Aufgeputzt wie ein Palmesel!

22.03.2018
Prozession am Palmsonntag durch Aufhausen.

Es gibt kaum eine Zeit, die so angefüllt ist mit alten Bräuchen wie die Osterzeit. Das vorösterliche Brauchtum beginnt am Palmsonntag mit der Weihe der Palmzweigerl oder Palmbuschen. Schon von Pfarrei zu Pfarrei gibt es hier Unterschiede, doch gepflegt wird der Brauch bis heute.

In einer feierlichen Prozession ziehen die Gläubigen, allen voran die Kinder, mit ihren Palmbuschen, zur Kirche. Früher wurde bei der Palmprozession oft ein hölzerner Palmesel, manchmal auch mit einer Christusfigur, mitgeführt. Alten Aufzeichnungen nach war es ursprünglich ein echter Esel, auf dem oft ein kostümierter Geistlicher als Christusdarsteller ritt. Da den Tieren aber schon immer die sprichwörtliche Störrigkeit eigen war, wurde das lebende Tier bald durch ein hölzernes ersetzt und eine Christusfigur daraufgesetzt. Bis zum frühen 19. Jahrhundert fanden überall in Altbayern Palmprozessionen mit einem hölzernen Esel statt. Sie sollen an den Einzug Jesu Christi in Jerusalem erinnern.

Die Geschichte der Palmesel beschreibt der Artikel "Mit dem Palmesel von Haus zu Haus" von Alois Weichslgartner aus der Altbayerischen Heimatpost.

Viel Spaß hat man anscheinend mit dem lebendigen Palmesel in Erbendorf.

Heute werden in mehreren Pfarreien im Bistum wieder echte Esel bei der Prozession mitgeführt. So zum Beispiel in Leiblfing. Allerdings nur, wenn der Esel nicht bockt, heißt es in einer Mitteilung des Pfarramts. Weniger widerspenstig sind die Esel anscheinend in Vilsbiburg, Bodenmais, Kallmünz, Sulzbach-Rosenberg, Teublitz, in der Pfarrei Kösching, in Erbendorf und im Kloster Rohr in Niederbayern. Auch in Michelsneukirchen und Schorndorf begleitet ein lebender Esel die feierliche Palmprozession. Auf dem Eichelberg dagegen wurde der Esel durch ein gutmütiges Pony ersetzt.

Sie möchten sich die Palmesel gerne ansehen? Bilder von Palmeseln im ganzen Bistum finden Sie in unserer Bildergalerie!

Besonders beliebt war der Palmeselumzug im 15. Jahrhundert. Doch bald entwickelte sich daraus vielerorts ein eher unheiliges Spektakel. Da sollen zum Beispiel in Landshut die Ministranten mit dem Palmesel ein Rennen durch die Gassen der Stadt veranstaltet haben. Gar allzu oft ging es bei diesen Umzügen wenig andachtsvoll zu. Der Palmesel wurde mit Blumen, Backwerk und sogar mit Würsten und Eiern behängt. Im Bayerischen Wald zog man mit dem Holzesel zu den Einödhöfen, nahm die Christusfigur herunter und legte sie in jedes Bett. Diese Prozedur sollte vor Krankheiten und Seuchen schützen. Nicht selten endete die Prozession dann in einer feucht-fröhlichen Gaudi.

Historische Aufnahme aus der Pfarrei Metten um 1925.

Schließlich wollte man dem unheiligen Spektakel in der Zeit der Aufklärung im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert ein Ende machen - die Prozessionen mit dem Esel wurden von staatlicher und kirchlicher Seite verboten. Da aber viele Pfarreien das Mitführen von Eselsreitern trotzdem nicht einstellten, kam es zum "Palmesel-Sturm". So genannte "Eselsmetzger" zogen von Ort zu Ort, den Palmeseln wurden Ohren und Kopf abgeschlagen, sie wurden zersägt und verbrannt. Nur einige wenige konnten - gut versteckt von ihren Geistlichen - auf Dachböden von Kirchen oder Pfarrhäusern überleben.

So gibt es heute auch im Bistum Regensburg nur noch in wenigen Pfarreien hölzerne Palmesel. Darunter in Aufhausen, Kösching, Abensberg und Elsendorf. Das wohl wertvollste Exemplar dürfte sich im Dominikanerinnen-Kloster Hl. Kreuz in Regensburg befinden. Hier wird am Palmsonntag der Palmesel aus der Zeit um 1520 am Nachmittag in der Klosterkirche aufgestellt.

Autorin: Judith Kumpfmüller


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