"Die größten Barrieren sind in den Köpfen" - Übergabe des Signets "Bayern barrierefrei" durch Staatsministerin Emilia Müller an die Mädchenrealschule St. Josef Schwandorf

09.03.2018

Die Barrierefreiheit einer Schule ist sowohl im wörtlichen als auch im übertragenden Sinn unabdingbare Voraussetzung für die uneingeschränkte Teilhabe junger Menschen mit und ohne Behinderung am Schulleben. Sie stellt somit ein wichtiges Element gelingender Inklusion in unserer Gesellschaft dar. Dass Inklusion im Schulleben gelingen kann, beweist die Mädchenrealschule St. Josef in Schwandorf. Der Schule der Schulstiftung der Diözese Regensburg wurde am Donnerstag das Signet "Bayern barrierefrei" durch Staatsministerin Emilia Müller überreicht.

 

Wo Barrierefreiheit eine Selbstverständlichkeit ist

Die Übergabefeier an der Mädchenrealschule in Schwandorf konnte auf ganzer Linie begeistern. Als Auftakt der Veranstaltung gab es eine Tanzeinlage der Schülerinnen Sarah Schißlbauer und Regina Tauscher, die den gemeinschaftlichen Geist der Schule bereits vorab künstlerisch hervorstechen lies. Anschließend begrüßte Marlies Hoffmann in ihrer Rolle als Schulleiterin gemeinsam mit der Schülersprecherin Inara Özkalayci die geladenen Gäste mit herzlichen und ehrlichen Worten.

Die Staatsministerin für Arbeit und Soziales, Emilia Müller, überreichte mit großer Freude das Signet "Bayern barrierefrei", das die Schule für ihr barrierefrei gestaltetes Schulhaus auszeichnet, und erklärte zuversichtlich: "Dass die inklusive Gesellschaft keine Utopie ist, belegt Ihre Mädchenrealschule." Müller verwies auch auf den langen Weg, den die Inklusion bisher gehen musste, um in der Gegenwart mehr Beachtung als noch im 20. Jahrhundert zu erfahren. "Zunächst waren sie [Menschen mit Behinderung, Anm. d. Red.] nicht sichtbar, dann sprachen wir von Teilhabern", so die Staatsministerin. Dass die Teilhaberschaft nun auch vermehrt umgesetzt wird ist zwar ein Erfolg, jedoch "ist [es] gut, dass man das als Selbstverständlichkeit erlebt". Diese Selbstverständlichkeit darf sich die Mädchenrealschule St. Josef in Schwandorf auf die Fahne schreiben. Denn auch Staatsministerin Müller weiß, dass es noch viel zu tun gibt und meint: "Wir haben noch viele Schulen, die dieses Täfelchen gebrauchen können."
Zur Wort kamen auch der Stiftungsdirektor Domdekan Johannes Neumüller, der Schwandorfer Oberbürgermeister Andreas Feller und Landrat Thomas Ebeling. Allesamt mit Dank und Lob an bzw. für die Mädchenrealschule St. Josef.
Die vielen kreativen Einlagen der Schülerinnen rundeten das Programm ab. Der schallende Applaus für die Solistinnen im Gesang und an der Querflöte und für die Gesangsformation "Voiced" sprach für sich.

Lebendiges, vertrauensvolles Miteinander

Die Barrierefreiheit der Mädchenrealschule St. Josef in Schwandorf ist durch Baumaßnahmen in den Jahren 2004 bis 2007 ermöglicht worden. Durch diese wurde das Schulgebäude nicht nur generalsaniert, sondern auch durch einen modernen Neubau erweitert.

So ist das Schulhaus ebenerdig zu erreichen und mit einem Aufzug ausgestattet, um einen barrierefreien Zugang in allen Stockwerken zu garantieren. Auch die Sanitäranlagen sind behindertengerecht gestaltet.
Damit sind alle architektonischen Bedingungen erfüllt, nicht zu vergessen sind jedoch die gelebten Werte. Marlies Hoffmann, die Schulleiterin der Realschule, weiß, wie wichtig dabei der Zusammenhalt inner- und außerhalb des Schulgebäudes ist: "Eine Schule und insbesondere eine barrierefreie Schule lebt vom lebendigen, vertrauensvollen Miteinander der Schulfamilie und von der Kooperation mit zahlreichen externen Persönlichkeiten, die sich gerne Zeit nehmen und uns in unseren Zielen unterstützen - zum Wohle aller Schülerinnen - mit und ohne Behinderung."
Die nun ausgezeichnete Schule kann stolz auf ihre gelebte Vorbildfunktion für andere Schulgebäude, aber auch für den öffentlichen Raum sein. Hoffmann sieht das Signet jedoch auch als zusätzlichen "Ansporn und Motivation, diesen Weg fortzusetzen, eine Zeichen zu setzen, uns in diesem Sinn weiterhin für eine Schule für alle zu engagieren, junge Menschen für ein gleichberechtigtes und respektvolles Miteinander zu sensibilisieren und eine barrierefreie Gesellschaft mitzugestalten."

 

Anerkennung und Zuwendung

Zur Übergabe des neuen Schulsignets war auch Andrea Schindler geladen. Die jetzige Auszubildende ist eine ehemalige Schülerin der Mädchenrealschule und vermittelte den Anwesenden überzeugend, wie wichtig der barrierefreie Schulalltag für ihre persönliche Entwicklung gewesen ist. "Dass ich mich hier als junger Mensch mit Behinderung so wohl gefühlt habe, lag nicht nur an den Freundschaften, die ich hier aufbauen konnte, sondern an der gesamten Schulgemeinschaft", erzählt Andrea Schindler und macht deutlich, dass sie vor allem "die Anerkennung und Zuwendung gefunden hat, die sich wohl jeder Mensch wünscht, sowohl von Seiten meiner Mitschülerinnen als auch von Seiten der Schulleitung und Lehrkräfte."