Panorama über Regensburg inklusive der Domtürme
Foto: Domkapitel Regensburg/Florian Monheim

150 Jahre Domtürme

Im Jahr 2019 wird das 150-jährige Jubiläum der Domturmvollendung gefeiert: ein bedeutendes baugeschichtliches und vor allem auch geistliches Ereignis für das gesamte Bistum Regensburg.

Hoch wie der Himmel – so sollte von 1275 an der
neue Dom in Regensburg gebaut werden. Diese
Vision fand jedoch ein vorläufiges Ende, als
etwa um 1520 die Geldmittel ausgingen und die
Türme nicht fertig gebaut werden konnten.

Himmelwärts – so wollten die bayerischen
Könige Ludwig I. und Maximilian II. den Regensburger
Dom in der Mitte des 19. Jahrhunderts
ausbauen. Er sollte ein Nationaldenkmal sein und
ein Zeichen ihres Königtums von Gottes Gnaden.

„Hoch zum Himmel emporgerichtet, mit einem
Kranze von Heiligen umgeben“ –
mit diesem
Ziel begann Bischof Ignatius von Senestrey den
Turmausbau im Jahr 1859. Mit der „Opferbereitschaft
des ganzen Bisthums“ wollte er dem
Dom die „Ehre und Zier seiner Thürme“ geben.
Weithin sichtbar in den Himmel weisen heute
noch die Türme unseres Domes. Auch wenn
viele Steine schon wieder ausgetauscht wurden:
Die Türme sind zu einem Wahrzeichen der
Stadt und des Bistums geworden.

Was sehen wir in den Türmen unseres Domes? Was oder wer sind „Türme“ in unserem Leben, die uns Halt und Orientierung geben? Wo erfahren wir Sicherheit, die uns über uns hinauswachsen lässt? Was ragt über unseren Alltag hinaus?

Mehr Details :

Ausstellung in der Bischöflichen Zentralbibliothek

In Ergänzung zu der am 29. Mai 2019 in der Museumskirche St. Ulrich eröffneten Ausstellung über die Vollendung der Regensburger Domtürme vor 150 Jahren bietet die Bischöfliche Zentralbibliothek ihren Besuchern einen weiteren Einblick in die Thematik.

 

Anhand von nur wenig oder gar nicht bekannten Dokumenten und Bildern aus dem Bischöflichen Zentralarchiv informiert die Ausstellung über die Rolle, die König Ludwig I. von Bayern für den Ausbau des Regensburger Doms spielte, und über die Entstehung und die Arbeit des Dombauvereins. Sie zeigt den Regensburger Dom als Motiv in der Philatelie. Ein Schreiben König Ludwigs I. an den Regensburger Bischof Ignatius von Senestrey kann ebenso besichtigt werden wie die Eingabe des Dombaumeisters um vier Wochen Urlaub oder das im Regensburger Morgenblatt im Juni 1869 gedruckte Festgedicht zur Vollendung der Domtürme. Eine Schauvitrine informiert über die Steinbearbeitung im Mittelalter mit Werkzeugen aus der Regensburger Dombauhütte.

 

Diese und weitere Ausstellungsstücke können bis zum 26. September während der Öffnungszeiten der Bibliothek am St.-Peters-Weg 11–13 angeschaut werden.

 

Informationen unter: 0941/597-2514 oder bibliothek@bistum-regensburg.de

Glaubensausdruck, Gemeinschaftswerk, Wahrzeichen – Ausstellung zur Vollendung der Domtürme vor 150 Jahren eröffnet

Hoch ragen die zwei Türme des Regensburger Domes in das Blau des Himmels empor. Wie kein anderes Bauwerk prägen sie Regensburgs Stadtansicht. Am Mittwoch, 29. Mai, hat die Vernissage zur Ausstellung „Zwei Türme für den König“ stattgefunden, die bis 29. September zu besuchen ist. Dompropst Dr. Franz Frühmorgen, Baudirektor Karl Stock, Leiter des Staatlichen Bauamtes, Bischof Dr. Rudolf Voderholzer und Dr. Maria Baumann, Konservatorin des Bistums, hoben die Baugeschichte und die Bedeutung der Regensburger Domtürme hervor.

Domtürme – ein Gemeinschaftswerk von Kirche, Staat und Bürgern

Heutzutage halten wir diesen einmaligen Anblick für selbstverständlich; das war nicht immer so. Erst mit König Ludwig I. und Bischof Ignatius von Senestrey konnte das mittelalterliche Bauwerk mit den Türmen vollendet werden. 350 Jahre lang stand der mächtige Bau zwar im Zentrum der Stadt, doch wirkte er gedrungen. Dies sollte sich mit der Vollendung der Doppelturmfassade im 19. Jahrhundert ändern. In seiner Begrüßung formulierte Dompropst Dr. Franz Frühmorgen: „Dass es vor gut 160 Jahren gelungen ist, dieses Projekt in Angriff zu nehmen, unseren Dom ein Stück weiter in den Himmel hineinwachsen zu lassen und seine Türme zu vollenden, war das Gemeinschaftswerk von Kirche, Staat und Bürgern.“ Denn früher wie heute ist es nur im guten Miteinander möglich, so Dompropst Frühmorgen, unsere Kathedrale St. Peter als großes religiöses und kulturhistorisches Erbe für die Zukunft zu erhalten.

 

Solange Gerüste am Dom zu sehen sind, kümmert sich jemand um den Dom kümmert

Ein Geleitwort zur Ausstellungseröffnung „Zwei Türme für den König“ übernahm Baudirektor Karl Stock, Leiter des Staatlichen Bauamtes Regensburg. So würdigte er zuerst den damaligen Regensburger Bischofsstuhl und das Königreich Bayern aufgrund ihrer Entscheidung, den Hohen Dom St. Peter noch im 19. Jahrhundert zu vollenden und nicht nach französischer Manier als halbfertig zu belassen. Denn in Frankreich weisen von den dreißig bekanntesten Kathedralbauten nur sechs Gotteshäuser fertiggestellte Turmfassaden auf. Zudem verwies Baudirektor Stock auf die bedeutende Arbeit der bereits 1923 gegründeten Staatlichen Dombauhütte, die bis heute emsig für den Erhalt des Regensburger Doms wirkt. Dazu bezog sich der Leiter des Bauamtes auf die Worte Helmut Stuhlfelders, des Dombaumeisters: „Solange Gerüste am Dom zu sehen sind, können Sie sich sicher sein, dass sich jemand um den Dom kümmert.“ So sollen in den nächsten Jahren die Arbeiten an den großen Fialen des Südturms abgeschlossen und der Nordgiebel des Querhauses komplett ersetzt werden. Für den Gesamtaustausch sind bereits 95 Prozent des benötigten Steinmaterials vorbereitet und eingelagert.

Die Türme als Denkmal des Glaubens an Christus, den König der Könige

Ein weiteres Grußwort sprach Bischof Dr. Rudolf Voderholzer, der die theologische Bedeutung des Bauwerkes als geistliches Ereignis herausstellte. Zu Beginn seiner Rede verweist Bischof Voderholzer auf die historische Situation Mitte des 19. Jahrhunderts, in der „das Innere vollendet erscheint, der mächtige Außenbau jedoch noch unvollendet auf die Zeitgenossen hernieder blickt“. Nach Notizen eines unbekanntes Autors von 1856 waren die frommen Vorfahren durch zeitgeschichtliche Ereignisse gezwungen, das Werk einzustellen und die Vollendung als ein geheiligtes Vermächtnis ihren Nachkommen zu hinterlassen.
Dies konnte schließlich durch die Konstellation Ludwig I., der abgedankt hatte, durch Bischof Ignatius von Senestrey, durch den amtierenden König Maximilian II. von Bayern und mithilfe des Dombaumeisters Franz Josef Denzinger Mitte des 19. Jahrhunderts umgesetzt werden. Mit den Worten Bischof Senestreys erklärt Bischof Dr. Rudolf Voderholzer die Bedeutung des Turmbauprojektes: „Die Türme verkünden die Wohnung Gottes unter den Menschen. Mit einem Kranz von Heiligen lenken sie die Gedanken nach oben. Sie wenden die Herzen von dem Irdischen und Sinnblichen ab und kehren sie auf das Geistige, Reine, Schöne und Himmlische. Sie sind ein mächtiger Ruf des Geistes gegen die Vergötterung des Irdischen.“
Die Ausstellung „Zwei Türme für den König“ erschließt den Werdegang des Bauprojekts von der Idee zur Planung und Ausführung. Auch die zentrale Rolle der Restaurierungsgeschichte und die Darstellungsformen in der Kunst werden bildlich dargestellt. Bischof Voderholzer resümiert: „Die Vollendung der Domtürme war eine Meisterleistung von Architektur und Bauingenieurskunst. Mehr noch, sie war ein geistliches Ereignis – die Türme als ein Denkmal des Glaubens an Christus, den König der Könige.“

Die Domtürme als Wahrzeichen unserer Heimat

Dr. Maria Baumann, Leiterin der Kunstsammlungen des Bistum Regensburg und des Diözesanmuseums, erklärte anhand historischer Ereignisse die Geschichte des Bauprojektes der Vollendung der Doppelturmfassade und den Rundgang der Ausstellung „Zwei Türme für den König“ in St. Ulrich. Zwei historische Aspekte sind hervorzuheben: zum einen die wiederentdeckte Bedeutung der Gotik als „der deutsche Stil“, zum anderen die Wandlung der Stadt Regensburg mit ihrer imposanten Kathedrale zum nationalen Denkmal und Sinnbild mittelalterlicher Frömmigkeit, initiiert durch die Inthronisation Ludwigs I. von Bayern im Jahre 1825. Die Leiterin des Diözesanmuseums hebt hervor: „Man setzte sich schon früh mit dem Bauvorhaben der Domtürme auseinander, doch gab es immer wieder Schwierigkeiten, wie etwa das Fehlen geeigneter mittelalterlicher Aufrisse, oder auch die von Friedrich von Gärtner diagnostizierten instabilen Turmfundamente, die einen hohen Aufbau als unmöglich einstuften.“ Erst mit Bischof Senestrey und unter König Maximilian II. von Bayern gelang der erste Vorstoß. So konnte die Instabilität der Fundamente mit Hilfe eines Gutachtens von Architekt Michael Maurer widerlegt werden. Zudem lagen nun mehrere mögliche Baupläne für die Turmabschlüsse vor, die erstmals in dieser Ausstellung „Zwei Türme für den König“ gezeigt werden. Der Entwurf von Oberbaurat August von Voits, der einen einheitlichen Aufbau im hochgotischen Stil aufwies, fand Zustimmung. Am 14. Juli 1859 fiel schließlich der Startschuss für die Vollendung. Mit Hilfe finanzieller Unterstützung durch Ludwig I. von Bayern und zahlreiche Regensburger Bürger, die den Peterspfennig gaben, konnte das Turmbauprojekt vor genau 150 Jahren abgeschlossen werden.

Dr. Maria Baumann schließt mit den Worten: „Die Türme sind vollendet. Die Dombauhütte sorgt dafür, dass sie uns erhalten bleiben. Wir alle erheben unsere Blicke zu den Domtürmen, und aus welcher Himmelsrichtung wir nach Regensburg auch immer kommen, die Türme zeigen uns, wo wir zuhause sind.“

Symposium des Akademischen Forums zur Vollendung der Regensburger Domtürme

Das Akademische Forum Albertus Magnus, unter der Leitung von Prof. Dr. Sigmund Bonk, nimmt das Jubiläum der Regensburger Domtürme zum Anlass, am Samstag, 22. Juni, ein Symposium zu veranstalten. In den Blick genommen werden sollen die Idee und die bauliche Umsetzung der Domtürme, sowie die Geschichte des Turmbaus im Allgemeinen. Aber auch kulturhistorische und sozialgeschichtliche Themen werden aufgegriffen, wie etwa die Kulturpolitik der bayerischen Könige, die Rolle der Bischöfe und das bayerische Selbstbewusstsein der damaligen Bevölkerung.

Es sprechen Dr. Maria Baumann, Leiterin der Diözesanmuseen Regensburg, Prof. Dr. Bernhard Löffler, Ordinarius für Bayerische Landesgeschichte, Isolde Schmidt, Doktorandin zum Thema „Regensburger Domtürme“, sowie Domvikar Dr. Werner Schrüfer.

Wann: Samstag, 22. Juni, 16:00 – 19:30 Uhr

Wo: Andreasstadel, Mehrzwecksaal (4. Stock), Andreasstraße 28, 93059 Regensburg

Anmeldung bis 19.06.2019 unter: Akademisches Forum Albertus Magnus

akademischesforum@bistum-regensburg.de

Telefon: 0941/597-1612

Eintritt: 10,00 Euro

Weitere Informationen finden Sie auf der Homepage des Akademischen Forums.

Der Himmel auf Erden – Die Domtürme und ihre Geschichte

„Immer wieder unglaublich spannend“ findet Dr. Maria Baumann, Leiterin des Diözesanmuseums, den Dom und seine Geschichte. 250 Jahre lang haben Menschen „mit aller Begeisterung“ an der Kathedrale gebaut; viele von ihnen im Bewusstsein, die Fertigstellung selbst nicht miterleben zu können.

Heute sind die Türme des Domes das Wahrzeichen Regensburgs. Das war aber nicht immer so. Über mehrere Jahrhunderte hatten pyramidenartige Dachabschlüsse die Türme des Domes gekennzeichnet, sogenannte Notdächer. Erst 1859, mit der Wiederentdeckung der Gotik und durch die treibende Kraft Ludwigs I., war die Fertigstellung angegangen worden. Sie hatte zehn Jahre, bis 1869, gedauert. Zur Fertigstellung wurde ein großes Fest rund um den Dom gefeiert. Überall in der Stadt läuteten die Glocken. In allen Gottesdiensten im gesamten Bistum wurde das Te Deum lobpreisend angestimmt.

Am Wochenende des Regensburger Bürgerfestes, am 30. Juni, darf sich auf eine Neuauflage des Domfestes gefreut werden. „Wir wollen, dass die Regensburger mit uns feiern“, sagt Maria Baumann. Denn in diesem Jahr feiern die Domtürme ihr Jubiläum: vor 150 Jahren wurden sie fertiggestellt. Hoch über die Dächer der Stadt hinaus ragen sie in den Himmel. Sie sind Wahrzeichen, aber auch Wegmarken, die den Blick nach oben lenken.

 

 

Lesen Sie in unserer Zusammenstellung die eindrucksvolle Geschichte des Regensburger Doms nach.

Der Dom ist ein Ort der Begegnung

„Gigant des Mittelalters, gebauter Glaube, Meisterwerk der Gotik, steinernes Herz der Diözese“ und natürlich „Haus Gottes“ – all diese Bezeichnungen findet Hagen Horoba, Leiter des Infozentrums „Domplatz 5“, um die Bedeutung des Regensburger Doms auszudrücken.

Die Kathedrale sei ein Ort der Begegnung Gottes mit den Menschen sowie der Menschen untereinander. Unzählige Heiligenfiguren und Grabdenkmäler erinnern an all diejenigen, die im Glauben vorangegangen sind. Damit werde der Dom zu einem Ort, an dem Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft wie in einem Brennpunkt zusammenkommen. Über alle Menschen, die den Dom betreten, ob Beter oder Touristen, spanne er sein Gewölbe – „standfest und massiv“.

Das zentrale Zeichen des Doms ist das Kreuz, betonte Hagen Horoba, was an der Architektur, an der Fassade und im Inneren des Bauwerks erkannt werden kann. An der Westfassade, die beliebtes Fotomotiv ist, sind rund 250 figürliche Darstellungen angeordnet. Sie alle „kreisen“ um das Kreuz im Zentrum.

In luftiger Höhe – Medienvertreter besteigen die Domtürme

Anlässlich des Jubiläums der Domtürme haben zahlreiche Journalisten den Hohen Doms St. Peter in Regensburg bestiegen. Karl Stock, Leiter des Staatlichen Bauamts Regensburg, übernahm gemeinsam mit Dombauhüttenmeister Helmut Stuhlfelder die Führung in luftiger Höhe.
Der Dom von oben – einige Eindrücke:


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Jahr der Domtürme – Ausstellungseröffnung im Museum St. Ulrich ab 30. Mai 2019

Wie kein anderes Bauwerk, prägen die Domtürme die Stadtansicht von Regensburg, die erst Mitte des 19. Jahrhunderts fertiggestellt worden sind. Anlässlich des diesjährigen 150. Jubiläums beginnt ab Donnerstag, 30. Mai bis 29. September 2019, die Ausstellung „Zwei Türme für den König“ im Regensburger Diözesanmuseum St. Ulrich. Die Ausstellung befasst sich mit der Entwicklungsgeschichte der Domtürme, angefangen von der Idee, über die Planung, bis hin zur Ausführung des Bauprojektes. Auch die Restaurierung und Pflege des Monuments, die bis heute andauert, wird thematisiert. Historische Fotographien und zuvor nie gezeigte Baupläne, aber auch die Stelenausstellung gemeißelter und zeitgenössischer Kunstwerke, die an mehreren Standorten in der Altstadt aufgestellt sind, lassen die spannende Entstehungsgeschichte des Turmbauprojektes lebendig werden.

Die Ausstellungen zur Baugeschichte der Türme ab 30. Mai bilden die erste Auftaktveranstaltung im Jubiläumsjahr der Domtürme. Weitere Veranstaltungen und Events lesen Sie im Flyer „150 Jahre – Vollendung der Regensburger Domtürme“; erhältlich im Domplatz 5 und in der Touristeninformation.

„Turm ist nicht gleich Turm.“ – Prof. Sigmund Bonk über die Domtürme

2019 feiern wir das 150-jährige Jubiläum der Fertigstellung der Domtürme. Denn nicht immer zierte den Dom eine derart aufragende Fassade. Vor 1859 schlossen diese noch auf Höhe des dritten Geschosses mit niedrigen Pyramidendächern ab. Erst mit König Ludwig I. und Bischof Ignatius von Senestrey als Fürsprecher konnten die Türme fertigstellt werden, wodurch der Dom sein heutiges Aussehen erhielt.

Mit Prof. Dr. Sigmund Bonk, Leiter des Akademischen Forums Albertus Magnus, sprechen wir über die Geschichte der Domtürme, ihre Bedeutung und über seinen persönlichen Zugang zu ihnen.

Warum wurden die Türme erst vor 150 Jahren fertiggestellt?

Im 16. Jahrhundert wurden die Arbeiten am Dom, mangels Interesse und Finanzierung, eingestellt. Die unvollendeten Türme erhielten einfache Pyramidendächer. Der Bau wirkte durch seine niedrigen Turmabschlüsse zu massiv, tragend und schwer. Dieser Anblick war störend und zeigte bereits einem Laien, dass der Bau unvollendet war. Mit dem Wiederaufleben der Gotik und auf Betreiben König Ludwigs I. und Bischof Ignatius Senestreys änderte sich sein Erscheinungsbild jedoch.

Gab es konkrete mittelalterliche Vorbilder für die Gestaltung der Türme?

1828 fand man zwei mittelalterliche Planzeichnungen, die jedoch nicht verwertbar waren.
Man musste in der Gestaltung daher selbst kreativ werden.

Was macht den Regensburger Dom so besonders, gegenüber seinen „Verwandten“, dem Kölner Dom und dem Ulmer Münster?

Köln und Ulm sind baulich gesehen die eindrucksvolleren Kathedralen, allein ihrer Größe wegen. Doch in Regensburg vermitteln die Türme eine gewisse Leichtigkeit, geradezu etwas Schwebendes. In Regensburg erleben wir eine Faszination dafür, wie eine große Masse oder Fläche vor einem steht, die leicht wirkt.

Die Türme sind genau 105 Meter hoch. Warum?

Es wird vermutet, dass König Ludwig I., nach der Sichtung der Pläne, eine Verdoppelung der bereits bestehenden Turmbasen vorschwebte. Das Wort des Königs wirkte daher vermutlich richtungsweisend.

Die Türme sind mit zahlreichen Figuren geschmückt. Welche Bedeutung haben sie?

So wie in Rio de Janeiro Christus schützend die Arme über der Stadt ausgebreitet hat, so schützen auch hier die Statuen der Heiligen die Stadt Regensburg. Grundsätzlich ist Gott überall, sieht alles und kann sich daran erfreuen. Dieser Bau wurde zu Ehren Gottes errichtet. Ebenso sollen sich die Menschen daran erfreuen.

Die Türme ragen über der Stadt auf: Kennen Sie besondere Ansichten der Domtürme?

Wenn ich aus dem Urlaub zurückkomme, über die Autobahn in Richtung Regensburg auf der Augsburger Straße fahre und das Stadtpanorama mit dem Dom sehe, dann habe ich Heimatgefühle. Das ist meine Stadt. Das ist Regensburg. Ebenso schön ist der Blick von der Steinernen Brücke aus. Dreht man sich erst auf Höhe des Bruckmandl in Richtung Altstadt, dann wirkt der Dom durchaus imposant.

Welche Wirkung haben die Türme auf Sie?

Turm ist nicht gleich Turm. So vermitteln die Wehrtürme des Jakobstores oder des Ostentores ein Gefühl von Schutz und Sicherheit. Geschlechtertürme verweisen auf die Macht und Herrschaft damaliger Handelsfamilien. Wohingegen der Dom mit seiner aufragenden Doppelturmfassade eine transzendente Funktion hat. Die Türme ragen gen Himmel. Der Himmel ist ein Symbol für die Macht und Größe Gottes, für das Ewige.

Die Domtürme als Kunstwerk?

Das wirklich bedeutende Kunstwerk ist oft versehen mit einem religiösen Aspekt oder einem Aspekt der Transzendenz. Der religiöse Akt - man denke an die Liturgie - ist umgekehrt auch oft verbunden mit etwas, das im weitesten Sinne Kunst ist.
Insofern sind die Domtürme in ihrer gotischen und neugotischen Gestaltung mit den zahlreichen Heiligenfiguren auch ein gültiges Kunstwerk für unser 21. Jahrhundert, das in seiner aufragenden Gestaltung gen Himmel eindrucksvoll auf die Größe Gottes verweist.

Hirtenbrief des Bischofs von Regensburg zur Österlichen Bußzeit 2019

Liebe Kinder,
liebe jugendliche und erwachsene
Schwestern und Brüder im Herrn!

 

1. "Wer sieht sie als erster, die Türme des Domes?" - Mit diesem kleinen Wettbewerb unter den Geschwistern, so erzählte mir vor einiger Zeit eine pastorale Mitarbeiterin, erhöhte sich die gespannte Erwartung im Auto, je näher die Familie bei der Fahrt nach Regensburg ihrem Ziel kam. Ob von Norden oder Süden kommend, ob von Osten oder Westen: Bei gutem Wetter sieht man sie schon aus großer Entfernung am Horizont in den Himmel ragen, die beiden 105 Meter hohen Türme, die neben der Steinernen Brücke das Wahrzeichen der Stadt Regensburg und ihr weithin sichtbarer Mittelpunkt sind.

 

2. In diesem Jahr feiern wir das 150-jährige Jubiläum der Domturmvollendung: ein bedeutendes baugeschichtliches und vor allem auch geistliches Ereignis für das gesamte Bistum Regensburg. Denn die Türme waren nicht immer so hoch. Man kann es sich kaum mehr vorstellen, auf alten Bildern aber ist es festgehalten: Die längste Zeit seines Bestehens hatte der Regensburger Dom stumpfe Türme, die den Dachfirst des Mittelschiffes nur wenig überragten.

 

3. Es hatten die Mittel gefehlt, um nach Vollendung des Kirchenschiffes am Ausgang des Mittelalters auch die vorhandenen Pläne für die Türme noch zu verwirklichen. Die Glocken für das Geläut waren im zweiten Geschoss aufgehängt. So konnten die Türme ihren Hauptzweck erfüllen, nämlich den Schall der Glocken über die Dächer zu tragen, um ans Gebet zu erinnern und zum Gottesdienst einzuladen. Erst im 19. Jahrhundert waren der Wille und die Voraussetzungen für die Vollendung der Domtürme gegeben.

[Im 18. Jahrhundert war der mittelalterliche Baustil der Gotik wieder neu entdeckt worden. Die Neuordnung der Kirche in Deutschland nach den napoleonischen Kriegen und dem Wiener Kongress führte in Verbindung mit romantischer Mittelalterverehrung etwa ab der Mitte des 19. Jahrhunderts an vielen Orten zu einer begeisterten Vollendung gotischer Kirchen. Nicht nur in Regensburg wurden die Türme vollendet, sondern etwa zeitgleich auch in Ulm. In Köln wurde 1842 der Dombauverein gegründet, um den Dom, von dem erst ein kleiner Teil ausgeführt war, samt seinen Türmen zu vollenden.]

 

4. Für Regensburg erwies sich das Zusammenwirken des emeritierten Königs Ludwigs I. und des neuen Bischofs Ignatius von Senestrey als glücklicher Umstand. Während der emeritierte König, der erhebliche Mittel zur Verfügung stellte, auch sich selbst und dem Ideal des deutschen Nationalstaates ein Denkmal setzen wollte, stellte der Bischof einen anderen König in den Vordergrund: Jesus Christus. Die Türme sollten Christus zur Ehre gereichen und der Botschaft des Glaubens sichtbaren Ausdruck verschaffen. Alle Pfarreien des Bistums Regensburg waren mehrfach aufgerufen, durch Spenden beim Bau mitzuhelfen. Der erbetene Peterspfennig hat tatsächlich erheblich zum Baufortschritt beigetragen.

 

5. In zehnjähriger Bauzeit wurden in einer gewaltigen Kraftanstrengung die beiden Türme hochgezogen. Zum Domkirchweihfest am 30. Juni 1869, also vor 150 Jahren, wurden die beiden Krönungssteine gesegnet und damit der Abschluss der Turmvollendung gefeiert. Somit ist für Regensburg heuer ein Jubiläumsjahr, und das wollen wir feierlich begehen. Darüber hinaus nehmen wir das Jubiläum auch zum Anlass, für unseren Dom und alle unsere Kirchen zu danken und über den Sinn der Kirchtürme nachzudenken.

 

6. Die Erweiterung der Regensburger Domtürme besteht im Wesentlichen aus zwei Geschossen. Das erste Geschoss, das den schon vorhandenen Türmen jeweils hinzugefügt wurde, verjüngt den Turm zu einem Achteck, zu einem "Oktogon". Die Zahl acht ist die Zahl der Ewigkeit. Sieben plus Eins: Der "achte Tag" ist der Tag der Neuschöpfung, der Tag, der einmal keinen Abend mehr kennen wird, der Tag der Hoffnung auf Herrlichkeit. So zieren dieses Geschoss 22 Heiligenfiguren, die, von unten kaum sichtbar, doch von großer Bedeutung sind, zeigen die Heiligen doch durch ihr Leben nach dem Evangelium den Weg zu Gott und zur himmlischen Herrlichkeit.

[Die Bistumspatrone Wolfgang, Emmeram und Erhard sind ebenso vertreten wie Heinrich und Kunigunde, die Stifter des Kollegiatsstiftes von der Alten Kapelle; Antonius der Einsiedler und Theresa von Avila. Bischof Senestrey stiftete persönlich eine Figur seines Namenspatrons, des heiligen Ignatius von Loyola.]

Als Lichter, die uns das Licht Christi weiterschenken und den Weg zu einem gottgefälligen Leben weisen, sind sie gleichsam auf den Leuchter des Domes gestellt (vgl. Mt 5,15).

 

7. Auf diesem Oktogon, dem zum Achteck verjüngten Turmgeschoss, erheben sich die spitzen Turmhelme. Wie zwei Pfeile, wie zwei spitze Zeigefinger weisen sie den Blick in den Himmel, hinein in die Wirklichkeit Gottes. Bekrönt werden die beiden Türme durch jeweils eine in Stein gehauene Kreuzblume.

[Im Garten der Dombauhütte ist heute eine der beiden verwitterten und mittlerweile ersetzten Kreuzblumen aufgestellt, so dass man sich eine Vorstellung machen kann von ihrer Größe.]

Über fünf Meter hoch und fast drei Meter breit, krönen sie die Türme und richten ihre Botschaft aus: Durch sein Kreuz hat uns Christus erlöst. Sein Kreuz ist die Leiter zum Himmel, die Brücke ins ewige Leben. Aus dem Kreuz blüht das neue Leben. Oder, wie es die Lesung des heutigen Zweiten Fastensonntages sagt, worin uns Worte des Apostels Paulus aus dem Brief an die Gemeinde von Philippi als Trost zugerufen werden: "Unsere Heimat ist im Himmel. Von dorther erwarten wir auch Jesus Christus, den Herrn, als Retter" (Phil 3,20f.).

 

8. Die Türme des Regensburger Domes sind wie die vielen Türme der Kirchen überall in Europa Zeichen der christlichen Prägung des Abendlandes und Ausdruck des Glaubens an die erlösende Kraft des Kreuzes. Der Klang ihrer Glocken gibt dem Tag seine Struktur, macht Festzeiten hörbar und begleitet die einzelnen Lebensstationen von der Wiege bis zur Bahre. Ihre zum Himmel ragende Gestalt gibt den Dörfern und Städten unserer Heimat eine Mitte und verweist zugleich auf die Heimat im Himmel. So kann in der Bibel Gott selbst als Turm benannt werden: "Ein fester Turm ist der Name des HERRN, dorthin eilt der Gerechte und ist geborgen", heißt es im Buch der Sprichwörter (18,10).

 

9. In Regensburg selbst feiern wir das 150-jährige Jubiläum der Vollendung der Domtürme mit einer Ausstellung des Diözesanmuseums in der Kirche St. Ulrich gleich neben dem Dom. Sie wird am 29. Mai eröffnet und trägt den bewusst mehrdeutigen Titel "Zwei Türme für den König".

[In dieser Ausstellung wird unter anderem bislang unbekanntes Bildmaterial zum Bau der Türme gezeigt werden und deren Architektur und Theologie erschlossen. Darüber hinaus werden, damit korrespondierend, mehrere Orte in Regensburg und Umgebung, von denen aus man die Domtürme besonders schön sieht, herausgehoben und gestaltet; als Einladung gleichsam, seinen eigenen Blick auf die Türme zu schärfen.]

Sie sind herzlich eingeladen, privat oder mit der Pfarrei diese hochinteressante Ausstellung zu besuchen. Für Vereine und Verbände, aber auch zum Kommunionausflug oder zum Ausflug für die Firmlinge eignet sich diese Ausstellung.

 

10. Am Sonntag, den 30. Juni, dem Fest der Domkirchweih, wird nach dem Pontifikalamt um den Dom herum gefeiert; am 20. Juli gibt es ein festliches Konzert. Schließlich haben wir ein Erinnerungs- und Gebetsbildchen drucken lassen, das Sie alle entweder heute schon in Händen halten können oder bald ausgeteilt bekommen. Legen Sie es bitte in Ihr eigenes Gotteslob. Es will Sie an das Domturmjubiläum erinnern. Mit dem darauf abgedruckten Gebet möchte ich schließen:

 

11. Gott Vater, in einer Welt voll Unsicherheiten bist du das Fundament, auf dem wir sicher stehen können. Dein Wort schenkt uns Halt in unserem Leben.

Gott Sohn, du bist Mensch geworden, einer von uns. Dein Leben, dein Sterben und dein Auferstehen geben uns Hoffnung in allen Lebenslagen.

Gott Heiliger Geist, deine Kraft macht uns stark, deine Weisheit gibt uns Einsicht, deine Erkenntnis lässt uns unterscheiden.

Auf die Fürsprache der Patrone unseres Domes, der heiligen Gottesmutter Maria und des heiligen Petrus, vertrauen wir und bitten: Lass unseren Dom ein Ort sein, in dem Menschen Zuversicht, Orientierung und Lebensmut finden können. Hilf uns, der Kirche von Regensburg, Zeugen deiner Liebe in dieser Welt zu sein und den Glauben an dich in die Zukunft zu tragen.

 

Amen.

 

Dazu segne Euch der dreifaltige Gott, der + Vater und der + Sohn und der Heilige + Geist.

Regensburg am Aschermittwoch, 06. März im Jahr des Herrn 2019.


+ Rudolf
Bischof von Regensburg

Gebet zum Jubiläum

Foto: Domkapitel Regensburg/Florian Monheim

Gott Vater,

in einer Welt voll Unsicherheiten bist du das
Fundament, auf dem wir sicher stehen können.
Dein Wort schenkt uns Halt in unserem Leben.

 

Gott Sohn,
du bist Mensch geworden, einer von uns.
Dein Leben, dein Sterben und dein Auferstehen
geben uns Hoffnung in allen Lebenslagen.

 

Gott Heiliger Geist,
deine Kraft macht uns stark,
deine Weisheit gibt uns Einsicht,
deine Erkenntnis lässt uns unterscheiden.
Auf die Fürsprache der Patrone unseres
Domes, der heiligen Gottesmutter Maria und
des hl. Petrus, vertrauen wir und bitten dich:
Lass unseren Dom ein Ort sein, in dem
Menschen Zuversicht, Orientierung und
Lebensmut finden können.
Hilf uns, der Kirche von Regensburg, Zeugen
deiner Liebe in dieser Welt zu sein und den
Glauben an dich in die Zukunft zu tragen.

Amen.

 

Text: Hagen Horoba

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