Eltern und Jugendliche stark machen – die Erziehungs- Jugend- und Familienberatungsstellen der KJF bieten Zugangswege über das Internet und ermutigende Begleitung für Jugendliche an

16.04.2013
von links: Dr. Hermann Scheurer-Englisch, Michael Eibl, Martin Kriekhaus, Robert Gruber

2012 wandten sich insgesamt 4.904 Familien mit Kindern und Jugendlichen an eine der zehn Erziehungs-, Jugend- und Familienberatungsstellen der KJF. „Die Anzahl der Ratsuchenden“, so KJF-Direktor Michael Eibl, „ist damit im Vergleich zu den Vorjahren (2006: 4.480; 2008: 4.640; 2010: 4.866; 2011: 4.886) erneut leicht gestiegen und bleibt auf einem enorm hohen Niveau.“ Im 100. Jahr des Bestehens der Katholischen Jugendfürsorge (1912-2012) zeigt die Statistik der Beratungsdienste, dass 36.2% der Kinder und Jugendlichen bei einem alleinerziehenden Elternteil aufwuchsen, 44,6% der jungen Menschen hatten eine Trennung der Eltern erlebt.

„Angesichts dieser Trennungs- und Scheidungsentwicklungen, aber auch der vermehrten Notwendigkeit von Prävention, von Kinderschutz, sowie der Forderung nach aufsuchender Beratung, unterstützt die Katholische Jugendfürsorge die Forderung der LAG Erziehungsberatung Bayern, den Ausbau der Erziehungsberatung und eine Wiederaufnahme der Förderung von neuen Stellen im Kinder- und Jugendprogramm der Staatsregierung noch deutlicher zu verankern“ (LAG Bayern zur Fortschreibung des bayerischen Kinder- und Jugendplans). Die Erziehungsberatungsstellen mit ihren hohen fachlichen Kompetenzen zu stärken, das jahrzehntelange Know-how auf- und auszubauen sei ein Gebot nachhaltiger Sozialpolitik, so Michael Eibl.

Jugendlichen wieder Sinn, gute Erfahrungen, „Selbst-Bewusstsein“, Orientierung bei der Identitätssuche und Ideen für ihren Lebensweg vermitteln – Jugendberatung der KJF hat aktivierende, lebendige und angemessene Angebote für junge Menschen.
Der Weg für Jugendliche ins eigene Leben wird immer unklarer: Verkürzte Ausbildungszeiten, wenig sinnstiftende Schulerfahrungen, hoher Leistungsdruck, mediale Verzerrung von Lebensentwürfen und zunehmend geschwächte Familienbeziehungen lassen Jugendliche und ihre Peergruppen, aber auch ihre Eltern immer mehr allein auf der Suche nach Orientierung.
Alkoholexzesse, Drogenmissbrauch, übersteigerter und riskanter Medienkonsum, Mobbing, Schulverweigerung, Probleme am Arbeitsplatz, Schulden, Gewalt, selbstverletzendes Verhalten, Essstörungen, depressive Reaktionen und Zukunftsangst sind in der Beratungsarbeit alltägliche Anzeichen von Überforderung.

2012 wandten sich 1.693 Jugendliche zwischen 12 und 18 Jahren (34,5%) und 437 junge Erwachsene (8,9%) allein oder mit ihren Eltern an die Beratungsstellen der KJF.
Der enorm hohe Anteil von Jugendlichen zeigt, dass die Berater/innen aufgrund langjähriger Erfahrungen einen guten Zugang zu dieser Altersstufe haben und dass die Beratungsstellen anerkannte und bekannte niedrigschwellige Anlaufstellen für junge Menschen sind. Hauptthemen in der Beratung sind Schul- und Ausbildungsprobleme, Familienkonflikte, Mobbing und Sorgen im Freundeskreis, Liebeskummer und persönliche Konflikte und Probleme (Stimmungslabilität, selbstverletzendes Verhalten, Sinnsuchen, Lebens- und Zukunftsängste u.v.m.)

Neben Beratung und therapeutischen Gesprächen mit den Jugendlichen allein oder mit der ganzen Familie bieten die Beratungsstellen auch für Jugendliche angemessene erlebnisorientierte und aktivierende Therapieformen an: Bei sportlichen Gruppenaktionen und handwerklichen Aktivitäten können die Jugendlichen sinnliche Erfahrungen machen, ihre Kreativität entdecken, kooperieren lernen, die eigenen Stärken, aber auch Grenzen erfahren, etwas riskieren, den Zusammenhalt in der Gruppe erleben, den eigenen Körper spüren, selbstbewusster werden und ohne Eltern auf die eigene Kraft vertrauen.
Bei präventiven Gruppenangeboten (z.B. zur Suchtprävention: „Klar-Sicht-Parcour“ der BzgA (Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung), oder zur Verbesserung des Klassenklimas) können sich die Jugendlichen in ihrer Schulklasse über wichtige Themen austauschen und gute Wege für den Umgang mit Gefährdungen finden.
Die KJF-Erziehungsberatungsstellen helfen Jugendlichen auch beim Übergang von der Schule in den Beruf, v.a. bei psychischen Belastungen. Sie kooperieren dabei auch mit den berufsvorbereitenden Angeboten der KJF, z.B. im Haus des Guten Hirten, im BBW St. Franziskus in Abensberg und in der Lernwerkstatt.
Besonders belastete und gefährdete junge Menschen werden aber auch über das Internet mit dem Angebot von Chat- und Mailberatung unmittelbar und in ihrem Medium erreicht

(www.bke-jugendberatung.de / www.beratung-caritas.de).

www.erziehungsberatung-kjf.de geht online!
Das neue Internetportal für alle zehn Erziehungs-, Jugend- und Familienberatungsstellen der KJF wird freigeschaltet – es bietet schnelle und unkomplizierte Informationen über die Beratungsangebote für Eltern, Kinder und Jugendlichen in ihrer Nähe.

Seit über einem Jahr haben sich die Fachkräfte der Beratungsstellen zusammen mit dem Referat Öffentlichkeitsarbeit der KJF überlegt, wie ihre Angebote für die Ratsuchenden verständlich, lebensnah und attraktiv bekannt gemacht werden können. Als Ergebnis wurde ein Informationsflyer entwickelt, der die Fragen und Nöte von Eltern, Kindern und Jugendlichen direkt anspricht und lebendig und klar vermittelt, wo und wie die Hilfe zu finden ist. Daneben wurde eine Internetplattform entwickelt, die in gleicher Weise wie die Broschüre, aber über das Internet den Ratsuchenden schnell wesentliche Informationen vermittelt. Die Stiftung der KJF „Für Junge Menschen“ unterstützt dieses Projekt, um die Arbeit der Beratungsstellen noch besser bekannt zu machen.

„Erziehung ist nicht immer ein “Kinderspiel“´ und oft genug ganz schön anstrengend: wenn Eltern z.B. ihre Arbeit verlieren, sich die Partnerschaft auflöst, wenn Vater oder Mutter krank werden, nicht genug Geld da ist, um die Familie angemessen zu versorgen… In Krisen ist es schwer, “souverän“ zu erziehen.“ heißt es in der neuen Broschüre der Beratungsstellen. All dies und alle möglichen Sorgen der Eltern und der Kinder und Jugendlichen selbst führen dazu, dass sich Ratsuchende vertrauensvoll an uns wenden. Sie finden in der Beratung Menschen vor, die ihre Würde achten, ihre Leistung und Anstrengungen als Familienmitglied wertschätzen, die achtsam und ruhig zuhören und die Möglichkeit anbieten, gemeinsam auf die Kinder, die Familie und die eigene Lebenssituation zu blicken. Lösungen für Probleme und Grundlagen für wichtige Entscheidungen werden in der Beratung gemeinsam entwickelt.

Weitere Informationen:
Dr. Hermann Scheuerer-Englisch
Sprecher der Erziehungsberatungsstellen der KJF
Leiter der Erziehungsberatungsstelle Regensburg
Tel. 0941 79982-0

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