„Keine weiteren verkaufsoffenen Sonntage!“ - Bischof Rudolf Voderholzer bezieht bei Festrede klar Stellung

13.11.2017
Bischof Dr. Rudolf Voderholzer bei seiner Festrede. (Foto: Markus Bauer)

„Wir brauchen keine weiteren verkaufsoffenen Sonntage!“ Dies sagte Bischof Rudolf Voderholzer am Sonntag im Rahmen einer Feierstunde der bayerischen Gruppe der Sudetendeutschen Landsmannschaft im Historischen Reichssaal des Alten Rathauses in Regensburg. Er äußerte sich vor dem Hintergrund der in jüngster Zeit erneut aufgeflammten Diskussion um eine Ausweitung verkaufsoffener Sonntage sowie der Frage, ob Läden und Geschäfte am diesjährigen Heiligen Abend (der heuer auf einen Sonntag fällt) geöffnet haben sollten.

 

Bischof Voderholzer: „Der Sonntag ist ein europäisches Kulturgut höchsten Ranges.“

 

„Schon heutzutage müssen viele Menschen am Sonntag arbeiten, eine weitere Ausdehnung ist nicht angebracht“, bezog Bischof Voderholzer klar Stellung. Er verwies außerdem auf die grundsätzliche soziale Bedeutung des Sonntags für gemeinschafts- und identitätsstiftende Veranstaltungen und Unternehmungen. „Der Sonntag ist ein europäisches Kulturgut höchsten Ranges“, betonte er und appellierte an die Zuhörer, eine intensive Sonntagskultur zu pflegen. Denn bezüglich des persönlichen Umgangs mit dem Sonntag gehe es auch darum öffentlich zu zeigen, „dass unsere Tempel nicht die Kaufhäuser und Banken sind, sondern die Kirchen. Ich habe nichts gegen eine florierende Wirtschaft – aber muss es ausgerechnet der Sonntag sein?“, schloss Bischof Voderholzer dieses Thema mit einem eindeutigen Appell.

 

 

Der Landesobmann der Sudetendeutschen Landsmannschaft Steffen Hörtler, Staatsministerin Emilia Müller, Dr. h.c. Bernd Posselt (Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe). (Foto: Markus Bauer)

Bischof Voderholzer: „Ich fühle mich selbst der Sudetendeutschen Landsmannschaft zugehörig“ - Goldene Medaille an Staatsministerin Emilia Müller verliehen

 

Außerdem verlieh die Landesgruppe Bayern der Sudetendeutschen Landsmannschaft der Bayerischen Staatsministerin für Arbeit und Soziales, Familie und Integration, Emilia Müller, als „Vergelt‘s Gott“ für die Schirmherrschaft Bayerns über die Sudetendeutsche Volksgruppe, die Goldene Verdienstmedaille, die höchste Auszeichnung der SL-Landesgruppe Bayern.

Bezugnehmend auf die Geehrte meinte Bischof Voderholzer, Emilia Müller sei „eine wahrhaft würdige Kandidatin für diese Auszeichnung“. „Sie hat den Bischöfen bezüglich des Wertekompasses und der Identität des christlichen Abendlandes stark ins Gewissen geredet“, plauderte er aus einer Konferenz der Freisinger Bischofskonferenz aus. „Vergelt‘s Gott für Ihr engagiertes Zeugnis einer Weltchristin, die sich für die Sudetendeutsche Volksgruppe im Kontext eines christlichen Europas verdient gemacht hat“, zollte er der Staatsministerin Anerkennung.

Außerdem kam er auf das Verhältnis der Stadt und des Bistums Regensburg zu Tschechien zu sprechen: „Regensburg ist seit 1951 Patenstadt der Sudetendeutschen, das Bistum Regensburg pflegt seit 1993 freundschaftliche Beziehungen zum Bistum Pilsen und hat 200 Kilometer gemeinsame Grenze mit dem Bistum Pilsen“, erklärte der Bischof. Er ging auch auf die Abtrennung des Bistums Pilsen vom Bistum Prag sowie auf die Tat des heiligen Wolfgang ein, der im Jahr 973 das Bistum Prag in die Selbstständigkeit entließ und vom Bistum Regensburg löste. Natürlich verwies er auf seine eigene sudetendeutsche Herkunft, da seine Mutter aus Kladrau stammt. „Ich fühle mich selbst der Sudetendeutschen Landsmannschaft zugehörig“, betonte der Oberhirte. Auch schilderte er die Erlebnisse seiner Mutter und Großeltern nach der Vertreibung in einem oberbayerischen Bauernhof, wo sie Gastfreundschaft und Dankbarkeit der Bauersfamilie erfahren haben, auch wenn es – wie der Bischof nicht verheimlichte – „Beispiele weniger guter Aufnahme“ gegeben habe.

Aber die Heimatvertriebenen hätten, so Bischof Rudolf, mitgeholfen und wesentlich mit dazu beigetragen, das am Boden liegende Land aufzubauen. Wichtige Grundlagen für dieses Zusammenwirken seien die gemeinsame Sprache und Kultur wie auch die Kirche als gemeinsamer Ort des Glaubens gewesen. „Heimatvertriebene beider Konfessionen brachten sich überdurchschnittlich in die Gemeinden ein, haben unser Land mit Erfahrung und Glaubenskraft stark bereichert. Auch deren Nachkommen sind gut im öffentlichen Leben vertreten“, erklärte der Bischof. Er nannte auch seine erste Kaplansstelle in der Vertriebenenstadt Traunreut. Den Sudetendeutschen bescheinigte Bischof Voderholzer „einen toleranten Umgang mit verschiedenen Kulturen und Erfahrungen des Miteinanders“, was auch für die Gestaltung der Zukunft wichtig sei.

 

 

Blick ins Plenum mit den Ehrengästen in der ersten Reihe. Von links: Landescaritas-Direktor Bernhard Piendl, MdL Hubert Aiwanger, MdL Margit Wild, MdL Franz Rieger, Ilse Danzinger (Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Regensburg), Dr. Hans-Martin Weiss (Evangelischer Regionalbischof), Bischof Dr. Rudolf Voderholzer. (Foto: Markus Bauer)

Bischof Voderholzer: „Abendländische Kultur ist maßgeblich durchs Christentum geprägt“

 

Den weiteren Verlauf der Festrede stellte Bischof Dr. Rudolf Voderholzer  sinngemäß unter das Motto „Was ist uns heilig?“ Mit Blick auf die aktuellen Integrationsaufgaben meinte er, dass diese „vor allem eine Herausforderung an unsere eigene kulturelle Identität“ seien. Viele Elemente unserer abendländischen Kultur seien gewachsen, doch das Abendland sei nicht die Summe von unterschiedlichen Kulturen. Eindeutig verwies der Bischof auf die christliche Prägung und griff exemplarisch den christlichen Festkalender heraus. Hier sei es wichtig, das eine oder andere „vor Sinnentstellung und Banalisierung zu schützen“. Als positives Beispiel, das auch Initiativen einer Umbenennung überstanden hat, nannte er das Martinsfest als Ausdruck für Solidarität und Nächstenliebe.