"Jungfrauenweihe - Ein Weg der Christusnachfolge" - Geweihte Jungfrauen aus ganz Europa tagten wieder in Schloß Spindlhof in Regenstauf

03.05.2018
Die Religionsphilosophin Prof. em. Dr. Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz referierte u. a. über das "Hohelied".

Auf die Frage des Bahnbeamten, warum ich denn am frühen Sonntagmorgen nach Regenstauf fahre, gebe ich zur Antwort: "Ich fahre zur Jahrestagung der Geweihten Jungfrauen". Fragend schaut er mich an: "Geweihte Jungfrauen, sind das Ordensfrauen?" Eben genau das sind sie nicht. "Der Unterschied besteht darin" erklärt die Regensburger Ordinariatsrätin María Luisa Öfele, "dass die Ordensfrauen eine gemeinschaftliche Lebensform darstellen in der Kirche, mit einem besonderen Charisma oder einer besonderen Sendung, sie kennen einen Ordensgründer oder einen Stifter. Die Geweihte Jungfrau kennt keinen Stifter oder Gründer und hat auch keine Ordensregel und lebt alleine in der Welt. In der Kirche selbst ist sie beheimatet, in ihrem Bistum, ihre Ordensregel ist sozusagen die Heilige Schrift".

 

Ein orientalisches Hochzeitslied und viele geweihte Jungfrauen...

Unter das Wort aus dem Hohenlied Salomons, "Mein Geliebter ist mein, und ich bin sein" (Hld 2,16), wurde die Jahrestagung der Geweihten Jungfrauen vom 28. April bis zum 1. Mai 2018 in Regenstauf im Bildungshaus Schloss Spindlhof gestellt. Zu dieser internationalen Tagung hat die Hauptabteilung Orden - Geistliche Gemeinschaften im Bistum Regensburg sowie die Hauptabteilung Kirchliches Leben im Bistum Augsburg eingeladen. Organisatorin María Luisa Öfele, Ordinariatsrätin in der Hauptabteilung Orden - Geistliche Gemeinschaften im Bistum Regensburg und selbst geweihte Jungfrau, freute sich besonders über eine größere Anzahl von Teilnehmerinnen aus Osteuropa (Tschechien, Slowakei und Russland). In diesem Jahr bildete das Hohelied aus dem Alten Testament den Themenschwerpunkt der viertägigen Tagung. So sprach u.a. der Wiener Alttestamentler Prof. Dr. Ludger Schwienhorst-Schönberger zum Thema "Das Hohelied - Ewige Sehnsucht nach dem Geliebten", Prof. em. Dr. David Hiley aus Regensburg über die "Hoheliedvertonungen aus dem Mittelalter bis zur Renaissance" oder Prof. Dr. Wolfgang Vogl von der Universität Augsburg über "Die "Seelenbraut" und der "Seelenbräutigam" des Hohenliedes im Spiegel der spätmittelalterlichen Buchmalerei geistlicher Frauen". Die tägliche Eucharistiefeier, das Stundengebet der Kirche und die Eucharistische Anbetung bildeten den geistlichen Rahmen dieser Tagung.

Auch Ordinariatsrätin María Luisa Öfele ist eine Geweihte Jungfrau.

"Weinstock und Reben sind wie Bräutigam und Braut"

Zur Hl. Messe am Sonntagvormittag kam Weihbischof Dr. Josef Graf zu den Geweihten Jungfrauen, Kandidatinnen und Interessentinnen nach Regestauf. Mit ihm standen der neue Leiter der Abteilung berufe der Kirche im Bistum Augsburg, Domvikar Andreas Miesen, und Diakon Edwin Berner, Seelsorger im Bildungshaus Schloß Spindlhof, am Altar. In seiner Predigt blickte Weihbischof Josef erst auf das Sonntagsevangelium von Christus dem wahren Weinstock und den Reben, die für die Menschen stehen (Joh 15,1-8). "Nur wenn wir mit Jesus in Verbindung bleiben", so der Weihbischof, " nur dann können wir wirklich leben!" Das gelte für alle getauften und gefirmten Christen, aber eben auch für die Geweihten Jungfrauen oder auch die Männer im Weiheamt der Kirche als Diakone, Priester oder Bischöfe. Dann griff er auch das Tagungsthema, das Hohelied aus dem Alten Testament auf. In seiner Studienzeit vor 40 Jahren, erinnerte sich der Weihbischof, sei in ihm im Rahmen der historisch-kritischen Methode nur ein orientalisches Hochzeitslied gesehen worden. Dabei beinhalte es in der Schönheit orientalischer Bildsprache ein wunderschönes Bild für Gott und sein Volk Israel, Bräutigam und Braut.

 

"Erst sinnlich, orientalisch lesen, dann nordalpin..."

Gleich zweimal als Referentin fungierte die gebürtige Oberpfälzerin und Religionsphilosophin Prof. em. Dr. Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz. Bis zu ihrer Emeritierung 2011 lehrte sie an den Universitäten München, Bayreuth, Tübingen und Eichstätt, der Pädagogischen Hochschule Weingarten und an der Technischen Universität Dresden. Nun ist Prof. Gerl-Falkovitz Leiterin des neugegründeten "Europäischen Instituts für Philosophie und Religion" an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Benedikt XVI. in Heiligenkreuz bei Wien. Sie lud bei der Tagung in ihrer oberpfälzer Heimat die Teilnehmerinnen dazu ein, gemeinsam mit ihr das Hohelied zu lesen, "erst sinnlich, orientalisch, dann nordalpin..." und "das abgenutzte Wort Liebe neu buchstabieren zu lernen". Vers für Vers las sie gemeinsam mit den Teilnehmerinnen das Hohelied, "eines der schönsten Hochzeitslieder des Orients". Ihr reicher Wissensschatz und ihr bodenständiger Humor ("Amare, amare - Liebe ist nicht süß wie Amaretto" oder "Liebe ist keine Autobahn für Gefühle") machten diese Bibellesung zu einem besonderen Erlebnis und für die Teilnehmerinnen zu einer großen geistlichen Bereicherung. Mit dem Satz, "Sie sind von ihrem Stand her dazu berufen, eine große Liebe zu Christus zu leben", gab sie der Schriftlesung den "Sitz im Leben".

V.l.n.r. Prof. em. Dr. Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz, Weihbischof Dr. Josef Graf, Domvikar Andreas Miesen und Ordinariatsrätin María Luisa Öfele mit den Teilnehmerinnen der Tagung.

Die Geweihte Jungfrau und die Jungfrauenweihe

"Eine Geweihte Jungfrau - lateinisch: Virgo consecrata", so erklärt Ordinariatsrätin María Luisa Öfele, selbst diesem Stand angehörend, "ist eine Frau, die sich von der Liebe Gottes hat ergreifen lassen und nicht anders kann, als sich ihm ganz und gar, mit Leib und Seele, zu schenken". Sie lebt mitten in der Welt, nicht wie Ordensfrauen in einer Gemeinschaft, und geht ihrem Beruf nach. Es gibt Architektinnen, Ärztinnen und Anwältinnen, Pastoral- und Gemeindereferentinnen, Frauen die in der Forschung und der Pflege tätig sind, Lehrerinnen und Erzieherinnen. "Es ist nur wichtig" so führt María Luisa Öfele aus, "dass sie in ihrem Beruf auch ihre Berufung leben kann und die Zeiten hat, die sie für die Pflege ihrer Beziehung zu Gott benötigt". Weltweit gibt es sicher gut über 3.000 Geweihte Jungfrauen, die immer eng mit der Kirche und ihrem Bistum verbunden sind. Es gibt weltweit keine einheitlich geregelte Vorbereitung auf die Jungfrauenweihe, das wird im Einzelnen in den verschiedenen Diözesen durch den Ortsbischof geregelt. "Meist hat die Kandidatin schon mehrere Jahre so gelebt", so María Luisa Öfele weiter, "und erbittet nun von der Kirche, dieses Charisma, diese Lebensweise bestätigt zu bekommen. Es gibt einen vom Papst genehmigten Ritus der Jungfrauenweihe, der auch im Pontifikale steht und der Bischof ist der ordentliche Spender dieser Weihe, das geschieht in einer feierlichen Messe". In Regensburg fand am 6. Oktober 2014 erstmals eine Jungfrauenweihe statt. "Im Bistum Augsburg und Regensburg arbeiten wir in punkto Vorbereitung zusammen" erklärt so María Luisa Öfele," da haben die beiden Diözesanbischöfe eine Handreichung und Leitlinien erlassen, die die Vorbereitung für Kandidatinnen geregelt haben".

Text und Bild: Carl Prämassing

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