Bischof Lumen Monteiro aus Nordindien zum Weltmissionsmonat zu Gast im Bistum Regensburg

17.10.2019

Leiter der Caritas Indien informiert über die Zusammenarbeit mit missio und lernte kirchliche Sozialeinrichtungen im Landkreis Kelheim kennen

Im Rahmen des Monats der Weltmission besuchte Bischof Lumen Monteiro aus der nordindischen Diözese Agartala am 15. Oktober den Landkreis Kelheim. Am Abend informierte er im Pfarrsaal in Bad Abbach mit einem bebilderten Vortrag über sein Bistum, die Situation der Christen in Indien und  seine Zusammenarbeit mit missio. Bereits am Vormittag besuchte der Bischof drei von der  Caritassozialstation Abensberg betreute Patienten in ihren Wohnungen.  Zum Mittagessen und am Nachmittag stand zuerst das Berufsbildungswerk der Katholischen Jugendfürsorge  in Abensberg auf dem Programm. Danach statte er noch dem Cari-Markt der Caritas  in Kelheim einen Informationsbesuch ab.  Zum Abschluss des Programms führte ihn Pater Michael durch die Klosterkirche in Weltenburg.  Hintergrund des Programms, das Ruth Aigner von der Fachstelle Weltkirche und Gregor Tautz von der KEB im Landkreis Kelheim mit den Partnern zusammengestellt hatten, war, dass Bischof Lumen Monteiro als Vorsitzender der Caritas für ganz Indien verantwortlich ist und somit soziale Fragen eines seiner zentralen Arbeitsgebiete ist. So leitete er von 2005 bis 2012 das Sozialforum der regionalen Bischofskonferenz im Nordosten Indiens. Seit 2012 ist er Vorsitzender der Caritas India,  in der 171 Diözesen zusammengeschlossen sind.   

Mit der Caritas-Sozialstation Abensberg ganz nah am Leben

Begleitet von Barbara Ritter vom Team der Caritas-Sozialstation  startete Bischof Lumen Monteiro zusammen mit Julia Wolf, die ihn während seiner Tage in Deutschland im Auftrag von missio begleitet und übersetzt, Ruth Aigner von der Fachstelle Weltkirche und Gregor Tautz von der KEB im Landkreis Kelheim in den Tag. Bei einer Tochter, die ihren dementen Vater seit vielen Jahren pflegt, erlebte er, wie wichtig die Unterstützung durch den täglichen Besuch der Schwestern ist. Auch dass der Mann dadurch in seiner vertrauten Umgebung bleiben kann, beeindruckte den Bischof sehr. Johann  Schlittenbauer in Geibenstetten, der nach einem Motorradunfall im Rollstuhl sitzt,  führte den Bischof gleich in seine Werkstatt, wo er gerade ein Kreuz vor der  Kirche im Dorf restauriert.  "Von meiner Ausbildung her kenne ich mich ja eigentlich eher mit dem Elektrischen aus, aber im Lauf der Jahre habe ich das mit der Schreinerei kombiniert" erklärt er dem Bischof alle möglichen Eigenkonstruktionen. Zum Abschied zeigte er ihm dann noch eine Konstruktion im Garten, die mit Wasser, Sonne und Wind bewegt und beleuchtet wird. Die letzte Station war dann eine Mutter, die von ihrem Sohn versorgt wird und der drei Mal in der Woche von der Caritas-Sozialstation  Unterstützung bekommt.

Unterstützung in der Ausbildung für ein selbstbestimmtes Leben

 

Beim Mittagessen im Berufsbildungswerk, bei dem Auszubildende elegant und geübt die Bedienung übernahmen, konnte Bischof Lumen das Konzept gleich am Anfang live erleben. Junge Erwachsene bekommen hier eine Ausbildung, die auf ihre besondere Situation Rücksicht nimmt und die in einer engen Verbindung von Praxis und Theorie ihre Lehre absolvieren. Danach sollen sie ihren Lebensunterhalt in ganz normalen Betrieben bestreiten können. Ausbildungsleiterin Gerlinde Dubb und Diakon Thomas Beringer führten den Gast  in verschiedene Abteilungen, wie Holz, Metall, Farbe, Recycling oder zu den Gärtnern. Bei den Friseuren versprach Bischof Lumen, dass er das nächste Mal mehr Zeit mitbringt und dann als Kunde kommt. Er stellte immer wieder interessiert Rückfragen, denn  Unterstützung in der Ausbildung um den Menschen einen eigenen Lebensunterhalt zu ermöglichen,  ist in der Arbeit der Kirche in Indien ein ganz wesentlicher Aspekt. Beim Besuch im Cari-Markt in Kelheim stellten die Bereichsleiterin der Carida, Tina Rosenhammer,  und Marktleiterin Roswitha Feldbauer das integrative Konzept vor. Auch hier imponierte dem Bischof, dass auf ungewohnten Wegen  Menschen zu einem selbstverantworteten Leben geholfen wird.

 

Als Missionar im eigenen Land

 

Missio München hat in diesem Jahr Bischof Lumen Monteiro  im Rahmen der Informationskampagne zum Weltmissionsmonat nach Bayern eingeladen. Den diesjährigen weltweiten Sonntag der Weltmission hat Papst Franziskus besonders unter den Aspekt der Mission gestellt. Bischof Lumen Monteiro antwortete zum Abschluss seines Vortrags in Bad Abbach auf die Frage: "Wo geschieht für Sie Mission - in der Sozialarbeit, in der Einladung zur Liturgie oder in der Katechese?" "In allen drei Feldern und sie hängen zusammen. So lange wir in Indien nur Sozialarbeit machen bekommen wir keine Probleme, wenn wir aber das Evangelium verkünden und vor allem die Konsequenzen daraus ziehen, z.B. dass zum Beispiel alle Menschen gleich viel wert sind und gleiche Würde haben, wird es schwierig". Mit Blick auf das an diesem Tag im Landkreis Kelheim Erlebte und auch auf die Situation in seiner Heimat betonte er, dass vieles in der Arbeit der Kirche wichtig sei. Letztlich käme es aber  darauf an, dass persönliche Begegnung zwischen den einzelnen Menschen stattfinde. "Im anderen begegnen wir Gott".   Bei den Projekten, die er an diesem Tag im Landkreis Kelheim besuchte, habe er diesen persönlichen Blick auf den Anderen gespürt.  

 

Sich selbst bezeichnete er als Missionar im eigenen Land. Missionare aus Deutschland, Italien oder Frankreich gebe es in seinem Bistum schon lange nicht mehr. Bischof Lumen stammt aus der ehemaligen portugiesischen Kolonie Goa an der Westküste Indiens. Sein heutiges Bistum  Argatala ist davon 2.500 Kilometer entfernt. In Goa gibt es geschichtlich bedingt für indische Verhältnisse viele Christen. In seinem Bistum leben heute bei knapp vier Millionen Einwohnern nur  43.500 Katholiken in 20 Pfarreien. Sie gehören meist als "Tribals" der untersten gesellschaftlichen Schicht  an.  Als er 1996 erster Bischof des neu gegründeten Bistums wurde, waren es gerade mal  11.000 Katholiken  in 9 Pfarreien. "Wir können alle Missionare sein. Wir vermitteln Werte, wir bringen Bildung. Wir müssen Frieden, Geschwisterlichkeit, Vergebung und Respekt für andere durch unser eigenes Verhalten lehren." Mit seinem Amtsantritt hat Bischof Lumen Monteiro mit "JUST Agartala" eine soziale Anlaufstelle für vielfältige Probleme der Menschen am Rand der Gesellschaft eingerichtet.  Es geht um Frauenförderung,  Jugendarbeit, Unterstützung  Behinderter und in dem von gewaltsamen Konflikten gebeutelten Gebiet vor allem auch um Friedensförderung und Versöhnungsarbeit.  Auch diese Hilfe  ist gerade in der Minderheitensituation von nur 1,1 Prozent Katholiken in der Bevölkerung für Bischof Lumen Monteiro ein wichtiger Aspekt von Mission: " Unser Verständnis ist, das Evangelium und die christlichen Werte in die nichtchristlichen Gebiete zu bringen, in denen wir arbeiten".

 

Von einigen dieser Projekte berichtete Bischof Lumen bei seinem  Vortrag, der natürlich nur einen kleinen Ausschnitt bieten konnte. Er zeigte, wie Frauen durch den gemeinsamen Kauf einer Maschine zur Verarbeitung  des Saftes des Gummibaums zu Kautschuk ein Vielfaches von dem verdienen, das sie für das Abliefern des Saftes bekommen hätten. Der Kauf wurde von JUST Agartala  vorfinanziert, jetzt bezahlen die Frauen ab und neue Projekte können finanziert werden. Das stärkt die Stellung der Frauen, wobei Bischof Lumen betonte, dass bei den Stammestraditionen in seinem Gebiet die Frauen eine viel stärkere soziale Position haben als im restlichen Indien. Es gebe sogar matriarchale Gesellschaften. Gemeindezentren oder Kapellen aus Stroh und Bambus, die alle zwei  Jahre neu gebaut werden müssen, konnten durch stabilere Gebäude aus Stein ersetzt werden. Das gibt Kraft für andere Aktivitäten und ermöglicht zum Beispiel in Gemeindezentren Nachhilfeunterricht am Nachmittag, der für viele einen erfolgreichen Schulabschluss erst möglich macht. Ein besonderes Augenmerk legt der Bischof auf Kinder, die nach wenigen Jahren die Schule verlassen oder von den Eltern trotz kostenlosen Unterrichts und Schulspeisung nicht zur Schule geschickt werden.  "Bei den Eltern ein Bewusstsein zu fördern, dass sie damit die Zukunft der Kinder zerstören, ist eine schwierige Aufgabe", so der Bischof. Auf vielfältige Weise versucht das Bistum durch Ausbildung, Gründung von Kooperationen und finanzielle Starthilfen Hilfe zur Selbsthilfe ermöglichen und damit ein menschenwürdigeres Leben. 

Sie sind missio

"Bei vielen dieser Projekte unterstützt uns missio. Ohne missio könnten wir als arme Diözese viele Projekte nicht durchführen. Missio, das sind Sie!" wandte sich der Bischof an die Zuhörerinnen und Zuhörer. "Weil sie missio unterstützen, kann missio uns helfen. Dafür mein ganz persönlicher herzlicher Dank und der Dank unzähliger Menschen in meinem Bistum in ganz Nordostindien und in ganz Indien".   

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