefte. Prof. Berger hob die Relativität der Familie hervor, wie sie in der Zeit des Hellenismus geherrscht habe. Die traditionelle Familie sei bereits damals in der Krise gewesen, eingeschnürt durch einen „jahrhundertealten Filz“. Einzig das Christentum unter den Religionen habe es aber vermocht, als Gemeinschaft im Glauben eine „neue Familie“ zu sein.

Die Podiumsrunde eröffnete Christa Meves, bundesweit bekannte Psychologin, deren zentrale Aussagen zum Thema Familie die Diskussionen der vergangenen Jahrzehnte bestimmten. Sie hob die Aussage Papst Benedikt XVI. hervor, der dazu aufgefordert hatte, die „Natur in sich selbst zu beachten“. Dafür habe sie sich selbst, so die Psychologin, in den vergangenen 50 Jahren eingesetzt. Ihre Ausführungen wurden mit einem langanhaltenden Applaus bedacht. Consuelo Gräfin Ballestrem, Psychologin, würdigte Christa Meves als „große Prophetin“ und verwies auf die Tatsache, dass rund um die Uhr für Kinder da zu sein „sämtliche Regeln der Schwerkraft überschreite“. Prof. Matthias Beck, der als Moraltheologe und Medizinethiker in Wien wirkt, kritisierte die zunehmende Beliebigkeit, die mit dem Verlust an Transzendenzfähigkeit einhergehe, und stellte ihr die Unterscheidung der Geister entgegen.

Der Münchner Privatdozent Dr. Hans Otto Seitschek erinnerte daran, dass es das Ziel des Menschen sei, gemäß seiner Natur zu leben. Sie sei allerdings kein irrationales und undurchdringliches Sein, sondern in ihr lasse sich die Vernunft finden. Hedwig Freifrau von Beverfoerde berichtete von ihrem Engagement für die „Initiative Familienschutz“ in Berlin und sprach über „Störungen der Familie und der Beziehung von Mann und Frau in der Gesellschaft, die geradezu organisiert sind“. Langfristige Bindungen zwischen den Eltern brächten aber für die Kinder Stabilität mit sich.

Prof. Dr. Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz, Philosophin aus Erlangen, stellte tiefgehende Betrachtungen über das Verhältnis von Leib und Körper an. Der Leib sei der Weg zu etwas ganz Großem, der Leib sei der „Lieblingsweg der Gnade“. Außerdem hob sie die Bedeutung der Andersheit hervor, die dem Menschen im jeweils anderen Geschlecht begegne. „Das große Abenteuer ist der andere“, so Prof. Gerl-Falkovitz. Prof. Dr. Manfred Spieker, Osnabrück, machte schließlich darauf aufmerksam, dass der Begriff der „Ökologie des Menschen“ zunächst in der Enzyklika „Centesimus annus“ (1991) von Papst Johannes Paul II. genannt werde. Mit deutlichen Worten kritisierte Prof. Spieker, dass in der Verfassungswirklichkeit in Deutschland das Recht auf Leben nicht mehr gewährleistet sei. Dass im Gegensatz zu den USA, Frankreich und Polen in der Kirche in Deutschland der Lebensschutz nicht präsent sei, führte Spieker auf den jahrelangen Konflikt um den Beratungsschein zurück: „Dieser Konflikt lähmt die Kirche bis heute.“

Abschließend wurde deutlich: Wer die Ökologie des Menschen schützen will, der muss sich auf Kontroversen mit einer einflussreichen Lobby gefasst machen.

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