„Wir sollten so etwas viel öfter tun“: Bischof Voderholzer und Regionalbischof Weiss feierten Ökumenisches Abendgebet mit katholischen und evangelisch-lutherischen Christen

12.03.2018
Katholische und evangelisch-lutherische Christen beteten gemeinsam am Sonntagabend in der Schottenkirche St. Jakob.

Das Reformationsgedenken ist zwar vorbei – dennoch wollen katholische und evangelisch-lutherische Christen auch weiterhin eng und sichtbar zusammen arbeiten und wirken. Dieses Signal ging vom Ökumenischen Abendgebet aus, das am Sonntagabend in der Regensburger Schottenkirche St. Jakob stattfand.

Gastgeber waren der katholische Bischof von Regensburg Rudolf Voderholzer und der evangelisch-lutherische Regionalbischof Hans-Martin Weiss, die unter dem Motto „Das Beten macht das Herz weit!“ an den Versöhnungsgottesdienst von katholischen und evangelisch-lutherischen Christen im vergangenen Jahr erinnerten. Dieser wurde auf den Tag genau  am 11. März 2017 in der Regensburger Dreieinigkeitskirche gefeiert und war einer der Höhepunkte des Reformationsgedenkens in Regensburg – katholische und evangelisch-lutherische Christen sicherten an jenem Abend einander feierlich zu, den Weg zur Einheit mit Kraft und Zuversicht, und vor allem unumkehrbar, weiter zu beschreiten.

 

Stimmungsvolle Feier in der Schottenkirche St. Jakob

„Das, was katholische und evangelisch-lutherische Christen bereits jetzt gemeinsam tun können – wie beispielsweise zusammen zu beten - das sollten wir auch gemeinsam tun!“, rief Bischof Rudolf Voderholzer am Sonntagabend den Gläubigen beider Konfessionen zu, die seiner Einladung und der von Regionalbischof Weiss gefolgt waren. „ Wir haben so viele schöne Kirchen, so viele hochbegabte Sänger und außerdem die wunderbare Tradition des Stundengebetes – wir sollten deshalb so etwas viel öfter tun“, sagte der Regensburger Oberhirte im Anschluss an die vom kirchlichen Stundengebet getragene Feier, die von einer Schola der Regensburger Domspatzen musikalisch untermalt wurde. Die im 12. Jahrhundert erbaute Schottenkirche St. Jakob  – eines der bedeutendsten hochromanischen Bauwerke Deutschlands -  wurde während des Ökumenischen Abendgebets außerdem in ein stimmungsvolles Licht getaucht.

Erinnerten an den Versöhnungsgottesdienst vom vergangenen Jahr: PD Dr. Rainer Höfelschweiger (theologischer Referent von Regionalbischof Dr. Weiss), Regionalbischof Dr. Hans-Martin Weiss, Bischof Dr. Rudolf Voderholzer, Prof. Dr. Christoph Binninger (Ökumenereferent der Diözese Regensburg) (v.l.n.r.)

Miteinander beten - voneinander beten lernen

Regionalbischof Hans-Martin Weiss wiederum erinnerte in seiner Ansprache an die Bedeutung des Gebetes Jesu, des „Vater Unser“: „Es ist für uns Christen über alle Konfessionsgrenzen hinweg das maßgebliche Gebet, an dem wir immer wieder neu lernen und einüben können, was ein Gebet überhaupt ist, was wir in einem Gebet sagen können und wie wir es sagen können.“ Auch für ihn persönlich, so Hans-Martin Weiss, habe das „Vater Unser“  bis auf den heutigen Tag eine immense Bedeutung – genauso wie die Auslegung Martin Luthers dazu in dessen Kleinem Katechismus: „Luthers einfache und klare Formulierungen haben mir immer dabei geholfen herauszufinden, wie ich beten kann und wie ich nicht beten soll, hat mir immer dabei geholfen, das zu beichten, was wirklich relevant ist und was nicht unter den typischen Luther-Begriff der „Puppensünden“ fällt – die hat er nämlich nicht für mitteilenswert erachtet. Ich bete fast täglich vor dem Einschlafen – mal hastig, mal konzentriert und immer wieder schaue ich dabei auf einen Tag zurück, an dem ich anderen Menschen etwas schuldig geblieben bin. Denke ich zu viel drüber nach, besteht die Gefahr, dass ich Gedanken über das, was ich schuldig geblieben bin, nachhänge, die mir dann den Schlaf rauben. Nicht immer, aber doch sehr oft waren mir dann einige Gedanken Martin Luthers zum „Vater Unser“ eine große Hilfe.“

Eine weitere wichtige Hilfe für ein richtiges und authentisches Gebetsverständnis sei ihm, so Regionalbischof Weiss, außerdem das Buch „Wie wir beten können“ des 2016 verstorbenen evangelisch-lutherischen Theologen und Bestsellerautoren Jörg Zink gewesen, welches er und sein Bruder zur Konfirmation am Palmsonntag 1971 geschenkt bekommen hatten, genauso wie das Buch „Wir beten. Gebete für Menschen von heute“ von Manfred Seitz und Friedrich Thiele.

„Ich wünsche Ihnen allen, dass Sie aus dem Gebet heraus zur Ruhe und zur Besinnung finden. Und dass wir über die Konfessionsgrenzen hinweg, uns über unser Gebet austauschen und voneinander lernen. Dazu helfe uns Gott!“, schloss Regionalbischof Weiss seine Ansprache. Wie passend, dass die anwesenden katholischen und evangelisch-lutherischen Gläubigen im Anschluss gemeinsam das „Vater Unser“ anstimmten.