„Ein ausgezeichneter Familienvater, Weltchrist und Kolpingbruder“ - Zum Tod des Kolping-Diözesanvorsitzenden Heinz Süss

09.03.2016

„Frohe Herzen öffnen sich leicht und verstehen einander!“ (Seliger Adolph Kolping) Ein solch frohes Herz hatte der langjährige Diözesanvorsitzende des Kolping-Diözesanverbandes Regensburg, Heinz Süss. Dieses frohe Herz hörte in der Nacht von Sonntag auf Montag völlig überraschend auf zu schlagen. Der Satz des Gesellenvaters Kolping war das Lieblingszitat von Heinz Süss, der seit 1960 dem Kolping-Verband im Bistum Regensburg angehörte.

„Schenkt der Welt ein menschlicheres Gesicht!“ (A. Kolping)

Am 14. Januar 1941 erblickte Heinz Süss in Schwandorf das Licht der Welt. Von frü-hester Jugend an engagierte er sich in der Kirche, war Ministrant auf dem Kreuzberg, Jugendgruppenleiter in Schwandorf, später Vorsitzender der dortigen Kolpingsfamilie St. Jakob und dann Vorsitzender im Kolping-Bezirk Schwandorf (1976-2006). Im Jahre 2005 wurde er zum Diözesanvorsitzenden des Kolping-Diözesanverbandes Regensburg gewählt und damit Chef von rund 19.000 Kolpingschwestern und -brüdern, die in 152 Kolpingsfamilien organisiert und in 15 Bezirksverbänden gegliedert sind. „Heinz war nicht nur Vorsitzender sondern auch ein Freund“, so erinnert sich Kolping-Diözesanpräses Stefan Wissel dankbar, „dass Kolping Familie ist, hat er bis zuletzt gelebt. So war ich eingebunden in Freud und Leid seiner Familie. Am Tag, als wir auf dem Kreuzberg in Schwandorf seine Goldhochzeit feierten, zeigte er mir, wo er einst ministriert hat. Glaube und Tat gehörten bei Heinz unmittelbar zusammen. Das hat er in seinem Leben uns gezeigt. Dafür bin ich ihm sehr dankbar.“

Der Regensburger Bezirkspräses Diakon Thomas Steffl erinnert sich: „Gerade frisch zum Ständigen Diakon geweiht und in Regensburg-St. Anton meinen Pfarrdienst beginnend, beerbte ich Pfarrer Karl Wohlgut im Präsidenamt der dortigen Kolpingfamilie. Zunächst Panik: Ich hatte keine Vorstellung von Kolping, von seiner Gestaltungskraft als Person und Verband und welche Rolle dieser Sozialverband heute innehat und einnimmt. In all diesen dunklen Räumen war Heinz Süss mir ein Leuchtturm, eine Persönlichkeit, die durch ihre souveräne Art und Weise Orientierung gab und mir Kolping und seinen Geist einpflanzte.“

Heinz Süss war seit Juli 2005 ehrenamtliches Mitglied im Aufsichtsrat des Kolping-Bildungswerkes im Bistum Regensburg, einer der großen Bildungsträger in Ostbayern, der seit über 40 Jahren unter dem Motto „Menschen verstehen, begleiten und bilden“ wirkt. Die Vorsitzende des Bildungswerkes, Christine Jäger, erinnert sich: „Er organisierte immer wieder für einzelne Kolpingfamilien oder den Bezirksverband Besuche unserer Bildungszentren. Ihm war es ein Anliegen, dass die Kolpingfamilien über die – wie er sie nannte – überaus wertvolle Arbeit des Kolping-Bildungswerkes informiert sind und sich vor Ort ein Bild machen konnten. Zeit seines Lebens war er in all seinen Ämtern ein unerschütterlicher Fürsprecher für die Ziele Kolpings.“

Der pensionierte Außendienstmitarbeiter einer Schwandorfer Medizintechnikfirma war ein begnadeter Organisator zahlreicher Veranstaltungen und Reisen für die Mitglieder im Diözesanverband, so z.B. Europa-Fahrten für Vorstände, Gesundheitstage, Schifffahrten für Senioren und „Tage der Treue“ im Kolping-Ferienhaus Lambach, für dessen Unterstützung und Belegung er unermüdlich warb und arbeitete. Noch vom 29. Februar bis 3. März hatte er bereits zum 4. Mal die „Tage der Treue“ für 60 langjährige Kolpingmitglieder aus der gesamten Diözese mit seiner Gattin Gertraud organisiert und geleitet. 

Auch Kolping-Diözesansekretär Ludwig Haindl war ein Wegbereiter von Heinz Süss: „Sein Ruhestand war eigentlich ein Unruhestand, Heinz Süss hat einen Großteil seiner Energie und Zeit zusammen mit Frau Gertraud in die Kolpingarbeit eingebracht und war immer mit vollem Herzen dabei. Gerade im letzten und in diesem Jahr durfte er noch die Ernte seines Lebens einfahren mit der Goldenen Hochzeit, dem Bundesverdienstkreuz, dem großen Kolpingtag oder seinem 75. Geburtstag im Januar.“

Beim großen Doppeljubiläum der Kolpingsfamilie Amberg im Dezember 2015 fasste der Diözesanvorsitzende Heinz Süss noch einmal die Aufgabe des Kolpingwerkes zusammen: „Dem Weltgeschehen gilt unsere Sorge. Besonders den vielen Menschen, die als Flüchtlinge oder Asylbewerber zu uns kommen. Unser Bestreben ist hierbei, dass unabhängig von Herkunft und Wohlstand alle gleich gute Bildungschancen und Heimat bekommen. Das Kolpingbildungswerk in der Diözese ist seit Jahren schon bemüht, die Neuankömmlinge zu schulen und zu integrieren.“ 

Heinz Süss – ein ausgezeichneter Weltchrist

„Sein ganzes Leben war geprägt vom ehrenamtlichen Einsatz für die Kirche und die Menschen in unserer Zeit. Sein Tod ist ein großer Verlust für den Kolpingverband und die Diözese Regensburg. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren und im Gebet seiner gedenken", so formulierte es Regensburgs Bischof Dr. Rudolf Voderholzer, der sein Mitgefühl dessen Familie und den Kolpingschwestern und -brüdern aussprach. Bereits im Jahre 2006 hatte Bischof Dr. Gerhard Ludwig Müller Heinz Süss anlässlich der Wolfgangswoche mit der St.-Wolfgangsmedaille ausgezeichnet. Mit ihm wurde auch Philipp Graf von und zu Lerchenfeld geehrt, der damalige Vorsitzende des Diözesankomitees: „Mit Heinz Süss verbindet mich die gemeinsame Arbeit im Diözesankomitee der Katholiken im Bistum Regensburg. Durch seine ruhige und überlegte Art hat er im Diözesankomitee wesentlich dazu beigetragen, die so wichtige Arbeit der Laien in unserem Bistum zu fördern. Er hat die große Gabe gehabt, zuhören zu können und kluge Ratschläge zu geben, ohne dabei belehrend zu wirken. Seinen tiefen Glauben hat man aus seinem ganzen Wesen und bei allen seinen Handlungen immer deutlich verspüren können.“ Bischof Gerhard Ludwig Müller und Bischof Rudolf Voderholzer beriefen ihn auch in den Pastoralrat des Bistums Regensburg. 

Aber auch von weltlicher Seite wurde sein großes ehrenamtliches Engagement geehrt mit dem Bundesverdienstorden der Bundesrepublik Deutschland (1999) und dem Bundesverdienstkreuz am Bande (2015) sowie der Bürgermedaille der Stadt Schwandorf. Sein Verband selbst zeichnete ihn mit dem Ehrenzeichen des Kolpingwerkes aus.

„Treu Kolping!“ und „Treu dem Ehebund“

1965 hatte Heinz Süss seine Ehefrau Gertraud geheiratet, die ihm Sohn Norbert schenkte. Im August 2015 konnten beide noch das Goldene Ehejubiläum feiern, bei dem Diözesanpräses Stefan Wissel zu Beginn seiner Predigt in der Wallfahrtskirche auf dem Kreuzberg sagte: „Ich weiß nicht, ob Heinz länger mit Gertraud verheiratet ist oder mit Kolping.“ Auf seine Initiative hin war auch im Jahre 2008 der „Tag der Ehejubilare des Bistums Regensburg“ ins Leben gerufen worden, bei dem die Ehejubilare mit dem Bischof eine Heilige Messe im Dom St. Peter feiern und sich anschließend im Kolpinghaus St. Erhard treffen. In der Gründonnerstagsliturgie 2013 zählte Heinz Süss und seine Ehefrau Gertraud zu den zwölf Frauen und Männern aus der Diözese, denen Bischof Rudolf Voderholzer stellvertretend für die zwölf Apostel die Füße wusch.

„Solange ich gekonnt, habe ich gearbeitet, wird’s Feierabend früher als gedacht, nun, in Gottes Namen“ (A. Kolping)

Am 6. März 2016 verstarb er plötzlich und unerwartet in seiner Heimatstadt Schwandorf. Der Sterberosenkranz wird am Mittwoch, 9. März 2016, um 18.00 Uhr in der Pfarrkirche Herz Jesu in Schwandorf gebetet. Das Requiem, dem Bischof Rudolf Voderholzer vorstehen wird, findet am Donnerstag, 10. März 2016, um 10.00 Uhr in der Pfarrkirche Herz Jesu statt, anschließend ist die Beerdigung auf dem Friedhof Schwandorf.