Panorama über Regensburg inklusive der Domtürme
Foto: Domkapitel Regensburg/Florian Monheim

150 Jahre Domtürme

Im Jahr 2019 wird das 150-jährige Jubiläum der Domturmvollendung gefeiert: ein bedeutendes baugeschichtliches und vor allem auch geistliches Ereignis für das gesamte Bistum Regensburg.

Hoch wie der Himmel – so sollte von 1275 an der
neue Dom in Regensburg gebaut werden. Diese
Vision fand jedoch ein vorläufiges Ende, als
etwa um 1520 die Geldmittel ausgingen und die
Türme nicht fertig gebaut werden konnten.

Himmelwärts – so wollten die bayerischen
Könige Ludwig I. und Maximilian II. den Regensburger
Dom in der Mitte des 19. Jahrhunderts
ausbauen. Er sollte ein Nationaldenkmal sein und
ein Zeichen ihres Königtums von Gottes Gnaden.

„Hoch zum Himmel emporgerichtet, mit einem
Kranze von Heiligen umgeben“ –
mit diesem
Ziel begann Bischof Ignatius von Senestrey den
Turmausbau im Jahr 1859. Mit der „Opferbereitschaft
des ganzen Bisthums“ wollte er dem
Dom die „Ehre und Zier seiner Thürme“ geben.
Weithin sichtbar in den Himmel weisen heute
noch die Türme unseres Domes. Auch wenn
viele Steine schon wieder ausgetauscht wurden:
Die Türme sind zu einem Wahrzeichen der
Stadt und des Bistums geworden.

Was sehen wir in den Türmen unseres Domes? Was oder wer sind „Türme“ in unserem Leben, die uns Halt und Orientierung geben? Wo erfahren wir Sicherheit, die uns über uns hinauswachsen lässt? Was ragt über unseren Alltag hinaus?

Mehr Details :

„Turm ist nicht gleich Turm.“ – Prof. Sigmund Bonk über die Domtürme

2019 feiern wir das 150-jährige Jubiläum der Fertigstellung der Domtürme. Denn nicht immer zierte den Dom eine derart aufragende Fassade. Vor 1859 schlossen diese noch auf Höhe des dritten Geschosses mit niedrigen Pyramidendächern ab. Erst mit König Ludwig I. und Bischof Ignatius von Senestrey als Fürsprecher konnten die Türme fertigstellt werden, wodurch der Dom sein heutiges Aussehen erhielt.

Mit Prof. Dr. Sigmund Bonk, Leiter des Akademischen Forums Albertus Magnus, sprechen wir über die Geschichte der Domtürme, ihre Bedeutung und über seinen persönlichen Zugang zu ihnen.

Warum wurden die Türme erst vor 150 Jahren fertiggestellt?

Im 16. Jahrhundert wurden die Arbeiten am Dom, mangels Interesse und Finanzierung, eingestellt. Die unvollendeten Türme erhielten einfache Pyramidendächer. Der Bau wirkte durch seine niedrigen Turmabschlüsse zu massiv, tragend und schwer. Dieser Anblick war störend und zeigte bereits einem Laien, dass der Bau unvollendet war. Mit dem Wiederaufleben der Gotik und auf Betreiben König Ludwigs I. und Bischof Ignatius Senestreys änderte sich sein Erscheinungsbild jedoch.

Gab es konkrete mittelalterliche Vorbilder für die Gestaltung der Türme?

1828 fand man zwei mittelalterliche Planzeichnungen, die jedoch nicht verwertbar waren.
Man musste in der Gestaltung daher selbst kreativ werden.

Was macht den Regensburger Dom so besonders, gegenüber seinen „Verwandten“, dem Kölner Dom und dem Ulmer Münster?

Köln und Ulm sind baulich gesehen die eindrucksvolleren Kathedralen, allein ihrer Größe wegen. Doch in Regensburg vermitteln die Türme eine gewisse Leichtigkeit, geradezu etwas Schwebendes. In Regensburg erleben wir eine Faszination dafür, wie eine große Masse oder Fläche vor einem steht, die leicht wirkt.

Die Türme sind genau 105 Meter hoch. Warum?

Es wird vermutet, dass König Ludwig I., nach der Sichtung der Pläne, eine Verdoppelung der bereits bestehenden Turmbasen vorschwebte. Das Wort des Königs wirkte daher vermutlich richtungsweisend.

Die Türme sind mit zahlreichen Figuren geschmückt. Welche Bedeutung haben sie?

So wie in Rio de Janeiro Christus schützend die Arme über der Stadt ausgebreitet hat, so schützen auch hier die Statuen der Heiligen die Stadt Regensburg. Grundsätzlich ist Gott überall, sieht alles und kann sich daran erfreuen. Dieser Bau wurde zu Ehren Gottes errichtet. Ebenso sollen sich die Menschen daran erfreuen.

Die Türme ragen über der Stadt auf: Kennen Sie besondere Ansichten der Domtürme?

Wenn ich aus dem Urlaub zurückkomme, über die Autobahn in Richtung Regensburg auf der Augsburger Straße fahre und das Stadtpanorama mit dem Dom sehe, dann habe ich Heimatgefühle. Das ist meine Stadt. Das ist Regensburg. Ebenso schön ist der Blick von der Steinernen Brücke aus. Dreht man sich erst auf Höhe des Bruckmandl in Richtung Altstadt, dann wirkt der Dom durchaus imposant.

Welche Wirkung haben die Türme auf Sie?

Turm ist nicht gleich Turm. So vermitteln die Wehrtürme des Jakobstores oder des Ostentores ein Gefühl von Schutz und Sicherheit. Geschlechtertürme verweisen auf die Macht und Herrschaft damaliger Handelsfamilien. Wohingegen der Dom mit seiner aufragenden Doppelturmfassade eine transzendente Funktion hat. Die Türme ragen gen Himmel. Der Himmel ist ein Symbol für die Macht und Größe Gottes, für das Ewige.

Die Domtürme als Kunstwerk?

Das wirklich bedeutende Kunstwerk ist oft versehen mit einem religiösen Aspekt oder einem Aspekt der Transzendenz. Der religiöse Akt - man denke an die Liturgie - ist umgekehrt auch oft verbunden mit etwas, das im weitesten Sinne Kunst ist.
Insofern sind die Domtürme in ihrer gotischen und neugotischen Gestaltung mit den zahlreichen Heiligenfiguren auch ein gültiges Kunstwerk für unser 21. Jahrhundert, das in seiner aufragenden Gestaltung gen Himmel eindrucksvoll auf die Größe Gottes verweist.

Hirtenbrief des Bischofs von Regensburg zur Österlichen Bußzeit 2019

Liebe Kinder,
liebe jugendliche und erwachsene
Schwestern und Brüder im Herrn!

 

1. "Wer sieht sie als erster, die Türme des Domes?" - Mit diesem kleinen Wettbewerb unter den Geschwistern, so erzählte mir vor einiger Zeit eine pastorale Mitarbeiterin, erhöhte sich die gespannte Erwartung im Auto, je näher die Familie bei der Fahrt nach Regensburg ihrem Ziel kam. Ob von Norden oder Süden kommend, ob von Osten oder Westen: Bei gutem Wetter sieht man sie schon aus großer Entfernung am Horizont in den Himmel ragen, die beiden 105 Meter hohen Türme, die neben der Steinernen Brücke das Wahrzeichen der Stadt Regensburg und ihr weithin sichtbarer Mittelpunkt sind.

 

2. In diesem Jahr feiern wir das 150-jährige Jubiläum der Domturmvollendung: ein bedeutendes baugeschichtliches und vor allem auch geistliches Ereignis für das gesamte Bistum Regensburg. Denn die Türme waren nicht immer so hoch. Man kann es sich kaum mehr vorstellen, auf alten Bildern aber ist es festgehalten: Die längste Zeit seines Bestehens hatte der Regensburger Dom stumpfe Türme, die den Dachfirst des Mittelschiffes nur wenig überragten.

 

3. Es hatten die Mittel gefehlt, um nach Vollendung des Kirchenschiffes am Ausgang des Mittelalters auch die vorhandenen Pläne für die Türme noch zu verwirklichen. Die Glocken für das Geläut waren im zweiten Geschoss aufgehängt. So konnten die Türme ihren Hauptzweck erfüllen, nämlich den Schall der Glocken über die Dächer zu tragen, um ans Gebet zu erinnern und zum Gottesdienst einzuladen. Erst im 19. Jahrhundert waren der Wille und die Voraussetzungen für die Vollendung der Domtürme gegeben.

[Im 18. Jahrhundert war der mittelalterliche Baustil der Gotik wieder neu entdeckt worden. Die Neuordnung der Kirche in Deutschland nach den napoleonischen Kriegen und dem Wiener Kongress führte in Verbindung mit romantischer Mittelalterverehrung etwa ab der Mitte des 19. Jahrhunderts an vielen Orten zu einer begeisterten Vollendung gotischer Kirchen. Nicht nur in Regensburg wurden die Türme vollendet, sondern etwa zeitgleich auch in Ulm. In Köln wurde 1842 der Dombauverein gegründet, um den Dom, von dem erst ein kleiner Teil ausgeführt war, samt seinen Türmen zu vollenden.]

 

4. Für Regensburg erwies sich das Zusammenwirken des emeritierten Königs Ludwigs I. und des neuen Bischofs Ignatius von Senestrey als glücklicher Umstand. Während der emeritierte König, der erhebliche Mittel zur Verfügung stellte, auch sich selbst und dem Ideal des deutschen Nationalstaates ein Denkmal setzen wollte, stellte der Bischof einen anderen König in den Vordergrund: Jesus Christus. Die Türme sollten Christus zur Ehre gereichen und der Botschaft des Glaubens sichtbaren Ausdruck verschaffen. Alle Pfarreien des Bistums Regensburg waren mehrfach aufgerufen, durch Spenden beim Bau mitzuhelfen. Der erbetene Peterspfennig hat tatsächlich erheblich zum Baufortschritt beigetragen.

 

5. In zehnjähriger Bauzeit wurden in einer gewaltigen Kraftanstrengung die beiden Türme hochgezogen. Zum Domkirchweihfest am 30. Juni 1869, also vor 150 Jahren, wurden die beiden Krönungssteine gesegnet und damit der Abschluss der Turmvollendung gefeiert. Somit ist für Regensburg heuer ein Jubiläumsjahr, und das wollen wir feierlich begehen. Darüber hinaus nehmen wir das Jubiläum auch zum Anlass, für unseren Dom und alle unsere Kirchen zu danken und über den Sinn der Kirchtürme nachzudenken.

 

6. Die Erweiterung der Regensburger Domtürme besteht im Wesentlichen aus zwei Geschossen. Das erste Geschoss, das den schon vorhandenen Türmen jeweils hinzugefügt wurde, verjüngt den Turm zu einem Achteck, zu einem "Oktogon". Die Zahl acht ist die Zahl der Ewigkeit. Sieben plus Eins: Der "achte Tag" ist der Tag der Neuschöpfung, der Tag, der einmal keinen Abend mehr kennen wird, der Tag der Hoffnung auf Herrlichkeit. So zieren dieses Geschoss 22 Heiligenfiguren, die, von unten kaum sichtbar, doch von großer Bedeutung sind, zeigen die Heiligen doch durch ihr Leben nach dem Evangelium den Weg zu Gott und zur himmlischen Herrlichkeit.

[Die Bistumspatrone Wolfgang, Emmeram und Erhard sind ebenso vertreten wie Heinrich und Kunigunde, die Stifter des Kollegiatsstiftes von der Alten Kapelle; Antonius der Einsiedler und Theresa von Avila. Bischof Senestrey stiftete persönlich eine Figur seines Namenspatrons, des heiligen Ignatius von Loyola.]

Als Lichter, die uns das Licht Christi weiterschenken und den Weg zu einem gottgefälligen Leben weisen, sind sie gleichsam auf den Leuchter des Domes gestellt (vgl. Mt 5,15).

 

7. Auf diesem Oktogon, dem zum Achteck verjüngten Turmgeschoss, erheben sich die spitzen Turmhelme. Wie zwei Pfeile, wie zwei spitze Zeigefinger weisen sie den Blick in den Himmel, hinein in die Wirklichkeit Gottes. Bekrönt werden die beiden Türme durch jeweils eine in Stein gehauene Kreuzblume.

[Im Garten der Dombauhütte ist heute eine der beiden verwitterten und mittlerweile ersetzten Kreuzblumen aufgestellt, so dass man sich eine Vorstellung machen kann von ihrer Größe.]

Über fünf Meter hoch und fast drei Meter breit, krönen sie die Türme und richten ihre Botschaft aus: Durch sein Kreuz hat uns Christus erlöst. Sein Kreuz ist die Leiter zum Himmel, die Brücke ins ewige Leben. Aus dem Kreuz blüht das neue Leben. Oder, wie es die Lesung des heutigen Zweiten Fastensonntages sagt, worin uns Worte des Apostels Paulus aus dem Brief an die Gemeinde von Philippi als Trost zugerufen werden: "Unsere Heimat ist im Himmel. Von dorther erwarten wir auch Jesus Christus, den Herrn, als Retter" (Phil 3,20f.).

 

8. Die Türme des Regensburger Domes sind wie die vielen Türme der Kirchen überall in Europa Zeichen der christlichen Prägung des Abendlandes und Ausdruck des Glaubens an die erlösende Kraft des Kreuzes. Der Klang ihrer Glocken gibt dem Tag seine Struktur, macht Festzeiten hörbar und begleitet die einzelnen Lebensstationen von der Wiege bis zur Bahre. Ihre zum Himmel ragende Gestalt gibt den Dörfern und Städten unserer Heimat eine Mitte und verweist zugleich auf die Heimat im Himmel. So kann in der Bibel Gott selbst als Turm benannt werden: "Ein fester Turm ist der Name des HERRN, dorthin eilt der Gerechte und ist geborgen", heißt es im Buch der Sprichwörter (18,10).

 

9. In Regensburg selbst feiern wir das 150-jährige Jubiläum der Vollendung der Domtürme mit einer Ausstellung des Diözesanmuseums in der Kirche St. Ulrich gleich neben dem Dom. Sie wird am 29. Mai eröffnet und trägt den bewusst mehrdeutigen Titel "Zwei Türme für den König".

[In dieser Ausstellung wird unter anderem bislang unbekanntes Bildmaterial zum Bau der Türme gezeigt werden und deren Architektur und Theologie erschlossen. Darüber hinaus werden, damit korrespondierend, mehrere Orte in Regensburg und Umgebung, von denen aus man die Domtürme besonders schön sieht, herausgehoben und gestaltet; als Einladung gleichsam, seinen eigenen Blick auf die Türme zu schärfen.]

Sie sind herzlich eingeladen, privat oder mit der Pfarrei diese hochinteressante Ausstellung zu besuchen. Für Vereine und Verbände, aber auch zum Kommunionausflug oder zum Ausflug für die Firmlinge eignet sich diese Ausstellung.

 

10. Am Sonntag, den 30. Juni, dem Fest der Domkirchweih, wird nach dem Pontifikalamt um den Dom herum gefeiert; am 20. Juli gibt es ein festliches Konzert. Schließlich haben wir ein Erinnerungs- und Gebetsbildchen drucken lassen, das Sie alle entweder heute schon in Händen halten können oder bald ausgeteilt bekommen. Legen Sie es bitte in Ihr eigenes Gotteslob. Es will Sie an das Domturmjubiläum erinnern. Mit dem darauf abgedruckten Gebet möchte ich schließen:

 

11. Gott Vater, in einer Welt voll Unsicherheiten bist du das Fundament, auf dem wir sicher stehen können. Dein Wort schenkt uns Halt in unserem Leben.

Gott Sohn, du bist Mensch geworden, einer von uns. Dein Leben, dein Sterben und dein Auferstehen geben uns Hoffnung in allen Lebenslagen.

Gott Heiliger Geist, deine Kraft macht uns stark, deine Weisheit gibt uns Einsicht, deine Erkenntnis lässt uns unterscheiden.

Auf die Fürsprache der Patrone unseres Domes, der heiligen Gottesmutter Maria und des heiligen Petrus, vertrauen wir und bitten: Lass unseren Dom ein Ort sein, in dem Menschen Zuversicht, Orientierung und Lebensmut finden können. Hilf uns, der Kirche von Regensburg, Zeugen deiner Liebe in dieser Welt zu sein und den Glauben an dich in die Zukunft zu tragen.

 

Amen.

 

Dazu segne Euch der dreifaltige Gott, der + Vater und der + Sohn und der Heilige + Geist.

Regensburg am Aschermittwoch, 06. März im Jahr des Herrn 2019.


+ Rudolf
Bischof von Regensburg

Gebet zum Jubiläum

Foto: Domkapitel Regensburg/Florian Monheim

Gott Vater,

in einer Welt voll Unsicherheiten bist du das
Fundament, auf dem wir sicher stehen können.
Dein Wort schenkt uns Halt in unserem Leben.

 

Gott Sohn,
du bist Mensch geworden, einer von uns.
Dein Leben, dein Sterben und dein Auferstehen
geben uns Hoffnung in allen Lebenslagen.

 

Gott Heiliger Geist,
deine Kraft macht uns stark,
deine Weisheit gibt uns Einsicht,
deine Erkenntnis lässt uns unterscheiden.
Auf die Fürsprache der Patrone unseres
Domes, der heiligen Gottesmutter Maria und
des hl. Petrus, vertrauen wir und bitten dich:
Lass unseren Dom ein Ort sein, in dem
Menschen Zuversicht, Orientierung und
Lebensmut finden können.
Hilf uns, der Kirche von Regensburg, Zeugen
deiner Liebe in dieser Welt zu sein und den
Glauben an dich in die Zukunft zu tragen.

Amen.

 

Text: Hagen Horoba

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