Regensburger Religionsgespräch 2017 - Austausch zwischen Protestanten und Katholiken

12.05.2017

Die Stadt Regensburg, der evangelisch-lutherische Kirchenkreis Regensburg und das Bistum Regensburg haben am 11. Mai 2017 zu einem erneuten Regensburger Religionsgespräch eingeladen. An diesem haben der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer und Regionalbischof Hans-Martin Weiss sowie auf katholischer Seite Prof. DDr. Thomas Marschler (Augsburg) und Prof. Dr. Wolfgang Klausnitzer (Bamberg), auf evangelischer Seite Prof. Dr. Friederike Nüssel und Prof. Dr. Martin Hailer (beide Heidelberg) teilgenommen.

Hintergrund dieses ökumenischen Disputs ist das Religionsgespräch von 1541 - ein Versuch zwischen Protestanten und Katholiken, die Kirchenspaltung abzuwenden. Anlässlich des Reformationsgedenkens fand am 11. Mai 2017 eine Wiederauflage dieses Gesprächs statt.

In der nachfolgenden Playlist können Sie das ganze Religionsgespräch ansehen.

Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer begrüßte die Gäste.

Statt Schlagabtausch anspruchsvolle Argumentationen im Hören aufeinander 

 

Im Historischen Reichstagssaal vereinte das Regensburger Religionsgespräch katholische und evangelische Christen

 

„Es war ein historischer Abend.“ Das sagte Bischof Dr. Rudolf Voderholzer in einer ersten Reaktion auf das Religionsgespräch, das am Donnerstagabend im Historischen Reichssaal in Regensburg stattgefunden hat. Dr. Hans Martin Weiss, evangelisch-lutherischer Regionalbischof, sah das genauso und pflichtete Dr. Voderholzer bei. Zwischen den beiden ist längst ein Vertrauensverhältnis gewachsen, das im Religionsgespräch seine volle Bestätigung fand.

Beide Bischöfe führten in die Veranstaltung ein und fassten das Gesagte zusammen.

Was sich hinter dem „Format“ verbirgt? Evangelische und katholische Professoren der Theologie diskutierten eifrig, aber nicht eifernd über die Taufe und über das Papstamt. Statt eines Schlagabtauschs mit Tendenz zur Rechthaberei kam es zu anspruchsvollen Argumentationen im Hören aufeinander. Es überzeugte die Ernsthaftigkeit wie auch die Achtung, die sich die Diskutanten in Anwesenheit zahlreicher Prominenter und Bürger entgegenbrachten. Bischof Dr. Voderholzer erklärte nach der Disputation, der hunderte Gäste sehr aufmerksam und gespannt gefolgt waren: „Wir können vom Glaubensernst Martin Luthers lernen“ – und bezog sich damit auf Aussagen Benedikt XVI., die dieser während seines Besuchs 2011 in Erfurt gemacht hatte.

Das Religionsgespräch sei nicht nur „Dialog in Wahrheit“ gewesen, so der Regensburger Bischof weiter, sondern auch ein „Dialog der Liebe und des Lebens“: die freundschaftliche und respektvolle Rücksichtnahme auf die Andersheit des Anderen. Regionalbischof Dr. Weiss sagte über die erfolgreiche Disputation im Reichtagssaal: „Das war gerade kein fishing for compliments. Sondern die Theologie hat volle Aufmerksamkeit gefordert. Es ging nicht darum, schnelle Wahrheiten zu finden.“

Modell gestanden für die Veranstaltung hatte das historische Regensburger Religionsgespräch aus dem Jahr 1541, das Kaiser Karl V. damals einberufen hatte und dem er einst selbst beiwohnte. Stattgefunden hatte es nur einen Steinwurf entfernt vom Reichstag, in der Neuen Waag am benachbarten Haidplatz. Dieses Mal nun hatte die Stadt Regensburg die Türen zum Reichstagssaal geöffnet und die Disputation fügte sich nahtlos in das kulturelle Jahresprogramm Regensburgs ein: „Stadt und Glaube.“ Warme Worte des Willkommens fand zunächst Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer.

Prof. Dr. Christoph Binninger und Dr. Rainer Höfelschweiger führten durch den Abend.

Hatten 476 Jahre zuvor noch Philipp Melanchthon und Johannes Eck disputiert, so taten dies nun Friederike Nüssel und Martin Hailer für die evangelische sowie Wolfgang Klausnitzer und Thomas Marschler für die katholische Seite. Die vier Professoren der Theologie lehren in Heidelberg bzw. Bamberg/Heiligenkreuz und Augsburg. Bei dem Thema der christlichen Taufe wurden große Übereinstimmungen festgestellt. Allerdings treten Unterschiede auf, wenn es um die Fragen der Sünde und der Erbsünde geht, die mit der Taufe in Verbindung stehen. Von hier aus gingen die Gespräche weiter zum Bild des Menschen ganz allgemein und konkretisierten sich in der Frage, wie Menschen heute – bei anderer Ausgangslage als im 16. Jahrhundert – solche zentralen christlichen Aussagen überhaupt verstehen können.

Auf katholischer Seite debattierten Prof. DDr. Thomas Marschler und Prof. Dr. Wolfgang Klausnitzer.

Das Thema des Papstamtes war der zweite Schwerpunkt der abendlichen Disputation, die übrigens aus Vortrag sowie, darauf folgend, Rede und Gegenrede bestand. Die herausragende Stellung des Petrus unter den Aposteln wurde bezüglich ihres theologischen Gehalts besprochen; außerdem gefragt, wie der reiche biblische Befund zum Thema einzuordnen ist. Prof. Martin Hailer stellte Defizite kirchlicher Einheit im Bereich der aus der Reformation hervorgegangenen Kirchen und Gemeinschaften fest. Prof. Thomas Marschler zeigte realistisch die Grenzen auf, das Papstamt auf einen Ehrenprimat zurückzuführen, um so eine Anerkennung seitens protestantischer Christen erreichen zu können. Ansprechend moderierten Prof. Dr. Christoph Binninger, Ökumenereferent der Diözese Regensburg, sowie Privatdozent Dr. Rainer Höfelschweiger, Theologischer Referent des Regionalbischofs, die Diskussionen.

Auf evangelischer Seite: Prof. Dr. Friederike Nüssel und Prof. Dr. Martin Hailer.

Katholische und evangelische Christen sowie auch orthodoxe Christen in Regensburg tun heute schon, was sie miteinander tun können: an maßgeblichen Terminen während des Jahres beten sie gemeinsam. Bischof Dr. Voderholzer erinnerte in diesem Zusammenhang an den gemeinsamen Versöhnungsgottesdienst, der auf den Tag acht Wochen zuvor in der Regensburger Dreieinigkeitskirche gefeiert worden war und in dessen Verlauf die evangelische Seite der katholischen eine Hostienbüchse sowie die katholische der evangelischen einen Kelch geschenkt hatte. Der Bischof stellte nach erfolgter Disputation eine „Dynamik“ fest, für die „wir dankbar sein dürfen“. Voderholzer: „Wir sollten dran bleiben.“ Regionalbischof Dr. Weiss stellte fest, die Disputation, die Theologie und Kultur verbindet, habe eine „längere Haltbarkeit als Lutherbiere und fränkisches Spielzeug mit Lutherbezug“. Was vor allem beeindruckt hatte: Zum Abschluss der Zusammenkunft im Reichstagssaal wurde gemeinsam das Vaterunser gebetet.