Wirksamstes Mittel gegen Terror und Gewalt: Die "Waffen Christi" - Pontifikalamt am Ostersonntag mit Bischof Rudolf Voderholzer

27.03.2016
Der Regensburger Dom war am Hochfest der Auferstehung des Herrn bis auf den letzten Platz gefüllt.

Bischof Rudolf Voderholzer hat am Ostersonntag im vollbesetzten  Hohen Dom St. Peter zu Regensburg das Hochfest der Auferstehung des Herrn gefeiert. Gerade in Zeiten von Terror und Gewalt müsse die Botschaft Christi von Tod und Auferstehung sowie von Gottes Barmherzigkeit und Liebe umso dringlicher verkündet werden, so der Regensburger Oberhirte.

Um die Verbundenheit mit der gesamten katholischen Weltkirche zum Ausdruck zu bringen, erklangen verschiedene Sprachen im Regensburger Dom: So wird traditionell das Pontifikalhochamt am Ostersonntag in lateinischer Sprache gefeiert, das „Kyrie Eleison“ (griechisch) und das „Halleluja“ (hebräisch) stehen stellvertretend für die alten Sprachen der Kirche. Die erste Lesung wurde auf Englisch, die Fürbitten in Polnisch und Spanisch, Deutsch, Syrisch und Malayalam vorgetragen.

Bischof Rudolf Voderholzer nahm in seiner Predigt die Furcht vieler Menschen vor islamistischem Terror und Gewalt auf. Der Islam habe viel Anlass zur Selbstkritik, so der Regensburger Oberhirte. Als "Gegenmittel" gegen Waffen der Gewalt und der Zerstörung verwies Bischof Rudolf auf die Liebe und Barmherzigkeit schenkenden "Waffen Christi".

„Die Liebe ist die wahrhaftige Macht!“: Bischof Rudolf über die „Waffen Christi“ und die Arma-Christi-Verehrung

In seiner Predigt griff Bischof Rudolf Voderholzer die Furcht vieler Menschen vor der gegenwärtigen weltpolitischen Lage auf. Sowohl der Osterjubel als auch die Osterbotschaft an sich drohten angesichts der islamistisch motivierten Terroranschläge von Brüssel und Paris erstickt zu werden, so Bischof Rudolf. Ebenso entstünde durch diese scheinbar „im Namen Gottes“ begangenen Taten ein gesellschaftliches Klima, in dem Religion als Ganzes immer stärker in Verruf gerate und als per se gewaltschürend betrachtet werde. Der Islam habe deshalb gegenwärtig viel Anlass zur Selbstkritik, so Bischof Rudolf Voderholzer. Im interreligiösen Dialog müsse in aller Offenheit über das Gottes- und Menschenbild sowie über die Gründe für das offensichtlich vorhandene Gewaltpotential des muslimischen Glaubens gesprochen werden. Als Vorbild für einen offenen und ehrlichen Dialog zwischen den Religionen verwies Bischof Rudolf auf die berühmte „Regensburger Vorlesung“, die Papst Benedikt XVI. 2006 an der Universität Regensburg hielt. Ebenso kritisch müsse sich jedoch auch ein Großteil der westlichen Staaten fragen lassen, ob er beispielsweise im Zuge des Irakkriegs 2003 - einer der Hauptursachen für das Erstarken der Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) - nicht besser auf die mahnenden Worte des hl. Papstes Johannes Paul II. gehört hätte, der einen Feldzug im Irak kategorisch abgelehnt hatte.

Als Gegengewicht zu Furcht, Hass und Gewalt in religiösem Namen erinnerte Bischof Voderholzer an die „Waffen Christi“ und die aus dem Mittelalter stammende „Arma-Christi“-Verehrung. Auch in Regensburg, so Bischof Rudolf, gibt es ein altes Arma-Christi-Relief  in der Nähe des Regensburger Rathauses.  Als „Waffen Christi“ werden Waffen, Foltergeräte oder andere Objekte bezeichnet, die in Beziehung zum Leiden und Sterben Jesu stehen – man bezeichnet sie auch als die „Leidenswerkzeuge Christi“. Der Regensburger Oberhirte zählte einige dieser „Waffen“ auf, wie beispielsweise die Heilige Lanze, die Geißelsäule, Geißeln und Ruten, Dornenkrone, Spottzepter und Mantel, Essigschwamm oder die Nägel und der Hammer, mit denen Jesus an Kreuz geschlagen wurde. Die Waffen wurden jedoch nicht von sondern an Jesus Christus eingesetzt, so Bischof Rudolf. Dass diese Leidenswerkzeuge von vielen Christen bis auf den heutigen Tag verehrt werden zeige die ganze Wucht der christlichen Friedensbotschaft – denn durch die freiwillige Selbstaufopferung Christi zur Erlösung der Menschheit verwandelte dieser Gewalt und Tod bringende Folterinstrumente und Waffen zu Gegenständen des Heils. In der scheinbar so paradox anmutenden Haltung Christi, sich sowohl martern und kreuzigen zu lassen als auch noch am Kreuz seinen Missetätern zu vergeben, zeige sich, dass „Liebe nicht die Schwächlichkeit des Nichtanderskönnens“, sondern  vielmehr Ausdruck der souveränen und freiwilligen Allmacht der Sünden und Tod überwindenden Liebe Gottes sei. Das Kreuz Christi wurde deshalb, so Bischof Rudolf, „zum Inbegriff der Abendländischen Kultur.“ Im Zeichen von Terror und Gewalt, aber auch angesichts der Flüchtlingsproblematik müsse „dieses Zeugnis von der Barmherzigkeit und Liebe Gottes der Exportschlager des christlichen Europa sein.“

 

 

"Credo in unum Deum..." Die Choralschola der Regensburger Domspatzen während des Hochamtes.

Domspatzen begeistern die Zuhörer

Der Domchor der Regensburger Domspatzen sang während des Pontifikalamts am Ostersonntag unter Leitung von Domkapellmeister Prof. Roland Büchner unter anderem J.G. Rheinbergers „Cantus missae“ sowie László Halmos „Jubilate Deo“. Karl-Heinz Liebl leitete die Choralschola des Domchores beim Gregorianischen Choral, während Domorganist Prof. Franz Josef Stoiber auf der Orgel unter anderem Johann Sebastian Bach intonierte. Nachdem Bischof Rudolf die Osterspeisen gesegnet hatte, erteilte er den zahlreich erschienen Gläubigen im Dom St. Peter den päpstlichen Segen.