Andreas: Predigt vom Kreuz herab

27.11.2018
Mattia Preti: Altarbild, 1650/1651, in der Kirche Sant'Andrea della Valle in Rom

Mit diesem Andreas fängt eigentlich alles an. Er ist der Erste. Der Anfang dieser Bewegung um Jesus herum. Das Johannesevangelium berichtet, Andreas sei ein Jünger des Johannes gewesen. Er ist dabei, als Johannes und Jesus sich begegnen und versteht sofort, dass dieser Jesus kein gewöhnlicher Mann sein kann. "Was sucht ihr?", fragt Jesus Andreas und einen weiteren Jünger des Johannes. Sie begleiten ihn in sein Zuhause, bleiben bei ihm. Und dann macht sich Andreas auf den Weg, sucht seinen Bruder Simon, den man später den "Petrus" nennen wird. Begeistert erzählt er ihm von seiner Begegnung und bringt alles auf den Punkt: "Wir haben den Messias gefunden." Schon nach einem Tag hat er begriffen, worum es geht.

 

Der Erstberufene hat keinen besonderen Platz unter den Aposteln

Die synoptischen Evangelien erzählen diese Berufungsgeschichte deutlich anders. Petrus und Andreas treffen da gemeinsam auf Jesus, es ist keine Rede davon, dass die beiden oder auch nur einer von ihnen Jünger des Johannes gewesen sei. Aber auch dort gehört Andreas zu den ersten, die Jesus nachfolgen. Im Lauf der Zeit hält sich diese Spitzenposition aber erstaunlicherweise nicht durch. Andreas spielt keine besondere Rolle unter den Aposteln. Der Anführer wird Petrus. Jesus etabliert eine Dreiergruppe aus Petrus, Johannes und Jakobus, die ganz besondere Augenblicke mit ihm teilen dürfen, wie etwa die Verklärung auf dem Berg Tabor - auch zu dieser Gruppe gehört Andreas nicht.

 

Mission in der ganzen östlichen Welt

Aber der Fischer vom See Genezareth ist ein treuer Nachfolger seines Herrn. Nach Auferstehung und Himmelfahrt Jesu soll Andreas als Missionar unterwegs gewesen sein: In Kleinasien und Griechenland, Armenien und Georgien soll er das Evangelium verkündet haben. Treu blieb er seinem Herrn bis in den Tod: In Achaia bekehrte Andreas viele Menschen zum Christentum - unter ihnen soll auch die Frau des Prokonsuls Ägeas gewesen sein. Dieser zwang Andreas dazu, den Göttern zu opfern und damit ihre Existenz anzuerkennen. Andreas weigerte sich. Der Prokonsul verurteilte den Apostel zum Tod am Kreuz. Als Andreas zum Platz der Hinrichtung geführt wurde, erblickte er das Kreuz. Es soll x-förmig gewesen sein, daher haben die "Andreaskreuze" vor Bahnübergängen bis heute ihren Namen.

 

Predigt bis zum Tod

Andreas reagierte nicht mit Angst oder Schrecken auf das Folterinstrument, sondern vielmehr mit Freude. "Sei mir willkommen, Kreuz! Du, geweiht vom Leib Christi und geziert von seinen Gliedern wie von Perlen", soll er gesagt haben. Andreas wurde an das Kreuz gebunden und überlebte zwei Tage lang. Während seines Martyriums soll er unablässig weiter das Evangelium verkündet haben, bis zum letzten Atemzug.

 

Heiliger der Ökumene

Andreas wird besonders in der orthodoxen Kirche stark verehrt. Der Tradition nach soll er der erste Patriarch von Konstantinopel gewesen sein und spielt für die Orthodoxen eine ähnliche Rolle wie der heilige Petrus für die römisch-katholische Kirche. Seine Reliquien haben eine wahre Odyssee hinter sich: Der Leichnam des Heiligen ruhte zunächst in Patras, dem Ort seines Martyriums. Später wurde er nach Konstantinopel gebracht. Von dort kamen die Reliquien 1203 in die süditalienische Stadt Amalfi. Ein Teil des Kopfes wiederum kam von dort nach Rom - und ermöglichte mehrere Jahrhunderte später ein imposantes Zeichen der ökumenischen Versöhnung. Während des Zweiten Vatikanischen Konzils beschloss Papst Paul VI., diese Kopfreliquie an den die orthodoxe Kirche von Patras zurückzugeben. 2007 dann gaben die Christen aus Amalfi einen Teil der Reliquien an die Kirche von Konstantinopel zurück. So konnte der heilige Apostel 1900 Jahre nach seinem Tod noch segensreich wirken.

Die Kirche feiert den heiligen Apostel Andreas am 30. November.

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