Ein süffiges Oratorium, bei dem es um alles geht - Edward Elgar („Land of hope and glory“) komponierte, der selige John H. Newman textete. Aufgeführt wird in Regensburg

15.03.2017
Rektor Stefan Baier und Prof. Dr. David Hiley mit der Partitur von "The dream of Gerontius"

Prof. Stephan Baier ist Rektor der Hochschule für katholische Kirchenmusik und Musikpädagogik, Dr. David Hiley wirkte von 1986 bis 2013 als Professor für Musikwissenschaft am Institut für Musikwissenschaft der Universität Regensburg. Im Interview stellen sie das Oratorium „The Dream of Gerontius“ vor, das am Freitag, 31. März, an der Universität Regensburg aufgeführt wird.

 

Herr Prof. Baier, worum geht es genau bei dem Projekt?

Wir freuen uns sehr, dass wir nach Jahren der Vorbereitung das Oratorium „The Dream of Gerontius“ zur Aufführung bringen können. Der Text ist ein Gedicht von Kardinal John Henry Newman, die Vertonung stammt von dem englischen Komponisten Edward Elgar (1857-1934). Das Werk wurde 1900 uraufgeführt.

 

Wer sind in Regensburg die ausführenden Musiker?

Das Schöne ist, dass bei dieser Aufführung am Freitag, 31. März, ab 19.30 Uhr im Audimax an der Universität Regensburg verschiedene Regensburger Chöre und Institutionen zusammenwirken und das Projekt unter der Schirmherrschaft unseres Bischofs Dr. Rudolf Voderholzer auf die Beine stellen.

Mitwirken werden zwei Chöre und ein Orchester: der Chor der Hochschule für katholische Kirchenmusik und Musikpädagogik unter der Leitung von Kunibert Schäfer, der Universitätschor unter der Leitung von Kirchenmusikdirektor Roman Emilius, der evangelische Kollege unserer Kirchenmusikszene in Regensburg; und das Philharmonische Orchester. Die Gesamtleitung liegt bei Tetsuro Ban, dem Generalmusikdirektor am Stadttheater Regensburg.

 

Wie ist der Stand der Vorbereitung?

Es gab schon eine gemeinsame Probe. Die eigentliche Phase der Endproben, bei der alle Ensembles zusammenwirken, beginnt am 20. März.

 

Was erwartet die Zuhörer und Zuhörerinnen?

Den Zuhörer erwartet ein spätromantisches Werk. Es ist ein großes Oratorium, das in England eine lange Tradition hat. Es hat den Rang eines „Messias“ von Georg Friedrich Händel. Es weist Bezüge zu Wagner auf: Es ist ein süffiges Oratorium der Spätromantik. Die Chöre agieren im typischen Genre der Spätromantik mit dem Orchester. Es gibt einen großen Solo-Part.

 

Auf wen geht der Text zurück?

Der Text des Oratoriums spielt eine grundlegende Rolle: Er ist ein Gedicht des berühmten Kardinals John Henry Newman, des großen Kardinals, den Papst Benedikt in Birmingham 2010 selig gesprochen hat. Edward Elgar selbst war Katholik.

 

Was sagen Sie jetzt den Menschen, die sich für Musik interessieren?

Ich kann allen Musikinteressierten nur dringend empfehlen, am 31. März ins Audimax an der Universität Regensburg zu kommen. Das Werk wird in Deutschland selten gespielt, es lohnt sich auf alle Fälle, es zu hören. Verpassen Sie die Gelegenheit nicht!

 

Prof. Dr. Hiley, können Sie die Musik noch etwas eingehender beschreiben, die uns erwartet?

Die Musik lässt sich einordnen in der Nachfolge von Richard Wagner. Die Musik-Sprache, wie Elgar Themen bearbeitet, die Harmonien und die Größe des Orchesters – Wagners Einflüsse sind unverkennbar!

 

Aha! Wagner ist allerdings politisch verdächtig! Könnten Sie beschreiben, in welchen Punkten immerhin in musikalischer Hinsicht Ähnlichkeiten bestehen?

Das Oratorium hat keine Einteilung in Arien und Rezitative, sondern es ist ein ununterbrochen fließender musikalischer Diskurs. Das hat Elgar von Wagner und seinen Opern gelernt. Um die Jahrhundertwende, als das Werk entstand, waren die zahlreichen Verflechtungen zwischen der englischen Musik und der deutschen Musik noch nicht abgebrochen. Elgar kannte deutsche Musik sehr gut und Deutsche haben Kenntnis von der Musik genommen, die aus England kam.

 

Welche Bedeutung hat „Gerontius“ heute in England? Das Konterfei des Komponisten zierte immerhin lange Jahre die 20-Pfund-Note!

Man nennt Gerontius in einem Atemzug mit Händels „Messias“ und mit Mendelssohn Bartholdys Elias. Das sind die drei Großen! Mendelssohn Bartholdys Elias und Elgars Gerontius wurden beide in Birmingham uraufgeführt. Elgars Gerontius ist ein Unikum. Es konnte in England von Anfang an einen großen Erfolg verzeichnen, auch wenn die Uraufführung unter schwierigen Umständen zu leiden hatte. Es fanden damals relativ bald zwei Aufführungen in Düsseldorf statt, die ebenfalls einen sehr großen Erfolg hatten.

 

Was bedeutet das alles für Regensburg?

Es wird einigermaßen ein Stück Musikgeschichte geschrieben. Es ist die erste Aufführung in Regensburg. Es ist ein großartiges Werk, ein großes Orchester mit großem Chor und Solisten. Ich habe es immer als ein überwältigendes Erlebnis empfunden, auch wenn ich von anderer Konfession bin. Es ist ein musikalisches Erlebnis.

 

Was lässt sich eigentlich sonst noch über Edward Elgar sagen?

Edward Elgar wird in England im Allgemeinen sehr positiv wahrgenommen. Er spielt bis heute eine große Rolle in der Programmierung großer Konzerte. Gerontius ist noch immer ein Muss. Recht populär sind die Märsche, die er komponiert hat: die Pomp and circumstance marches. Das wurde später mit dem Text „Land of hope and glory“ versehen und so wurde es zur zweiten Nationalhymne der Briten. Bei den Regensburger Schlossfestspielen vor etwa zehn Jahren war übrigens „Land of hope and glory“ zu hören, wobei der Chor der Hochschule für katholische Kirchenmusik mitgesungen hat. Elgar hat auch Serenaden im Stil der Unterhaltungsmusik komponiert.

 

Und der Inhalt des Oratoriums?

Der Text ist durch und durch mit katholischen Grundgedanken versehen. Edward Elgar war katholisch und setzte mit diesem ausgesprochen katholischen Text ein Zeichen. Thema ist das Leben auf Erden und das, was im Himmel auf uns wartet. Es ist die Vorstellung des Kardinals John Henry Newman, was den Menschen später erwartet. Dass es der Text eines Konvertiten und noch dazu Kardinals war, das stellte in England kein Hindernis dar. Es geht um Folgendes: Gerontius liegt im Sterben. Er denkt an sein Leben zurück und betet. Er weiß nicht, welcher Richtspruch ihn erwartet. Im zweiten Teil dann wacht die Seele auf. Der Schutzengel führt sie zum Richterstuhl. Und unterwegs spricht ein Engel mit ihr, der ihr erklärt, was passiert. Sie gehen an einer großen Zahl an Dämonen vorbei. Dann erfolgt das Gericht und die Seele sieht Gott und sie wird von Gott durchdrungen. Sie gerät dann ins Fegefeuer. Phantastisch und alles hochdramatisch in der Musik. Es endet mit einer klanglichen Vision des himmlischen Friedens.

 

Karten gibt es im Vorverkauf zu Preisen von 17,90 bis 51,90 Euro. Kartenreservierungen sind telefonisch möglich unter 0941/507-2424

oder Mail: kartenservice@theaterregensburg.de