Erinnerung an ein „Weihnachtswunder“ vor 70 Jahren in Regensburg: Familie Vawter aus Amerika zu Gast bei Bischof Rudolf Voderholzer

28.12.2015

Dass Amerikaner gerne Regensburg besuchen ist keine Seltenheit. Denn viele von ihnen lassen sich vom Charme dieser einzigartigen Stadt nur allzu gerne verzaubern.

Auch an Heiligabend waren Besucher aus Amerika in Regensburg.  Es handelte sich um eine ganz besondere Gruppe, denn sie machte sich auf die Suche nach ihren familiären Wurzeln, die sowohl in Deutschland liegen als auch mit Regensburg verbunden sind  – und nahmen als Gäste von Bischof Rudolf Voderholzer an der diesjährigen Christmette im Dom teil.

Bischof Rudolf war es ein persönliches Anliegen, diese Familie aus Übersee in Regensburg begrüßen zu können. Denn vor wenigen Wochen erhielt er von ihr einen ihn tief berührenden Brief, der ihn dazu veranlasste seine gesamte Predigt an Heiligabend nur einer einzigen Person zu widmen: Der 2010 mit 87 Jahren verstorbenen Deutsch-Amerikanerin Gabriele Vawter (geb. Meyer).

 

Regensburg, Weihnachten 1945

Gabriele Meyer wird kurz vor Weihnachten  1945 aus einem russischen Kriegsgefangenlager in der Tschechei freigelassen und schlägt sich von dort aus bis ins amerikanisch besetzte Regensburg durch. Vollkommen entkräftet und inmitten vieler anderer Flüchtlinge nimmt sich ein gutherziger Fremder ihrer an, schenkt  ihr Lebensmittelmarken – und nimmt sie mit zur Christmette in den Regensburger Dom.

Dort erlebt  die von Leid und Krieg geprägte Gabriele Meyer ihr ganz persönliches „Weihnachtswunder“: Denn trotz aller Not und Nachkriegswirren ist die Feier der Heiligen Messe an Weihnachten ausgesprochen festlich, die Regensburger Domspatzen singen engelsgleich - und  Gabriele Vawter kann, wie sie selbst ihren Kindern Jahre später mitteilt, allen Schmerz und alles Leid, das ihr bis dahin wiederfahren war, buchstäblich vergessen. Nach dem Krieg wandert  sie nach Amerika aus, heiratet,  wird  Mutter von drei Kindern  – und das Informationsblatt, das für diesen Weihnachtsabend 1945 im Dom zu Regensburg eigens gedruckt worden war, bewahrt  sie Zeit ihres Lebens auf.

Ein Ereignis also, dass nicht nur Gabriele Meyer, sondern ihre gesamte Familie bis auf den heutigen Tag tief geprägt hat. Höchste Zeit also, für deren Kinder und Enkel zur 70. Wiederkehr der Christmette 1945 sich „vor Ort“ auf Spurensuche zu begeben.

 

 

Regensburg, Weihnachten 2015

Rund eine halbe Stunde noch bis zur diesjährigen Christmette:  Der Regensburger Dom ist bereits bis auf den letzten Platz gefüllt, letzte Vorbereitungen werden getroffen – und Familie Vawter steht vor der Domsakristei, ein wenig nervös und dennoch in großer Vorfreude. Die siebenköpfige Gruppe wartet auf Bischof Rudolf Voderholzer, mit dem sie hier verabredet ist. Als dieser sich schließlich der Gruppe nährt, verfliegt schnell die Anspannung und man kommt unverkrampft und lächelnd miteinander ins Gespräch.

Man könne es kaum glauben hier zu sein, so Gabriel Vawters Tochter Dorle im Gespräch mit dem Regensburger Oberhirten. Ihren Brüdern Art und Tom geht es genauso. Es sei für sie alle ein großer Moment, diese Kathedrale und ganz besonders diese Christmette zu erleben - und vielleicht ein wenig das nachempfinden zu können, was ihre Mutter vor 70 Jahren empfunden haben muss. Bischof Voderholzer verspricht ihnen eine eindrucksvolle Christmette – und lädt sie im Anschluss noch zu einem kleinen „Weihnachtsumtrunk“ ein.

Schließlich führt  Bischof Rudolf seine Gäste zu einem ganz besonderen Ehrenplatz – dem Chorgestühl im Regensburger Dom, von wo aus Familie Vawter die gesamte Christmette verfolgt. Vielleicht dachten sie dabei auch an ihre Mutter und Großmutter zurück, die damals während der gesamten Christmette auf dem Fußboden des Regensburger Doms sitzen musste – Bänke und Stühle waren nämlich damals nur den amerikanischen Besatzungssoldaten vorbehalten.

Und die Gäste aus Amerika wurden nicht enttäuscht: Die Stimmung während der Christmette ist festlich und die Domspatzen singen feierlich. Ob es genauso schön war wie 1945 wird man wohl nur schwer feststellen können.  Dass es unvergesslich war steht jedoch außer Zweifel: "Jetzt wissen wir, was unsere Mutter damals so bewegt hat!", sagten die Familienangehörigen Bischof Rudolf nach der Christmette.

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