Bischof Gerhard Ludwig Müller wäscht am Gründonnerstag 12 verdienten Gläubigen die Füße - „Nur die Liebe Gottes am Kreuz schenkt uns die Freiheit von aller Selbstbezogenheit“

09.04.2009

Am Abend des Gründonnerstages feierten mehr als 1000 Gläubige mit Bischof Gerhard Ludwig Müller im Regensburger Dom St. Peter die missa vespertina, die Messe vom letzten Abendmahl, bei welcher der Regensburger Oberhirte traditionell 12 verdienten Frauen und Männern aus dem Bistum Regensburg die Füße wäscht.

Heuer stammten alle „Apostel“ zur Fußwaschung, in Hinblick auf die Seligsprechung von Frater Eustachius Kugler im Oktober dieses Jahres, von Einrichtungen der Barmherzigen Brüder in der Diözese Regensburg.

In seiner Predigt ging Bischof Gerhard Ludwig Müller auf zwei Handlungen Jesu ein, die für das Verhältnis aller Gläubigen zu ihm eine bleibende Bedeutung haben. Jesus gebe den Jüngern damit ein eindrückliches Zeichen, einen Beweis seiner Liebe. Zum einem sei dies die Fußwaschung. Während des Mahles, als der Teufel schon dem Judas Iskariot im Herzen überredet hatte, Jesus zu verraten und auszuliefern, sei Jesus auf einmal aufgestanden und habe sein Gewand abgelegt und umgürtete sich mit einem Leinentuch. Nachdem er Wasser in eine Schüssel gegossen hatte, habe er begonnen, den Jüngern die Füße zu waschen und sie mit einem Tuch abzutrocknen, erläuterte der Regensburger Oberhirte und betonte dabei, dass dies nicht aus einer Laune heraus geschehen sei. Jesus habe gewusst, dass der Vater ihm alles in die Hand gegeben hatte, dass er von Gott gekommen sei und zu Gott zurückkehren würde. Warum aber, so fragte Bischof Gerhard Ludwig Müller, erniedrigte sich Jesus und wurde gehorsam bis zum Tod am Kreuz?

„Nur das Geheimnis der Liebe kann unser Herz öffnen von der krampfhaften Selbstbehauptung Gott und den Schwestern und Brüdern gegenüber. Nur die Liebe Gottes am Kreuz schenkt uns die Freiheit von aller Selbstbezogenheit, von der verstockten Besserwisserei gegenüber unserem Schöpfer, der uns nicht unterdrücken, sondern auf die Höhe seiner Liebe führen will“, betonte der Bischof.

Die zweite herausragende Handlung Jesu sei, so Bischof Gerhard Ludwig Müller, die Stiftung des eucharistischen Gedächtnismahls der Liebe Christi. In der Nacht, als er zum Tode ausgeliefert wurde, habe Jesus Brot genommen und das eucharistische Dankgebet gesprochen. Das Brot habe er gebrochen und es mit den Jüngern geteilt. Auch von dem Kelch mit Wein habe er den Jüngern zu trinken gegeben. Jedes Mal, wenn die Jünger in Zukunft von diesem Brot äßen und aus dem Kelch tränken, verkündeten sie den Tod des Herrn, bis er am Ende der Zeit wiederkäme. Jesus stelle damit die Beziehung her zwischen dem Zeichen von Brot und Wein und seinem Fleisch und Blut, indem er sich dem Vater im Himmel als Opfer hingebe, um uns an der Liebesgemeinschaft von Vater und Sohn im Heiligen Geist teilhaben zu lassen. „Das ist mein Leib für euch. Dieser Kelch ist der Neue Bund in meinem Blut“, sprach Jesus.

„Das sind die entscheidenden Worte, durch die Christus wahrhaft, wirklich und wesentlich gegenwärtig wird, damit wir Gemeinschaft haben mit ihm und eins werden mit dem Herrn, der sich für uns am Kreuz dahingibt und uns in die Kommunion mit dem Vater einbezieht. Das Opfer Christi für uns wird gegenwärtig in der Feier der Eucharistie. Und die Kommunion mit dem Vater empfangen wir in der Kommunion mit Christus, der uns alle mit sich zu einem Leib Christi, der Kirche verbindet“, hob Bischof Gerhard Ludwig Müller abschließend hervor.

In einer anschließenden Prozession in den Domgarten gedachten Bischof, Priester, Domchor und mehrere Hundert Gläubige im Gebet der Ölbergstunde, der Nacht vor Jesus Christus Verhaftung und Geißelung. Schülerinnen aus den Regensburger Marienschulen flankierten den Weg mit Fackeln.

Nach dem Johannesevangelium hat Jesus in der Nacht vor seinem Tod ein Mahl gehalten und ihnen während dieses Mahles die Füße gewaschen. Mit diesem Dienst, den sonst nur Sklaven leisteten, deutete er den Jüngern sein eigenes Leben und ihren zukünftigen Auftrag als liebevollen Dienst füreinander. Heute werden alljährlich 12 verdienten Gläubigen aus der Diözese stellvertretend für die 12 Apostel während der Gründonnerstagsliturgie die Füße gewaschen.(jas)

Lesen Sie hier die Predigt des Bischofs im Wortlaut

Die Teilnehmer an der diesjährigen Fußwaschung waren im Einzelnen:



Barmherzige Brüder Kostenz / 94366 Perasdorf
Werner Karl Referent für Fortbildung
Franz Kellner Gesamtleiter
Josef Stahl Gruppenleiter im Kinderheim
Barmherzige Brüder Reichenbach / 93189 Reichenbach
Anneliese Stuber Schneiderei – langjährige Mitarbeiterin
Margaretha Biendl Behindertenarbeit – Hospizarbeit
Lorenz Rösl Technischer Leiter – langjähriger Mitarbeiter
Barmherzige Brüder Straubing
Karl Ringlstetter Vorsitzender der MAV – Gruppenleiter Behindertenarbeit
Martina Ritzenberger stellv. Vorsitzende des Pastoralrates BB Straubing Mitarbeiterin im Pflegedienst
Gabriele Paul Mitarbeiterin im Altenheim Verwaltung – Mitglied im Pastoralrat
Barmherzige Brüder Regensburg
Fr. Robert Wimmer Barmherziger Bruder - Rehastation
Erika Rosner Stationsleiterin – Interne Abteilung
Josef Vogt - Stationsleiter – Interne Abteilung

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