"Lichtgesang": Der Dichter Ludwig Steinherr begeisterte im Akademischen Forum Albertus Magnus

09.05.2018
Der Dichter und promovierte Philosoph Ludwig Steinherr begeisterte mit seinem "Lichtgesang" das Publikum im Café Fürstenhof.

„Schön bist du, Licht, schmaler Streifen auf meinem Kopfkissen
den ich durch halbgeöffnete Lider erblicke
schmaler Türspalt in eine andere Welt
Lichtgemurmel im Hinterkopf –
Abglanz des Aton, der weitersingt in mir…“

(aus: Ludwig Steinherr: „Lichtgesang – Light Song“, Translated by Paul-Henri Campbell, München 2017)

Dass die Poesie genauso wie die Religion oder die Philosophie dazu in der Lage ist, die Welt zu erschließen  – das konnten die Besucher im vollbesetzten Café Fürstenhof in der Regensburger Maximilianstraße bei einer ganz besonderen Veranstaltung vergangenen Freitag erfahren. Denn auf Einladung des Akademischen Forums Albertus Magnus fand dort eine Dichterlesung statt  (übrigens eine Premiere in der noch jungen Geschichte des Akademischen Forums)  in der es buchstäblich um alles ging: Licht und Finsternis, das Heilige und das Profane, Natürliches und Übernatürliches, Mikro- und Makrokosmos, Bedeutendes und Banales -  letztendlich um Gott und die Welt.

 Denn der renommierte Münchener Dichter Ludwig Steinherr war zu Gast und trug sein Langgedicht „Lichtgesang“ vor – ein Gedicht, das er, wie er erzählte, an einem einzigen Vormittag während eines Romaufenthaltes wie in einem Rausch niedergeschrieben habe. Zuvor hatte er den „Sonnengesang“ des Pharao Amenophis IV. (Echnaton, 1351–1334 v. Chr) gelesen – einen altägyptischen Hymnus auf den Sonnengott Aton. Zunächst nur für sich selbst geschrieben, wurde Steinherr bald von seinem Freund Paul-Henri Campbell dazu ermuntert, seinen „Lichtgesang“ zu veröffentlichen – der Amerikaner übersetzte das Werk gleich selbst in amerikanisches Englisch.

Im vollbesetzten Café Fürstenhof kam mehr als "nur" Caféhausatmosphärte auf.

Vittorio Hösle: Steinherrs Poesie befasst sich mit den großen Fragen des menschlichen Daseins

„Schön bist du, Licht, das erscheint aus den Dingen, den Worten  

und ich weiß nicht woher

du raubst mir den Atem und machst mir die Kehle eng.."

(aus: Ludwig Steinherr: „Lichtgesang – Light Song“)

Vor der eigentlichen Lesung stellte der international angesehene Philosoph Prof. Dr. Vittorio Hösle (University of Notre Dame/Indiana), der in Regensburg das Albertus- Magnus- Gymnasium besucht hatte, das Leben und Werk des mit ihm befreundeten Ludwig Steinherr vor. Das Publikum dürfe mit Ludwig Steinherr nicht nur einen promovierten Philosophen und hochbegabten Schriftsteller, sondern auch einen „Idealisten und Menschenfreund“ (Hösle) kennenlernen, einen „metaphysischen Dichter, der die großen Fragen des menschlichen Daseins in seinen Gedichten“ anginge. Steinherr gelinge es, so Hösle, aufgrund seiner einzigartigen Persönlichkeit, die sich  aus „bayerischem Katholizismus und philosophischer Durchdringungsfähigkeit“ speise, in seinem Werk das Abstrakte mit konkreten Beobachtungen zu verbinden. Er habe so außerdem, so Hösle, einen Sinn für die bildenden Künste, welches sich beispielsweise in Gedichten über Werke des holländischen Barockmalers Jan Vermeer (1632-1675) und anderen Künstlern niederschlage. Aus diesen und anderen Gedichten Steinherrs zitierte Hösle im Anschluss an seine Ausführungen.

v.l.n.r.: Prof. Dr. Sigmund Bonk, Dr. Ludwig Steinherr, Bischof Dr. Rudolf Voderholzer, Prof. Dr. Vittorio Hösle.

„Lichtgesang“: Ein Werk, dass dem Großen und Kleinen des Daseins den Weg leuchtet

„Licht, das den Heiligen die Kleider vom Leib reißt 

so daß sie plötzlich nackt dastehen am Trafalgar Square

als Wahnsinnige vor den Augen der Welt..."                              

(aus: Ludwig Steinherr: „Lichtgesang – Light Song)

Der wiederum von Steinherr selbst vorgetragene, mit großer Sprachgewalt,  kühnen Metaphern und fesselnden Bildern ausgestattete „Lichtgesang“ hielt die Zuhörer im Café Fürstenhof in atemloser Spannung. Beim Zuhören wurden Assoziationen an manch andere große Werke der religiösen Dichtkunst geweckt, wie beispielsweise an den „Sonnengesang“ des hl. Franz von Assisi (1181-1226) oder an die Hymnen des hl. Symeon des Neuen Theologen (949-1022), des sicherlich bedeutendsten Lichtmystikers des byzantinischen Christentums. Doch auch Vergleichen mit modernen Gedichtklassikern wie „Ein wüstes Land“ (1922) von T.S. Eliot,  „Verlorenes Ich“ (1943) von Gottfried Benn oder gar der „stream of consciousness“-Prosa eines James Joyce kann Steinherrs „Lichtgesang“ mühelos standhalten – denn bei Ludwig Steinherr handelt es sich unverkennbar um einen Dichter und Wahrheitssucher,  der es in Zeiten eher minimalistisch anmutender Prosa und Lyrik wagt, buchstäblich dem „ganz Großen“ sprachlich den Weg zu leuchten – und dabei dennoch nicht das Kleine, Unvollkommene und Profane des menschlichen Daseins vergisst.

Ein echter „Lichtbringer“ im Akademischen Forum Albertus Magnus – den das Publikum vollkommen zu recht mit lang anhaltendem Applaus bedachte.