Auf dem Kalvarienberg von Regensburg – Bischof betet mit den Gläubigen den Kreuzweg

15.04.2019

Steil zieht sich der Pfad vom Regensburger Steinweg hinauf zur Dreifaltigkeitskirche. 14 Stationen säumen den Kreuzweg, der den Leidensweg Jesu Christi in eindrucksvollen Bildern beschreibt: Beginnend mit seiner Kreuzigung bis hin zur Auferstehung. Am Abend des Palmsonntags betete Bischof Dr. Rudolf Voderholzer mit den Gläubigen traditionell den Kreuzweg und sprach zu den zahlreichen Frauen, Männern, Jugendlichen und Kindern, die sich vor dem Gotteshaus versammelt hatten. Den "Balkon von Regensburg" nennen die Einheimischen liebevoll das Plateau über der Domstadt, von dem man eine herrliche Aussicht auf die historische Altstadt mit ihrer Kathedrale St. Peter hat. Der gotische Kirchenbau feiert 2019 ein besonderes Jubiläum, denn vor 150 Jahren wurde der Bau der Domtürme nach 10-jähriger Bauzeit vollendet.

 

Der Kalvarienberg: Heilige Stätten in der eigenen Heimat sichtbar machen

Oben angekommen richtete sich Bischof Dr. Rudolf Voderholzer an die Gläubigen und stellte fest, dass der Dreifaltigkeitsberg nicht nur der Balkon oder die Terrasse Regensburgs sei, sondern auch der Kalvarienberg der Regensburger. Als im Mittelalter die Kreuzfahrer und zahlreichen Pilger den weiten Weg in das Heilige Land auf sich genommen hatten, erzählten sie von den Wirkungsstätten Jesu, wie dem Kreuzweg in Jerusalem. Die Leute wollten diesem Ort nahe sein und wenn sie es schon nicht fertig bringen konnten, diese weite Reise auf sich zu nehmen, dann wollten sie diese heiligen Stätten wenigstens in ihrer Nähe sichtbar und greifbar gestalten. Und so kam es in vielen Städten Europas, so der Bischof, wo irgendein Hügel oder Berg in der Nähe war dazu, dass Kalvarienberge eingerichtet wurden. Es wurden Orte geschaffen, an denen das Leiden Jesu Christi in 14 Kreuzwegstationen sichtbar dargestellt wurde. Im 19. Jahrhundert, so die Recherche von Bischof Rudolf Voderholzer, wurde der Dreifaltigkeitsberg immer wieder Kalvarienberg genannt. Postkarten aus dieser Zeit, die im Internet zum Kauf angeboten werden, zeugen davon. Diese Berge mit ihren Kreuzwegen sind Orte der Vergegenwärtigung und des Leidens unseres Herrn Jesus Christus, so der Bischof.

Sich mit dem Kreuz des Herrn verbinden und sich trösten lassen

Warum ist diese Frömmigkeitsform des Kreuzweges so beliebt bei den Menschen gewesen und ist es immer noch? So die Frage des Bischofs an die Gläubigen:  "Weil es wunderbar ist zu wissen, dass dieses Geschehen, des in Liebe angenommenen Kreuzes durch den Gottessohn, etwas ungeheuer tröstliches ist. Zu wissen, dass das nicht nur ein Geschehen ist vor über 2000 Jahren, sondern dass das mich hier und heute angeht in allen meinen Sorgen und Nöten. Wenn mich die Scham meiner eigenen Schuld nieder zu drücken droht, wenn eine Diagnose meine eigene Gesundheit betreffend oder die eines lieben Menschen mir den Boden unter den Füßen wegzieht oder wenn jemand aus meiner unmittelbaren Umgebung stirbt und mir die Tränen in die Augen treten. Ist es denn dann nicht tröstlich zu wissen, dass es diesen Ort gibt, wo ich hingehen und mich mit dem Kreuz unseres Herrn Jesus Christus verbinden kann und mich trösten lassen und stärken lassen kann?"

Blick auf den erhöhten Herrn am Kreuz erhöht uns selbst

Das sind sicher die Beweggründe, so der Bischof, warum im 19. Jahrhundert Menschen die Kreuzwegstationen gestiftet haben. Wie viele mögen seither diesen Weg hinaufgegangen sein? Das Sinnige und Tröstliche an den Kalvarienbergen ist auch: "Man geht hinauf, man lässt langsam die Niedrigkeit hinter sich und die Aussichtslosigkeit des Alltags, um sich über die Dächer zu erheben und dann einen weiten Blick zu haben. Und vielleicht auch Abstand zu gewinnen zur bedrängenden Not. Der Blick auf den erhöhten Herrn am Kreuz erhöht mich selber, zieht mich hinauf. Und auch auf diese Weise wird Licht, Zuversicht, Hoffnung vermittelt", erklärte Bischof Dr. Rudolf Voderholzer abschließend.

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