Wachsen durch kleine Gesten - Das Apostolische Schreiben "Gaudete et Exsultate" befasst sich mit dem Ruf nach Heiligkeit

11.04.2018
Anna Schäffer als junge Frau. Noch in jungen Jahren zog sie sich schwerste Verbrennungen an den Beinen zu, woraufhin sie ans Bett gefesselt war.
Anna Schäffer: ans Bett gefesselt. Sie opferte ihre dauernden Leiden auf.

Papst Franziskus hat ein neues Apostolisches Schreiben veröffentlicht. Unter dem Titel "Gaudete et Exsultate" ("Freut Euch und jubelt") geht es darin um den Ruf nach Heiligkeit in der heutigen Welt. Das Lehrschreiben hat die Form einer "Apostolischen Exhortation" wie zuvor etwa "Evangelii gaudium" (2013) und "Amoris laetitia" (2016).

 

Wie Johannes Paul II. und Mutter Teresa

Papst Franziskus hat das Dokument am 19. März unterschrieben, am fünften Jahrestag seiner Amtseinführung. Das Problem mit Heiligen und Heiligkeit ist der unterschiedliche Gebrauch dieser Wörter. Oft denkt man an historische Persönlichkeiten wie Franz von Assisi und Katharina von Siena oder Heilige wie Johannes Paul II. und Mutter Teresa. Sie ragen heraus aus der Menge normalsterblicher Christen. Da werden Heilige leicht mit Superchristen verwechselt. Zu einem solchen aber will sich niemand erheben. Dabei geht es bei Heiligkeit nicht um Leistung, sondern um die Freundschaft und um das Bekenntnis zu Gott. "Heilig zu sein ist kein Privileg für wenige", sagte Papst Franziskus an Allerheiligen 2013.

Franziskus schreibt gleich zu Beginn, in dem Dokument solle es nicht um eine Abhandlung über die Heiligkeit gehen, mit vielen Definitionen und Unterscheidungen, die dieses wichtige Thema bereichern könnten, oder mit Analysen, die über die Mittel der Heiligung anzustellen wären. Sein Ziel ist es, den Ruf zur Heiligkeit zum Klingen zu bringen und zu versuchen, ihn im gegenwärtigen Kontext mit seinen Risiken, Herausforderungen und Chancen Gestalt annehmen zu lassen.

 

Das ganze heilige gläubige Gottesvolk

Nicht nur all derer solle gedacht werden, die bereits selig- oder heiliggesprochen wurden. Der Heilige Geist verströme vielmehr Heiligkeit überall und in das ganze heilige gläubige Gottesvolk hinein, denn es habe Gott gefallen, die Menschen nicht einzeln und unabhängig von aller wechselseitigen Verbindung zu heiligen und zu retten, sondern sie zu einem Volke zu machen, das ihn in Wahrheit anerkennen und ihm in Heiligkeit dienen soll (6).

Die Heiligkeit sei das schönste Gesicht der Kirche. Aber auch außerhalb der katholischen Kirche und in sehr unterschiedlichen Umgebungen wecke der Geist Zeichen seiner Gegenwart, die selbst den Jüngern Christi helfen (9).

 

Zu wichtigen Reformen in der Kirche geführt

In Bezug auf die verschiedenen Weisen der Heiligkeit betont der Heilige Vater, dass sich der „weibliche Genius“ auch in weiblichen Stilen der Heiligkeit manifestiert, die unentbehrlich sind, um die Heiligkeit Gottes in dieser Welt widerzuspiegeln. Gerade auch in Zeiten, in denen die Frauen stark eingeschränkt waren, habe der Heilige Geist Heilige erweckt, deren Leuchtkraft zu neuen geistlichen Dynamiken und wichtigen Reformen in der Kirche geführt hat (12).

Die Heiligkeit, zu der der Herr ruft, wachse durch kleine Gesten (16).

Die Kirche lehrt demnach, dass wir nicht durch unsere Werke oder unsere Anstrengungen gerechtfertigt werden, sondern durch die Gnade des Herrn, der die Initiative ergreift (52).

Das Apostolische Schreiben im Wortlaut.