Bischof: „Sie machen auch heute Mut zum Zeugnis für die Würde des Menschen – Gedenken zum 59. Jahrestag der Hinrichtung von Domprediger Dr. Johann Maier, Michael Lottner und Joseph Zirkl am 24. April 1945

25.04.2004
Bischof Dr. Gerhard Ludwig Müller und Oberbürgermeister Hans Schaidinger beim Gedenken auf dem Dachauplatz

(pdr) „Wir müssen Gott mehr gehorchen als den Menschen.“ Für diese aus dem Glauben begründete und für das menschliche Zusammenleben und die Wahrung der Würde des Menschen entscheidende Bekenntnis seien der Regensburger Domprediger Dr. Johann Maier und die Regensburger Bürger Michael Lottner und Joseph Zirkl eindrucksvolle Zeugen, deren Gedenken nicht verblassen dürfe. Dies betonte der Regensburger Bischof Dr. Gerhard Ludwig Müller bei dem Gedenkgottesdienst für die drei Opfer des Nationalsozialismus am Samstag 24. April, im Regensburger Dom. Die drei waren am 24. April 1945 bei einer Demonstration von Frauen für eine kampflose Übergabe der Stadt Regensburg verhaftet und hingerichtet worden. Auf dem heutigen Dachauplatz , auf dem sich nach dem Gottesdienst im Dom ein Gedenken anschloss, waren Domprediger Dr. Maier und Josef Zirkl in den Morgenstunden des 25. April gehängt worden. Die Leiche von Michael Lottner, der während des Verhörs erschossen worden war, wurde unter den Galgen gelegt.

Gedenken ist nicht nur rückwärtsgewandt
Diese Opfer seien Zeugen dafür, dass man aus dem Glauben heraus sich voll und ganz für das Wohl der Mitmenschen einsetzen kann, die Angst um das eigene Leben überwindet und den Mut findet, das Richtige zu tun, nannte Bischof Gerhard Ludwig die beispielgebende Rolle der drei Opfer. Sie hätten sich zusammen mit vielen Frauen im Wissen um das Risiko, das sie eingingen, dafür eingesetzt, dass Regensburg nicht noch „in letzter Minute“ dem Erdboden gleichgemacht wird und viele Menschen sterben. „Niemand hat eine größere Liebe als der, der sein Leben gibt für seine Freunde“, das sei das Zeugnis der Männer und auch der Frauen, die ihr Leben gelassen haben im Kampf gegen die Gewaltherrschaft der Nationalsozialisten und andere totalitäre Diktaturen.

Dieses Gedenken an den Einsatz für die Würde des Menschen auch unter Todesgefahr hätte nicht nur eine rückwärtsgewandte Wirkung, betonte der Bischof. „Sie sind in unserem Herzen und wir tragen ihr Bild in uns und vor uns, damit sie uns durch ihr Beispiel und durch ihre Gebete Mut machen, dass auch wir uns Zeugnis dafür geben, dass man Gott mehr gehorchen muss als den Menschen“, verwies der Regensburger Bischof in seiner Predigt auf die bleibende Bedeutung und Aktualität des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus. „Wir leben nicht in einer Zeit, in der die staatlichen Autoritäten sich nach dem nationalsozialistischen Unrechtsmaß richten, nach dem Maß, nach dem der Recht hat, der die größere Macht hat. Wir leben Gott sei Dank nicht in einer Diktatur, aber wir müssen dennoch wachsam sein auf die Unterströmungen in der Gesellschaft, auf die Mentalitätsbildung, gerade auch bei der Jugend.“ Hier komme es damals wie heute darauf an, dass „wir klare Sicht behalten und die Menschenwürde im Mittelpunkt steht und Maß und Ziel unseres individuellen, gesellschaftlichen, unseres staatlichen und kirchlichen Handelns ist.“

Gewaltherrschaft und Terror sind niemals gottgewollt
„Wer Gott gehorcht, der ist menschlich. Gerade auch in unserer Zeit muss immer neu gesagt werden, dass Terroristen, die sich auf Gott berufen, sich niemals auf den wahren Gott, den lebendigen Gott und Vater aller Menschen berufen können“, so der Bischof in der Predigt weiter. „Die Hingabe des eigenen Lebens hat nur dann ein Gewicht, wenn sie aus Liebe zu Gott und aus Liebe zu den Menschen geschieht.“ Wer sich auf Gott berufe, um Menschen zu schaden oder in einem terroristischen Selbstmordakt gar sein eigenes Leben wegwirft und andere mit in den Tod reißt, „der ist ein Diener des Bösen und niemals ein Diener Gottes.“

So betonte der Regensburger Bischof den an der Würde jedes einzelnen Menschen orientierten Glauben an Gott. Gott habe jedem Menschen seine Würde geschenkt, jeder Mensch trage die Würde der Gottebenbildlichkeit in sich und niemand habe das Recht – für welche Ziele auch immer - ihm diese Würde zu nehmen. „Der Mensch darf niemals Mittel zum Zweck werden, sondern der Mensch ist um seiner selbst willen da und darum ist das moralische Gebot der Achtung der Menschenwürde eines jeden die Grundlage des Zusammenlebens.“ Dies sei auch die Basis für das fruchtbare und friedliche Zusammenleben mit Menschen anderer Religion und anderer Kulturen. „Für diese Haltung der Achtung der Würde des Menschen sind diese Männer, die vor 59 Jahren ihr Leben riskiert und verloren haben, für uns bleibendes Vorbild“, umschreib der Bischof die bleibende Bedeutung des Gedenkens.

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