Ordenspatrozinium der Mallersdorfer Schwestern

03.01.2018

"Jedes Kind ist ein Zeichen der Hoffnung"

Das Patronatsfest im Mutterhaus der Armen Franziskanerinnen von der Heiligen Familie fiel in diesem Jahr auf den letzten Tag des Jahres, auf den Silvester. Wie alle Jahre war Diözesanbischof Dr. Rudolf Voderholzer gekommen, um mit der Ordensgemeinschaft das Patrozinium zu feiern. Den Gottesdienst feierten auch Familien aus dem Klosterkindergarten "Zum Schutzengel" mit und allen Kindern spendete der Bischof den Einzelsegen.

 

Das Patronatsfest "on air" - Auch die kranken Schwestern sind live dabei

Das Kloster Mallersdorf, Mutterhaus der Armen Franziskanerinnen von der Heiligen Familie seit 1869, konnte am 31. Dezember, dem Fest der Heiligen Familie das Patrozinium der Ordensgemeinschaft feiern. Rund 600 Schwestern überwiegend in Mallersdorf, der Pfalz, Siebenbürger und Südafrika zählen zum Orden. Im weihnachtlichen Festschmuck empfing die Klosterkirche Mallersdorf am Fest der Heiligen Familie ihre Besucher. Nach dem feierlichen Einzug der Geistlichkeit und der Ministranten sprach Superior Prälat Gottfried Dachauer einen herzlichen Willkommensgruß an den Diözesanbischof und dankte ihm, dass er in diesem Jahr dreimal das Kloster Mallersdorf besucht hat. Schön sei es auch, dass dieser Gottesdienst mittels neuer Technik auch zu den Kranken im Schwersternaltenheim Sankt Maria übertragen werde und sich dadurch die Zahl der Mitfeiernden verdopple. Bischof Rudolf Voderholzer blickte an diesem Silvestertag auf die Krippe, die uns zeigt, dass mit diesem Kind die revolutionäre Wende eingetreten ist. Bei der Zeitrechnung gebe es "vor und nach Christi Geburt"; mit diesem Wissen würden wir nun in das Jahr 2018 eintreten. Der Regensburger Oberhirte nutzte die Gelegenheit, im Mutterhaus einen herzlichen Dank für die vielen Dienste an den verschiedenen Plätzen der Welt zu sagen. Gleichzeitig sprach er die Bitte aus, das von Paul Josef Nardini gegründete Werk fortzusetzen.


In seiner Predigt blickte Bischof Rudolf darauf, dass der letzte Tag des bürgerlichen Jahres auf den letzten Sonntag im Jahr 2017 fällt und damit auf das Fest der Heiligen Familie fällt. "Man könnte das fast providentiell nennen, denn für die bürgerliche Familie und ihre Grundlage, die auf die Weitergabe des Lebens hin offene Verbindung von Mann und Frau, war das Jahr 2017 kein gutes Jahr" betonte Bischof Rudolf und erinnerte an die "Hau-Ruck-Aktion", wie sie die Bundesrepublik bis dahin noch nicht erlebt hatte, als Ende Juni eine in unvordenkliche Zeiten zurückreichende und für die Zukunftssicherung eines Staates unverzichtbare und vom Grundgesetz ausdrücklich geschützte Institution terminologisch ausgehöhlt und sachlich nivelliert wurde. Bischof Rudolf erinnerte an die sogenannte "Ehe für alle", für deren Abstimmung im Bundestag die Bundeskanzlerin kurzerhand den Weg frei gab. Ob es die Sorge um ein beherrschendes Thema den ganzen Sommer lang im Wahlkampf oder die Sorge um die eigene Wiederwahl war? Nach Meinung des Bischofs wurde es der Bundeskanzlerin nicht gedankt: Bis heute gebe es keine neue Regierung und der zuvor schon bezahlte Preis war hoch. Das Grundgesetz wurde offenkundig missachtet und nicht wenige Christen fühlen sich im eigenen Land zunehmend politisch heimatlos. "Interessanterweise spielt das Thema bei der Analyse des besorgniserregenden Ergebnisses der letzten Bundestagswahl zumindest öffentlich keine Rolle", stellte der Bischof fest und drückte seine Sorge über Instrumentalisierung der Kinder aus, die wohl die am meisten besorgniserregende Begleiterscheinung der vollkommenen rechtlichen Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften mit der Ehe sind. Erst kürzlich habe Kardinal Marx völlig zu Recht darauf hingewiesen, "dass man das Kind in solchen Debatten zum Produkt macht und dass es angeblich ein Recht auf ein Kind gibt". Der Regensburger Oberhirte betonte: "Jedes Kind ist letztlich ein Geschenk, eine Gabe Gottes". Ein Kind sei mehr als die Selbstverwirklichung der Eltern und niemand werde diskriminiert, wenn die Ehe privilegiert und geschützt wird. "Wir erweisen der heranwachsenden Generation einen schlechten Dienst, wenn wir ihr die Ehe als besonders geschützte Gemeinschaft von Mann und Frau nicht mehr als Orientierungspunkt und Wegweiser zu einem gelingenden Leben, gerade auch im Dienst an der Zukunft der Gesellschaft, vor Augen stellen", gab der Bischof seiner Meinung Ausdruck und wies auf die Aussage der Soziologen hin: Die Familie ist das Überlebensnetzwerk, diese Beobachtung zeige sich gerade in Zeiten der Not. "Wir haben alle Eltern. Und unsere Eltern hatten ihre Eltern, unsere Großeltern", resümierte Bischof Rudolf. Das gehe Generationen bis in ferne Vorzeiten zurück: Alle hätten Eltern, aber nicht alle haben Kinder. Damit sprach er die Großfamilie der Kirche an. Auch die Wahlfamilie der Ordensgemeinschaft, die nicht die Familie ersetzt und an ihre Stelle tritt, was die Weitergabe des Lebens betrifft. Diese große Familie Gottes sei offen für alle und sie wurde nicht zuletzt gegründet, als Jesus seine Jünger zu beten lehrte: "Vater unser". Auch die Ordensgemeinschaft zur Heiligen Familie in Mallersdorf sei eine Wahlfamilie, die unterstützend und hilfreich wirkt, wo die Familie ausfällt, Defizite aufweist oder Eltern hilfreich zur Seite gestanden wird. Franziskus habe gelehrt, dass uns in jedem notleidenden Kind Christus begegnet, der Herr selbst uns anblickt. Damit schlug der Bischof die Brücke zum Tagesevangelium mit der Begegnung des weisen Simeon und der alten Hanna mit der Heiligen Familie. Drei Generationen begegnen sich hier und die berührenden Worte: "Nun lässt du Herr, deinen Knecht in Frieden scheiden" zeigt, dass diese Begegnung die Erfüllung einer Hoffnung ist. Tröstlich das Bild des alten Simeon mit dem neugeborenen Kind im Arm, der dankbar Abschied nimmt, weil dieses Kind das neue Leben bedeutet. Und so sei jedes Kind ein Zeichen der Hoffnung. "Ein Zeichen, dass Gott die Lust am Menschen noch nicht verloren hat", betonte der Bischof und meinte, so könne man getrost in das Jahr 2018 nach Christi Geburt gehen.

Die Schwestern hüten viele Schätze

Gemeinsam mit Superior Prälat Gottfried Dachauer am Altar und der versammelten Schwesterngemeinschaft sowie aller Gläubigen im Gotteshaus feierte Bischof Rudolf die Heilige Eucharistie. Den musikalischen Bestandteil der Liturgiefeier hatte der Schwesternchor mit Chorälen und Weihnachtsliedern übernommen. Am Ende des festlichen Gottesdienstes nahm sich Bischof Rudolf Zeit, um allen Kindern den Segen Gottes einzeln zuzusprechen. Gemeinsam beten und gemeinsam feiern drückte anschließend das Festmahl im Franziskussaal aus, bei dem Generaloberin Sr. Jakobe Schmid freundliche Begrüßungsworte im Namen der anwesenden Mallersdorfer Schwestern sprach. Interessiert schaute Bischof Rudolf am Nachmittag die Krippensammlung aus verschiedenen Generationen und Ländern im Kloster Mallersdorf sowie die liebevoll gestaltete Jahreskrippe an. Auch ein Blick in die Bibliothek zeigte jahrhundertealte Schätze, in denen Bischof Rudolf ehrfurchtsvoll und vorsichtig blätterte.