Foto: Jörg Böthling

Kirche in Äthiopien erleben

Wer Äthiopien bereist, der lernt die älteste Nation Afrikas kennen. Sie ist geprägt durch kulturelle Vielfalt und einen tief religiösen Glauben. Dafür stehen zum Beispiel die Felsenkirchen Lalibelas, aber auch die Wüsten des Hochlands. Hier hat der Kaffee seinen Ursprung. Eine 10-tägige Reise mit Bischof Rudolf Voderholzer wird uns unter anderem genau dort hinführen.

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Ein Seliger aus der Oberpfalz mitten in Äthiopien

Mitten in Äthiopien ist die Gruppe unterwegs auf den Spuren des seligen Liberat Weiß, der in Konnersreuth geboren wurde. Mit dem Besuch von Bischof Dr. Rudolf Voderholzer trägt das Krankenhaus der Schwestern von St. Anne in Gondar einen neuen Namen, zu Ehren des seligen Liberat Weiß.

 

Bischof Rudolf im Interview zum Hintergrund der Namensgebung und den weiteren Schritten in diesem Projekt:

Ein provisorisches Schild wurde bereits an der Klinik angebracht.

Bei den Sisters of St. Anne

 

Am Dienstag ist die Reisegruppe um Bischof Rudolf Voderholzer in Gondar angekommen - bei den Sisters of St. Anne. Die Schwestern führen dort ein Internat für blinde Kinder, denn es gibt sehr viele Augenerkrankungen in dieser Gegend. Man vermutet dahinter keine natürliche Ursache.

Katholische Kirche leistet sehr gute Arbeit im Bildungsbereich

Am Montagmorgen ging es mit einem Gottesdienst los bei den Salesianerinnen in Adua

„Unser Hauptaugenmerk in der äthiopischen Grenzregion zu Eritrea ist es, den traumatisierten Menschen zu helfen und Versöhnungsarbeit zu leisten“, sagt Tesfaselassie Medhin, Bischof der Eparchie Adigrat, bei einer Begegnung mit dem Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer und missio-Präsident Monsignore Wolfgang Huber. Seit knapp 20 Jahren sind Äthiopien und Eritrea in einem politischen Schwebezustand. „Hier herrscht weder Krieg noch Frieden. Die jungen Leute verlassen diese Gegend und zurück bleiben die Alten und die Kinder“, betonte der Bischof. „Die Gesprächsbereitschaft zwischen den Regierungen ist Voraussetzung für einen Wandel.“

 

Eine Delegation unter Leitung von Bischof Voderholzer und missio-Präsident Monsignore Huber ist derzeit in der an Eritrea angrenzenden äthiopischen Region Adigrat unterwegs. Vergangene Woche hatte Abiy Ahmed, der vor zwei Monaten vereidigte Premierminister Äthiopiens, dem Nachbarland überraschend das Angebot gemacht, die derzeitige Grenzziehung anzuerkennen. Seitens Eritrea ist noch keine Reaktion erfolgt.

„Der Schwebezustand, in dem die Menschen hier gefangen sind, hängt wie eine Glasglocke über der Region. Beiden Ländern ist zu wünschen, dass der Weg der Versöhnung und des Friedens beschritten wird“, sagte missio-Präsident Monsignore Wolfgang Huber.

 

Bischof Voderholzer betonte nach einer Begegnung mit Lehrenden und Studierenden im Priesterseminar: „Natürlich bleiben bei unserem Besuch auch die ökonomischen und politischen Probleme des Landes nicht verborgen. Aber es zeigt sich, dass die katholische Kirche sehr gute Arbeit im Bildungsbereich leistet. Das ist das A und O. Wenn Menschen gut ausgebildet sind, dann können sie ihr Leben gestalten. Schlechte Rahmenbedingungen lassen sich nur von gebildeten Menschen verändern. Deshalb ist die Bildungsarbeit der Kirche aller Unterstützung wert."

Glauben erleben und sich bestärken lassen

Bischof verteilt Lebensmittelpakete bei einer Armenspeisung, die vom Orden der Kapuziner betrieben wird.
 

Die ersten Stunden in Äthiopien liegen schon hinter ihm - Bischof Rudolf Voderholzer schildert seine ersten Eindrücke aus dem Land.

 

Eine frohe und glaubensstarke Gemeinschaft hat der Bischof gleich zu Beginn in Äthiopien erlebt beim Auftaktgottesdienst mit Kardinal Souraphiel Berhaneyesus im äthiopischen altorientalischen Ritus in Addis Abeba. Der Kardinal kommt im Oktober nach Regensburg zum Weltmissionssonntag. Als Gastgeschenk für Bischof Rudolf gab es eine Kerze von Missio-Präsident Wolfgang Huber. "Wir freuen uns, selber auch im Glauben gestärkt und ermutigt zu werden, wenn wir die Reise durch dieses große und schöne Land antreten", sage Bischof Voderholzer. Ganz besonders freut er sich auf den Austausch mit der Kirche im Land.

 

Beim Sechs-Augen-Gespräch bekam Bischof Voderholzer einen ersten Eindruck vom Land. Etwa die Hälfte der Menschen in Äthiopien sind Christen - hauptsächlich orthodoxe, aber es gibt mittlerweile auch starke pentecostale Bewegungen. Obwohl die katholische Kirche nur die kleinste ist, ist sie sehr stark in der Sozialarbeit, etwa als Träger von Schulen und Krankenhäusern. "Die katholische Kirche hat sehr viel Erfahrung und auch Effizienz in der Gestaltung des Miteinanders der verschiedenen Kulturen - darauf sind die Katholiken hier auch ein wenig stolz", erzählt Bischof Rudolf Voderholzer. "Die Bildungsarbeit gerade für die Schwächsten der Schwachen und für viele Randgruppen ist wirklich großartig und kann sich sehen lassen." Ein großes Thema sind auch die vielen Flüchtlinge im Land - aus Somalia, Eritrea und dem Südsudan zum Beispiel.

 

Weiter ging es am ersten Tag mit dem Besuch einer Armenspeisung, die von Kapuzinern in Addis Abeba betrieben wird. Und eine Begegnung mit geflüchteten Studenten aus dem Süd-Sudan gab es auch. Um die kümmern sich ebenfalls die Kapuziner. In der Unterkunft im Gästehaus St. Michael der Erzdiözese Addis Abeba wurden vom Bischof ein paar Mitbringsel überreicht - unter anderem Domspatzen-CDs.

„Man spürt, dass christliches Leben hier Tradition hat“

missio-Präsident Wolfgang Huber überreichte dem Kardinal als Gastgeschenk eine Kerze.
 

Eine Delegation unter Leitung des Regensburger Bischofs Rudolf Voderholzer und missio-Präsident Monsignore Wolfgang Huber ist am Freitag in Äthiopien eingetroffen und vom Erzbischof von Addis Abeba, Berhaneyesus Demerew Kardinal Souraphiel, empfangen worden. Der Kardinal dankte den deutschen Partnern in der äthiopischen Hauptstadt für ihre Solidarität – gerade in diesen politisch ungewissen Zeiten: „Wir hoffen, dass es der neuen Regierung gelingt, soziale Themen voranzubringen und das Land wieder zu einen“, sagte der Kardinal.

 

Im Februar war der Premierminister des Landes am Horn von Afrika zurückgetreten. Wochen des Ausnahmezustandes und der politischen Ungewissheit folgten, bis im April ein neuer Premierminister aus der Ethnie der Oromo berufen wurde. Auf ihm ruhen große Hoffnungen. „Dem Gemeinwohl zu dienen und Menschenrechte zu respektieren muss nun an erster Stelle stehen“, betonte Kardinal Souraphiel.

 

„Man spürt, dass christliches Leben hier Tradition hat“, sagte der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer. „Dafür macht man so eine Reise: Um zu sehen, wie die Realitäten vor Ort sind und wie man helfen kann – etwa in der Frage der Migration, die sich bis nach Europa auswirkt.“

 

missio-Präsident Monsignore Wolfgang Huber betonte, wie sehr sich die Entwicklung in Äthiopien auf die ganze Region auswirken würde: „Stabilität und Frieden in diesem ostafrikanischen Land wird für die ganze Region entscheidend sein. Die katholische Kirche ist zwar zahlenmäßig klein, spielt aber eine wichtige Rolle auf diesem Weg.“

Die Vorfreude auf Land und Leute ist riesig

Foto: Jörg Böthling

Der Monat der Weltmission - der Oktober - wirft heuer schon sehr weit seine Schatten voraus. Denn missio München, das internationale Katholische Missionswerk, wird den Weltmissionsmonat in diesem Jahr ganz besonders intensiv bei uns im Bistum Regensburg feiern - mit unterschiedlichsten Gästen aus Äthiopien.

 

Im Mittelpunkt des Monats der Weltmission steht nämlich diesmal genau dieses Land Äthiopien - gelegen in Ostafrika. Es wird auch als Dach von Afrika bezeichnet. Um die künftigen Gäste schon im Vorfeld ein bisschen kennenzulernen und persönliche Eindrücke von dem Land zu bekommen, macht sich am Donnerstag eine Delegation auf den Weg nach Äthiopien. An der Spitze stehen Bischof Rudolf Voderholzer und missio-Präsident Monsignore Wolfgang Huber. Die Reise wird der 13-köpfigen Delegation das vor Auge führen, womit die katholische Kirche in Äthiopien tagtäglich konfrontiert ist: mit der extremen Kluft zwischen Arm und Reich, mit ethnischen Konflikten, religiösen Umbrüchen und dem wachsenden Einfluss des Islam.

 

Wie hat der irische Schriftsteller Oscar Wilde so schön gesagt: "Reisen veredelt den Geist und räumt mit unseren Vorurteilen auf". Deswegen bin ich extrem gespannt, was diese 10-tägige Reise an Erlebnissen und Begegnungen bereithalten wird. Bis wir äthiopischen Boden betreten können, müssen wir uns noch in Geduld üben. Am Donnerstagvormittag geht´s vom Münchner Flughafen Richtung Istanbul. Dort haben wir knapp fünf Stunden Aufenthalt, bis wir dann weiterfliegen zu unserem Zielflughafen Addis Abeba. Die Hauptstadt des Landes, gelegen auf einer Höhe von 2.200 bis 3.000 Metern und damit dritthöchste Hauptstadt weltweit, ist Ausgangspunkt unserer Reise. Wir alle aus der Delegation freuen uns schon, Sie auf diesem Weg in den kommenden Tagen an der Äthiopien-Reise teilhaben zu lassen - bis demnächst.

 

Claudia Bresky, bischöfliche Pressestelle.