Bischof Aloysius Balina aus Tansania: „Aids ist durch eine Bewusstseins- und Verhaltensänderung beizukommen“

13.10.2006
Bischof Balina aus dem tansanischen Bistum Shinyanga beim Treffen mit Bischof Gerhard Ludwig und Domkapitular Peter Hubbauer, dem Referenten für weltkirchliche Angelegenheiten im Bistum Regensburg.

(pdr) Bischof Aloysius Balina aus dem tansanischen Bistum Shinyanga hat in Regensburg von der Aids-Pandemie in seiner Heimat und vom Einsatz der Kirche für die davon betroffenen Menschen berichtet. Sein Aufenthalt stand im Zusammenhang mit dem Monat der Weltmission im laufenden Oktober. Das diesjährige Motto für den Monat lautet: „Ich lasse dich nicht fallen und verlasse dich nicht.“
Bischof Gerhard Ludwig hieß seinen Mitbruder im Bischofsamt herzlich willkommen im Bistum Regensburg: „Bei uns sind Sie nicht zu Gast, sondern zu Hause, denn wir wohnen zusammen im einen Haus Gottes.“

Beide Bischöfe betonten, dass sich die Sendung der Kirche nicht in einen körperlich-materiellen und, auf der anderen Seite, einen geistlichen Bereich aufteilen lasse. „Auf diese innere Einheit der Sendung hat auch Papst Benedikt in seiner Predigt auf dem Islinger Feld in Regensburg hingewiesen“, erklärte Bischof Gerhard Ludwig. Bischof Balina (61) dankte den katholischen Hilfswerken Missio und Misereor sowie den deutschen Katholiken für die langjährige Unterstützung. Bischof Gerhard Ludwig sagte: „Die Solidaritätsaktion ist die Umsetzung dessen, was der Heilige Vater sagt: ,Wer glaubt, ist nie allein´.“ Das Verhältnis zur Kirche in Afrika sei keine Einbahnstraße, stellte der Regensburger Bischof fest und verwies auf die vielen afrikanischen Priester, die auch im Bistum Regensburg als Ortspfarrer und als Urlaubsvertretung wirken.

Bischof Balina ist in der tansanischen Bischofskonferenz für den Bereich Gesundheitswesen zuständig, in dem die katholische Kirche eine tragende Rolle spielt. In Tansania sind derzeit 6,5 Prozent aller Erwachsenen HIV-positiv. Auf einen Arzt kommen 35.000 Menschen. Viel zu spät habe die Regierung Tansanias auf die Ausbreitung der Pandemie reagiert, sagte der afrikanische Bischof. „Gerade die Kirche muss Aids zum Thema machen, um das tödliche Schweigen zu brechen“, forderte der Bischof von Shinyanga. Im vergangenen Jahr habe es in seinem Land bereits zwei Millionen Aids-Waisen gegeben, im Jahr 2020 werden es über drei Millionen sein. Wegen ihrer großen Nähe zu den Menschen könne die katholische Kirche in Tansania besonders effektiv helfen.

Bischof Balina erklärte, dem Problem HIV/Aids sei vor allem durch eine Bewusstseins- und Verhaltensänderung im Sinne der vorehelichen Enthaltsamkeit und der ehelichen Treue beizukommen. Er verwies darauf, dass im afrikanischen Botswana nach der Lieferung von vielen Tonnen von Kondomen die Infiziertenrate auf bis zu 37 Prozent der Bevölkerung angestiegen sei.
Auch Bischof Gerhard Ludwig sprach sich gegen „technische Lösungen“ aus. Die Lösung der Probleme müsse viel tiefer gehen und die moralischen Fundamente des Menschen und der Gesellschaft berühren. Ausdrücklich wandte sich der Regensburger Bischof gegen die nicht wenigen Stimmen in Deutschland, die der katholischen Kirche wegen dieser Haltung eine Mitschuld an der Ausbreitung von HIV/Aids geben. Im übrigen werde weltweit jeder vierte HIV-positiv getestete Mensch in einer katholischen Einrichtung betreut, wobei der Prozentsatz gerade in den Ländern Afrikas noch höher liege. (ven)

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