„An der Seite der Armen“ – Bischof Gerhard Ludwig und Gustavo Gutiérrez stellen gemeinsames Buch vor

27.10.2004
Bischof Gerhard Ludwig und der südamerikanische Theologe Gustavo Gutiérrez

(pdr) Bischof Gerhard Ludwig und der südamerikanische Theologe Prof. Dr. Gustavo Gutiérrez haben am Mittwoch Vormittag ihr gemeinsames Buch „An der Seite der Armen. Theologie der Befreiung“ vorgestellt. In der Regensburger Kirche St. Ulrich riefen sie vor 100 geladenen Gästen und Pressevertretern zum Kampf gegen die Ungerechtigkeit auf. „Die Theologie der Befreiung betrifft nicht nur ferne Kontinente, sie hat auch mit uns zu tun“, so Bischof Gerhard Ludwig. „Das Zeitalter der Globalisierung führt zu gesellschaftlichen Veränderungen, die wir auch in unserem Bistum spüren können“. Gerade in den Regionen entlang der tschechischen Grenze seien mehr Menschen arbeitslos als im Durchschnitt Bayerns. „Was können wir als Kirche beitragen, dass die Menschen nicht auf der Strecke bleiben? Wir dürfen als Christen nicht tatenlos zusehen, wenn immer mehr Arbeitnehmer auf die Verliererseite der Gesellschaft gedrängt werden. Es gilt, die Verantwortlichkeit des Kapitals herauszustellen“.

Bischof Gerhard Ludwig dankte Gustavo Gutiérrez, dass er den weiten Weg über den Atlantik gekommen sei. Seit vielen Jahren verbindet die beiden Theologen eine persönliche Freundschaft. Gutiérrez, der in einer peruanischen Slum-Pfarrei als Seelsorger aktiv ist, war Anfang der Siebziger Jahre mit seinem Buch „Teologia de la Liberacion“ weltweit bekannt geworden. „Gustavo gibt den Armen eine Stimme in der Welt“, so der Regensburger Bischof. In seinen Ausführungen erläuterte Gutiérrez die Befreiungstheologie. „Theologie ist allgemein eine Art, über Gott zu sprechen. Dabei ist stets die gegenwärtige Situation der Menschen von Bedeutung. Wie sollten wir den armen Menschen sagen, dass Gott sie liebt? Auf diese Frage versucht die Befreiungstheologie, eine Antwort zu finden.“ Dabei dürfe Armut nicht nur unter wirtschaftlichem Aspekt verstanden werden. „Arme stehen am Rande der Gesellschaft, Armut ist gegen den Willen Gottes. Wir Christen sind aufgefordert, als Zeugen der Auferstehung, als Zeugen der Gerechtigkeit Gottes geeignete Wege der Verkündigung zu finden.“

Eine „Option für die Armen“ sei daher für alle Christen wichtig. Auf seine Weise könne einjeder dazu beitragen, dass Hoffnung und Freude als wichtiger Bestandteil menschlichen Lebens verbreitet würden. „Jeder von uns muss schauen, wie er sich an die Seite der Armen stellt“.

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