Baby lernt laufen am Strand an der Hand der Mutter
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Nur ein Gedenktag mehr? Oder: Warum Papst Franziskus mit dem neu eingeführten Schöpfungstag am 1. September ein Kernanliegen jedes Menschen aufgreift.

Ein Beitrag von Bischof Rudolf Voderholzer

14.08.2015

Papst Franziskus macht deutlich, dass es der Kirche mit der Einführung des Schöpfungstages nicht um eine isoliert betrachtete und nur politisch motivierte Maßnahme geht. Mülltrennung und Energiewende sind gut. Aber die Sorge um das „Gemeinsame Haus der Schöpfung“ muss sich einfügen in das Gesamtverständnis von Schöpfung, wie der Papst es zuletzt in der Enzyklika „Laudato si“ entfaltet hat.

Die Schöpfung als Ganzes begreifen

Wie ein roter Faden durchzieht den lehramtlichen Text ja der Gedanke des Zusammenhangs, der Verbundenheit von allem. Den Menschen, die dabei sind, ihre Lebensgrundlagen zu zerstören, ruft Papst Franziskus in Erinnerung: „Wir vergessen, dass wir selber Erde sind (vgl. Gen 2,7). Unser eigener Körper ist aus den Elementen des Planeten gebildet; seine Luft ist es, die uns den Atem gibt, und sein Wasser belebt und erquickt uns.“ (LS2) Den heiligen Franziskus rühmt er, weil man an ihm gewahr wird, „bis zu welchem Punkt die Sorge um die Natur, die Gerechtigkeit gegenüber den Armen, das Engagement für die Gesellschaft und der innere Friede untrennbar miteinander verbunden sind.“ (LS10) Das Klima, dem die besondere Aufmerksamkeit und Sorge des Heiligen Vaters gilt, ist für uns deshalb so wichtig, weil es ein kompliziertes System auf globaler Ebene ist, „das mit vielen wesentlichen Bedingungen für das menschliche Leben verbunden ist.“ (LS 23)

 

Das Universum verdankt sich der Liebe Gottes

Die Einsicht in die Verbundenheit des Menschen mit der Natur und der unterschiedlichen Dimensionen des Lebens miteinander ist dem Papst dabei nicht eine philosophische Erkenntnis oder das Ergebnis wirtschaftswissenschaftlicher Reflexionen über das Phänomen der Globalisierung, sondern Frucht des Schöpfungsglaubens. Wer die Welt als Schöpfung sieht, der kann nicht glauben, dass das ganze riesige Universum das Produkt eines blinden Zufalls ist. Er sieht, dass sich Himmel und Erde dem liebenden Plan des Schöpfergottes verdanken. Jeder und jede ist eingeborgen in Gottes zärtliche Liebe. Und der Mensch ist es, in dem die Schöpfung, in die die Dynamik der Entwicklung hineingelegt ist, nach Jahrmillionen zu sich erwacht. Der Mensch ist es, der in der Betrachtung der Schöpfung den Schöpfergott erkennen kann, und wir Menschen sind es, die der gesamten unbelebten und vormenschlichen Schöpfung nun die Stimme leihen und den Schöpfer preisen.

 

Warum legt Papst Franziskus den Schöpfungstag auf den 1. September?

Papst Franziskus bezog sich bereits in „Laudato Si“ auf den ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel, Bartholomaios. Dieser wird von manchen schon „Grüner Patriarch“ genannt, weil er sich seit Jahren dafür einsetzt, dass die Kirche Fragen der Ökologie aufgreift. Der neue Schöpfungstag der Katholiken ist ein Geschenk, das der Papst von den orthodoxen Christen übernimmt. Der 1. September hängt mit dem orthodoxen Verständnis des Kirchenjahres zusammen. Es orientiert sich an den Festtagen der Gottesmutter Maria (Predigt von Metropolit Daniel Ciobotea, Rumänien, am 8. September 2007 in Sibiu). Während nach katholischem Verständnis das Kirchenjahr mit dem 1. Advent beginnt und mit dem Christkönigsfest schließt, folgt die orthodoxe Frömmigkeit einer marianischen Logik.  Das erste große Fest im orthodoxen Kirchenjahr ist am 8. September das Fest der Geburt Mariens, und das letzte Hochfest im orthodoxen Kirchenjahr ist das Fest der Koimesis, der Entschlafung der Gottesmutter, d.h. der Feier der Vollendung der Mutter Jesu Christi bei Gott in seiner himmlischen Herrlichkeit (in der römisch-katholischen Kirche das Fest der Aufnahme Mariens in den Himmel) am 15. August.

 

Maria und die Heiligung der ganzen Schöpfung

Das Kirchenjahr erstreckt sich also von der Feier der Geburt bis zur Feier der Vollendung Mariens. Es nimmt nach orthodoxem Verständnis den Empfänger der Offenbarung, das Subjekt der Annahme der Offenbarung und des Heils in den Blick. Der neue Schöpfungstag am 1. September macht gewissermaßen das Fest Mariä Geburt zum Oktavtag des Schöpfungstages und setzt damit Schöpfung und Maria ausdrücklich in Beziehung zueinander. Dem entspricht die in ökumenischer Verbundenheit hochgehaltene Glaubensüberzeugung, dass Maria Gottes heilige und heile Schöpfung in Person ist, steht doch der 8. September noch einmal in Bezug zum Fest der Immaculata Conceptio (ohne Erbsünde empfangene Jungfrau und Gottesmutter Maria) neun Monate zuvor am 8. Dezember. Um ihrer Berufung willen, Jesus Christus, den Erlöser zur Welt zu bringen, hat Gott Maria vom ersten Augenblick ihres Daseins an vom Verhängnis der Erbschuld befreit und somit den Weg zur Heilung und Heiligung der ganzen Schöpfung vorbereitet.

 

Maria: Vollendung der Schöpfung

In Maria schauen alle Menschen, die die Krone der Schöpfung sind, das Vorbild für ein Leben im Gehorsam gegenüber Gottes Wort und somit auch in Harmonie mit der Schöpfung. In Maria preist die zur Vollendung berufene Schöpfung die Größe ihres Schöpfergottes. In Maria schaut die Schöpfung schließlich ihre Vollendung, nämlich mit Leib und Seele, also in ihrer konkreten geschichtlichen Gestalt, bei Gott aufgenommen zu werden.

 

Der Schöpfungstag im Bistum Regensburg

Bereits seit 2005 lädt das Bistum Regensburg jedes Jahr um den Gedenktag des Hl. Franz von Assisi zum diözesanen Schöpfungstag mit verschiedenen thematischen Aspekten ein. In diesem Jahr steht er unter dem Motto „Einfälle statt Abfälle“ und findet am 26. September 2015 im Kloster Speinshart statt. Frau Beate Eichinger, die Umweltbeauftragte im Bistum Regensburg, nimmt hierfür bis zum 21. September gerne Anmeldungen entgegen. Die Schöpfungstage sind geprägt vom gemeinsamen Erleben der Natur, von der Vergewisserung der eigenen Verantwortung im Glauben und von konkreten Ideen für die Sorge um unsere Erde. Jetzt soll dieser Schöpfungstag auf engste verknüpft werden mit den Vorgaben des Heiligen Vaters. Dieser hat in seiner Enzyklika am Schluss zwei Gebete (druckfertige Exemplare können am Ende des Textes heruntergeladen werden) formuliert, eines „für unsere Erde“ und eines „mit der Schöpfung“. Ich schlage den Pfarrern vor, diese Gebete in der kommenden Zeit, gerade auch im Zusammenhang mit unserem diözesanen Schöpfungstag am 26. September 2015, in die Liturgie einzubauen, sie gemeinsam mit der Gemeinde zu beten und sich auch auf diese Weise das Anliegen des Papstes zu Eigen zu machen. Wir werden in den kommenden Jahren noch stärker und grundsätzlicher überlegen, wie wir die Schöpfungssorge des Papstes aufgreifen und im Alltag unserer Pfarreien und Gläubigen lebendig werden lassen können.

 

Laden Sie hier ein druckfertiges Exemplar der Gebete des Heiligen Vaters herunter: