Aschermittwoch: Wieso sich mit dem Tod beschäftigen?

14.02.2018
Gehört zum Aschermittwoch einfach dazu: Das Auftragen des Aschekreuzes auf die Stirn - die eigene Endlichkeit im Blick.

Mit dem Aschermittwoch beginnt die Fastenzeit. Dabei geht es auch um die Begrenztheit des Lebens. Wieso sollte man sich Gedanken über den eigenen Tod antun?

Wer am Aschermittwoch einen katholischen Gottesdienst besucht, sollte sich auf etwas gefasst machen. Christen beginnen die 40-tägige Fastenzeit, indem sie sich ein Kreuz aus Asche auf die Stirn zeichnen lassen. Der Priester spricht während dieses Ritus: „Bedenke Mensch, dass du Staub bist und wieder zum Staub zurückkehrst.“ Mit anderen Worten: Vergiss nicht, dass du sterben musst. Irgendwann ist es vorbei auf dieser Erde. Noch jeder Mensch musste sterben. Ewiges Leben mag ein schöner Gedanke sein, doch jedem muss klar sein: Selbst nach neunzig oder hundert Jahren ist es vorbei.

Was soll das? Das muntert nicht auf. Das erbaut nicht. Im Gegenteil: Es stößt vor den Kopf. Denn warum sollten wir uns mit dem Tod beschäftigen? Da er doch eine unausweichliche Tatsache ist, wird es wohl nicht besser, wenn man sich immer vor Augen hält, dass eines Tages auch unser Weg enden wird. Noch dazu: Es ist ja noch lange hin, bis wir sterben müssen. Gerade junge Menschen wissen, dass noch wenigstens sechzig oder siebzig Jahre vor ihnen liegen. Grund genug, das Leben zu genießen.

 

Der Tod kommt schnell

Aber manchmal geht es schneller. Immer wieder sterben Menschen nicht im hohen Alter und nach langer Krankheit, die den bevorstehenden Tod schon erahnen ließ. Immer wieder sterben Menschen, die noch jung sind, immer wieder verlieren kleine Kinder ihre Eltern, immer wieder liest man, ein Mensch sei „viel zu früh“ gegangen. Autounfälle, Schlaganfälle, auch Selbstmorde. Sie beenden ein Leben und verändern das der Angehörigen von Grund auf. Denn plötzlich merkt man, dass der Tod nicht nur ein fernes Ereignis ist, sondern tagtäglich, in jeder Sekunde in das Leben treten kann.

 

Das Leben ist begrenzt

Wer sich die Frage nach dem Sinn des Lebens stellt, kann und darf den Tod nicht ignorieren. Und diese Frage stellt doch jeder einmal. Warum gibt es Leben auf der Welt? Warum sind wir und wieso sind wir nicht vielmehr nicht? Wer bin ich, wohin bin ich unterwegs? Was ist ein gutes und erstrebenswertes Leben?

Das Ewige Leben vor Augen: Die Heiligen Leiber in der Basilika von Waldsassen sind kunstvoll verzierte Ganzkörpereliquien - und weisen uns hin auf „die Herrlichkeit, die an uns offenbar werden soll“ (Röm 8,18).

All diese Fragen beschäftigen sich eigentlich nicht mit dem Tod, sondern mit seinem Gegenteil, dem Leben. Aber dieses Leben ist begrenzt. Auch wenn hundert Jahre eine ziemlich lange Zeitspanne sind, sind dem Leben doch Grenzen gesetzt. Es kann nicht ewig so weitergehen. Und diese Tatsache verändert unser Leben. Es gibt den Tagen, die wir haben, einen Wert. Denn diese Tage lassen sich nicht unendlich wiederholen.

 

Der Tod: Eine große Chance

Wer sich schon einmal über eine verpasste Chance geärgert hat, weiß das. Diese Chance wird so nicht wiederkommen, sie ist passé. Das alles kann in die Verzweiflung führen. Welchen Sinn hat es dann überhaupt zu leben? Zu schuften, Stück für Stück ein gutes und gelingendes Leben aufbauen, wenn das alles irgendwann wie ein Kartenhaus zusammenfällt?

Aber es kann auch Ansporn sein. Denn es ermutigt, das Leben in die Hand zu nehmen. Wenn mir nicht unendlich viel Zeit bleibt, muss ich die Zeit nutzen, die ich habe – gut nutzen. Die antike Philosophie beschrieb das mit dem Satz „carpe diem“. Genieße den Tag. Damit ist nicht gemeint, das Leben rücksichtslos und faul nur zu genießen. Es bedeutet, das Leben sinnvoll zu machen, es gut zu nutzen.

 

Trost in der Verzweiflung: Ostern

Das ist der Punkt, weshalb sich Christen am Aschermittwoch Asche auf den Kopf streuen. Nur im Angesicht des Todes hat die Fastenzeit einen Sinn. Nur wenn dieses Leben begrenzt ist, haben wir einen Grund dafür, das Leben hier und heute sinnvoll zu gestalten – andernfalls könnten wir getrost alles auf morgen verschieben. Aber es gibt den Tod, er ist eine Tatsache, die man nicht wegdiskutieren man. Man sollte zwar nicht in depressive Lethargie versinken, aber sich doch bewusst sein, dass es irgendwann einmal – in siebzig Jahren oder morgen – ein Ende geben wird. Die Fastenzeit ist eine gute Gelegenheit, sich das einmal wieder bewusst zu machen. Und das Christentum hat auch ein gutes Rezept gegen die Verzweiflung. Denn die Fastenzeit endet letztlich mit Ostern, es ist eine lange Vorbereitung auf dieses Fest. An Ostern feiern Christen die Auferstehung Jesu und damit ein Leben, das gerade nicht mehr endet. Insofern: Gar nicht mehr so schlimm, dass dieses Leben auf der Erde irgendwann aufhört.

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