Deutsch-Tschechisches Symposium „Setkávání – Encounters – Begegnungen“ als Beitrag, „eine bessere Welt zu bauen“

06.03.2018
Bischof Dr. Rudolf Voderholzer bei seinem Grußwort am Begrüßungsabend, neben ihm der Pilsener Bischof Dr. Tomáš Holub.

In drei Sprachen – Tschechisch, Englisch und Deutsch – steht der Begriff „Begegnungen“ als Motto über der seit ein paar Jahren lebendigen Veranstaltungsreihe: „Setkávání – Encounters – Begegnungen“. Getragen wird diese federführend von Deutschen und Tschechen aus der Ackermann-Gemeinde im der Diözese Regensburg bzw. dem Bürgerverband Klattauer Katakomben und dem Akademischen Forum Albetus Magnus. Am vergangenen Freitag und Samstag fand nun – diesmal in Regensburg – das zweite Symposium statt, das sich den tschechisch-deutschen Beziehungen von 1500 bis 1750 widmete und in das sich Diözesanbischof Dr. Rudolf Voderholzer stark einbrachte.

Dass auch die Stadt Regensburg der Veranstaltung große Bedeutung beimisst, zeigte der Empfang, den Kulturreferent Klemens Unger vor dem Symposium den Organisatoren und Ehrengästen gab. Der Pilsener Bischof Dr. Tomáš Holub betonte dabei in seinem Grußwort die Bedeutung der geistlichen Brücken und der gemeinsamen Wurzeln als Basis einer europäischen und christlichen Zukunft. Bei der feierlichen Eröffnung des Symposiums im Pfarrerstüberl des Bischofshof erinnerte Prof. Dr. Sigmund Bonk, Direktor des Akademischen Forums Albertus Magnus, an die nicht weit von hier im Jahr 845 vollzogene Taufe der 14 böhmischen Fürsten sowie an weitere Ereignisse der Beziehungen zwischen Regensburg und Böhmen. Die Präsenz der zwei Bischöfe und Schirmherren des Symposiums Dr. Rudolf Voderholzer und Dr. Tomáš Holub würdigte Bonk als Ausdruck der guten diözesanen und deutsch-tschechischen Nachbarschaft.

Bischof Dr. Rudolf Voderholzer bei seinem Grußwort zum Vortragsteil des Symposiums mit Blick auf einen Teil der Symposiumsteilnehmer. Dr. Ivo Polácek übersetzt gerade die Passage des Grußwortes ins Tschechische.

Symposium als weiterer Brückenschlag

Auch Bischof Voderholzer verwies in seinem Grußwort auf die Taufe der 14 böhmischen Fürsten und bezeichnete dieses Ereignis als „ersten Meilenstein der gemeinsamen Geschichte“. Natürlich ging er auch auf das nächste wichtige Ereignis im Jahr 973 ein, als Bischof Wolfgang der Eigenständigkeit des Bistums Prag zustimmte, das 1344 zum Erzbistum erhoben wurde und aus dem im Jahr 1993 das Bistum Pilsen herausgelöst wurde. „Das Bistum Pilsen ist somit die Enkelin Regensburgs. In guter familiärer Gemeinsamkeit sind wir seither gut unterwegs und pflegen eine gute, freundschaftliche Nachbarschaft“, führte der Regensburger Oberhirte aus. Er erinnerte an die Mitwirkung von Bischof em. František Radkovský als Konsekrator bei seiner Bischofsweihe und umgekehrt von ihm bei der Bischofsweihe Holubs. Einige weitere Höhepunkte nannte Bischof Rudolf: viele Aktionen beim Katholikentag 2014 in Regensburg mit der Wallfahrt nach Neukirchen Hl. Blut, die gemeinsame Sternsingeraussendung in der Klosterkirche Kladrau, die Veranstaltung in Schönsee zum 60-jährigen Jubiläum der Katholischen Akademie in Bayern und natürlich das erste Symposium dieser Reihe im November 2016 in Klattau. Hier faszinierten den Bischof besonders die Mumien der Jesuiten, erfreut zeigte er sich in seinem Grußwort aber auch über die Renovierung der dortigen Jesuitenkirche. Seinen Dank an die Organisatoren verband der Bischof mit der Bitte, „dass das Symposium ein weiterer Brückenschlag zur Vertiefung der Nachbarschaft, Freundschaft und Verbundenheit“ sein möge.

Beeindruckt war Bischof Dr. Rudolf Voderholzer von der Lichtinstallation auf der Nachbildung des Hochaltars der Kladrauer Klosterkirche. Aus Kladrau stammt bekanntlich Voderholzers Mutter.

Bischof Holub: Diesen Weg weiter gehen!

Auf die populistischen Strömungen in Deutschland und Tschechien – auch hinsichtlich des Zusammenwachsens Europas – machte der Pilsener Bischof Holub in seinem Grußwort aufmerksam, und auf die damit verbundene „Trauer und Angst nicht nur bei Leuten, die Brücken bauen wollen“. Daher sei das Symposium ein Beitrag, „eine bessere Welt zu bauen“ und Europa sowie dessen christliche Grundlagen zu verteidigen. Den Trägern und Organisatoren des Symposiums dankte er und sprach ihnen Mut zu, „diesen Weg weiter zu gehen – mit Hoffnung, Glauben und der Bereitschaft, Brücken zu bauen.“

Schirme aus Klattau übergab zum Abschluss der Eröffnung Václav Chroust, der 2. Bürgermeister von Klattau und Vorsitzende des Bürgerverbandes Klattauer Katakomben, den beiden Bischöfen, die ja als Schirmherren fungierten. Ganz besonders dankte er Dr. Jean Rutherford-Ritzke für die Federführung bei der Organisation des Symposiums. Chroust stellte dann kurz die Dokumentation des ersten Symposiums vor, die Bischöfe Voderholzer und Holub segneten die Bücher.

 

Lichtinstallation des Barockaltars der Klosterkirche Kladrau

Nach dem Abendessen besichtigten die Gäste die Lichtinstallation Archifon, d.h. einen Nachbau des Barockaltars der Klosterkirche Kladrau, im Hof des Thon-Dittmer-Palais – für Bischof Voderholzer natürlich etwas Besonderes, da seine Mutter aus Kladrau stammt. Die Installation war ein Programmpunkt des parallel stattfindenden Bayerisch-Böhmischen Festivals. Der öffentliche Teil des Symposiums beinhaltete vier Vorträge zum Zeitraum 1500 bis 1750 in Bayern und Böhmen. Rund 40 Gäste aus Klattau und etwa 30 Interessenten aus Regensburg und aus der Diözese wohnten den Referaten bei.

Bischof Dr. Rudolf Voderholzer bei seiner Domführung.

Zum Thema „Das Konzil von Trient (1545 – 1563) – Ausgangspunkt der katholischen Reform in Bayern und Böhmen“ referierte Bischof Voderholzer. Er nannte zunächst die wesentlichen Inhalte und Themen des Konzils (Vermittlung der geoffenbarten Wahrheit, Rechtfertigung, Möglichkeiten der Mitwirkung des Menschen an seinem Heil, Sakramente) und sich daraus ergebende Folgen: Pflicht zur Predigt und Verkündigung des Glaubens, damit eine Akademisierung der Priesterausbildung. Dadurch sei es zu einer „Erstarkung der katholischen Kirche im 17. und 18. Jahrhundert gekommen. Es war ein Akt der Selbstbesinnung und Selbsterneuerung“, so Bischof Voderholzer. Eine große Rolle hätten dabei einige Ordensgemeinschaften gespielt. Als konkrete Zeugnisse nannte der Bischof die Kirchenarchitektur des Barock mit prachtvollen Stilelementen, aber auch Impulse für die Fronleichnamsprozessionen, die Gründung von Bruderschaften, die Förderung von Weihnachtskrippen, des geistlichen Schauspiels (Passionsspiele) sowie die Marien- bzw. Heiligenverehrung – vor allem des Heiligen Nepomuk in Bayern und Böhmen.

 

Domführung mit Bischof Rudolf

Am Nachmittag bot Bischof Voderholzer für die Symposiumsteilnehmer selbst eine Domführung. Mit einem feierlichen von ihm und Bischof Holub als Hauptzelebranten gefeierten Pontifikalgottesdienst in der Kirche St. Kassian, der ältesten Pfarrkirche bzw. kleinsten Pfarrei Regensburgs, endete das Symposium. Bischof Holub mahnte in seiner Predigt, gerade jetzt in der Fastenzeit, den Blick auf das Kreuz, das Zentrum unseres Glaubens, zu richten, das Zeichen für die Hingabe Jesu für uns Menschen ist.

Mit unterstützt wurde das Symposium von der Katholischen Erwachsenbildung in der Stadt Regensburg und vom Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds.