Erzbischof Gerhard Ludwig Müller weihte „Papsthaus“ in Pentling ein

22.09.2012

Am Vorabend der Verabschiedung des langjährigen Regensburger Diözesanbischofs, Erzbischof Gerhard Ludwig Müller, konnte dieser im Regensburger Vorort Pentling das ehemalige Wohnhaus von Papst Benedikt XVI. feierlich seiner neuen Bestimmung übergeben. Vor einem Jahr hatte der Apostolische Protonotar Georg Ratzinger stellvertretend für seinen Bruder den Schlüssel des Hauses an Prof. Dr. Rudolf Voderholzer übergeben. Er ist der Direktor des Institut Papst Benedikt XVI., das die Sammlung und Veröffentlichung des theologischen Werkes von Joseph Ratzinger zur Aufgabe hat. Damit wurde dem ausdrücklichen Wunsch des Heiligen Vaters folge geleistet, dass sein Privathaus in Pentling der Stiftung Papst Benedikt XVI. übertragen und die zukünftige Nutzung und Betreuung in die Hände des Instituts gelegt werden. Die Stiftung unterstützt auf unterschiedliche Art und Weise die vielfältigen Aufgaben des Instituts. Erzbischof Gerhard Ludwig Müller war 2008 nicht nur Gründer des Institutes sondern ist auch der Vorsitzende der Stiftung.

Zu dieser abendlichen Feierstunde am Samstag, 22. September 2012, konnte Diözesanadministrator Prälat Dr. Wilhelm Gegenfurtner hochrangige Kirchenvertreter vor jenem Haus willkommen heißen, in dem der Dogmatik-Professor Joseph Ratzinger von 1970 bis 1977 gewohnt hatte. Auch später als Erzbischof von München-Freising (bis 1982) und dann als Präfekt der Glaubenskongregation (bis 2005) verbrachte er dort manchen Urlaub. Aus Berlin war der Apostolische Nuntius in Deutschland, Erzbischof Dr. Jean Claude Périsset, eigens nach Pentling gekommen. Aus Rom war neben Erzbischof Müller auch der päpstliche Privatsekretär, Prälat Dr. Georg Gänswein, anwesend, der wie der Papstbruder und langjährige Domkapellmeister, Apostolischer Protonotar Georg Ratzinger, in besonderer Weise den Heiligen Vater an diesem Abend in seiner alten Heimat vertrat. „Die Sonne, die sich im Lächeln ihrer Gesichter widerspiegelt“, so Erzbischof Müller zu den rund 300 Gästen schmunzelnd, „haben Prälat Gänswein und ich aus Rom mitgebracht“. Den persönlichen Gruß des Heiligen Vaters konnte er dann auch noch allen Anwesenden übermitteln, „der Heilige Vater ist jetzt in Gedanken bei uns hier“. Vertreter des Domkapitels und der beiden Stiftskapitel, des Schülerkreises, der Stiftung und des Institutes Papst Benedikt XVI., sowie der Kommunen von Stadt und Landkreis Regensburg und aus dem weitgefächerten Katholischen Leben der alten Bischofsstadt zählten zu den Gästen. Auch aus der Familie des Papstes konnten Mitglieder begrüßt werden sowie die Präfektin der Marianischen Frauenkongregation, Gloria von Thurn und Taxis.

Die offizielle Einweihung des Hauses, die Segnung der fünf Wandkreuze und der wenige Tage zuvor aufgestellten Bronzebüste des Papstes, nahm Erzbischof Dr. Gerhard Ludwig Müller persönlich vor. Der Gesang der Regensburger Domspatzen unter Leitung von Domkapellmeister Prof. Roland Büchner sowie das Spiel eines Bläserensembles rahmten kirchenmusikalisch die Feierstunde, eine Fahnenabordnung der Freiwilligen Feuerwehr Pentling und der Marianischen Männerkongregation rundeten das Bild ab. Das eifrige Mitbeten und Mitsingen der Anwesenden machte deutlich, hier handelte es sich nicht in erster Linie um ein gesellschaftliches Ereignis, sondern um eines des Glaubens. Bei dieser Neubestimmung des ehemaligen Wohnhauses von Professor Joseph Ratzinger, so betonte Erzbischof Müller, liege auf dem geistlichen Hintergrund der Schwerpunkt, nicht etwa auf dem musealen oder gar devotionalen Aspekt. Das Haus eines Menschen sei der Ort, an dem sein irdisches Leben sein Ende finde und damit das Leben in Gott seinen Anfang. Nach der Segnung und Inzensierung der fünf ganz unterschiedlichen Wandkreuze, brachten diese der Erzbischof, der Nuntius, der Privatsekretär und Instituts-Direktor sowie der Diözesanadministrator in das Haus an ihren jeweiligen Platz hinein. Nach der umfangreichen Renovierung ist es wieder in dem Zustand, in dem es sich Anfang der 70er Jahre befunden hatte. Mit dem „Großer Gott wir loben Dich“ endete der liturgische Teil, Professor Voderholzer lud danach in ein kleines Festzelt gegenüber dem Papsthauses ein. Es sei sicher für den Papst und seinen Bruder tröstlich zu wissen, so betonte der Nuntius in seinem Grußwort, das der Charakter und das Gepräge des Hauses bewahrt werde. Es sei nun ein Ort, wo die beiden sich in Gedanken treffen könnten. Domkapellmeister Prälat Georg Ratzinger zeigte sich sichtlich gerührt, über die große Anteilnahme an diesem Ereignis. Albert Rummel, Bürgermeister von Pentling, erinnerte sich in herzlichen Worten noch gerne an den letzten Besuch des Pentlinger Ehrenbürgers im Jahre 2006 während dessen großen Pastoralbesuches in Deutschland. In den Jahren 1970 bis 1977 sei Joseph Ratzinger an der Universität Hochschullehrer gewesen, für die Menschen in Pentling aber der Priester und Seelsorger, der für sie die Hl. Messe gefeiert, und so viele Pentlinger getauft oder getraut habe.

Nach einer kurzen Filmvorführung, die die Arbeit des Institut Papst Benedikt XVI. skizzierte, erläuterte Instituts-Direktor Prof. Dr. Rudolf Voderholzer das Konzept zur Nutzung des Hauses. Das Gebäude solle sowohl die Lebensjahre von Joseph Ratzinger in Regensburg (1969 bis 1977) dokumentieren als auch für wissenschaftliche Zwecke genutzt werden. Da wäre das Arbeitszimmer mit einer Kopie des Schreibtisches, der heute im Apostolischen Palast in Rom steht, und der den Professor Joseph Ratzinger viele Jahre begleitet hat. Auf diesem Schreibtisch entstanden alle seine wichtigen theologischen Werke. Man kann dort auch seine Bibliothek mit Originalbüchern besichtigen. Jeweils ein Zimmer erinnert an die bereits verstorbene Schwester Maria und deren vielfältige Aufgaben für ihren Bruder, sowie an das kirchenmusikalische Schaffen des ehemaligen Domkapellmeisters. Im Erdgeschoss gibt ein digitales Gästebuch mit Touchscreen Aufschluss über die illustre Schar der Gäste, die sich hier von 1970 bis 1977 verewigt haben. Im Keller sind Archivräume für das Institut Papst Benedikt XVI. eingerichtet, das Esszimmer im Erdgeschoss wird jetzt als Konferenzraum genutzt werden können, für kleinere Veranstaltungen und Begegnungen.

Das Haus dokumentiert nicht nur den herausragenden Theologen, sondern zeigt dem Betrachter auch den Menschen Joseph Aloys Ratzinger. Besonders im „Christkindlbrief“ der Geschwister aus dem Dezember 1934 - sein bisher ältestes schriftliches Dokument - wird dies deutlich. Aber schon bei dem Siebenjährigen weist sein Weihnachtswunsch die Richtung auf: Unter anderem wünschte er sich vom Christkind damals ein Schott-Messbuch!

Voraussichtlich ab Oktober 2012 soll das Haus für Einzelpersonen oder kleine Gruppen zu besichtigen sein, wobei eine vorherige Anmeldung notwendig ist. Kontaktstelle dafür ist das Institut Papst Benedikt XVI., Bismarckplatz 2, 93047 Regensburg, Telefon 0941-29834001 oder über www.institut-papst-benedikt.de.