Blick auf das Leben und schriftstellerische Schaffen von Ida Friederike Görres – Diözesan- und Begegnungstag der Ackermann-Gemeinde im Bistum Regensburg

14.05.2019

Den Böhmerwald, in dem sie aufwuchs, und letztlich die katholische Kirche, sah die von 1901 bis 1971 lebende und wirkende Schriftstellerin Ida Friederike Görres als ihre zentrale und wichtigste Heimat. Über diese auch von Papst Benedikt XVI. geschätzte Frau referierte beim diesjährigen Diözesan- und Begegnungstag der Ackermann-Gemeinde im Bistum Regensburg die emeritierte Professorin Dr. Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz.
Unter dem Titel „Vielfarbige Heimaten: Ein Leben zwischen den Kulturen“ referierte Gerl-Falkovitz, die bis Ende März 2011 Inhaberin des Lehrstuhls für Religionsphilosophie und vergleichende Religionswissenschaft an der Technischen Universität Dresden war, über die Schriftstellerin Ida Friederike Görres. Zunächst gab die Vortragende einen Einblick in das Leben der am 2. Dezember 1901 auf Schloss Ronsperg in Böhmen geborenen Frau, die japanische und österreichische Wurzeln hatte. Der Böhmerwald und seine Atmosphäre habe Görres, so Gerl-Falkovitz, schon in der Kindheit und Jugend ein „Gefühl der Heimat“ verliehen, das sich später in ihren Gedichten niederschlug. Die Professorin erwähnte Görres‘ Mitarbeit in der Jugendbewegung, liturgischen Bewegung, katholischen Frauenbewegung und Akademikerbewegung. Diese vielfältigen Aktivitäten habe Görres mit zahlreichen Schriften bzw. Gedichten vertieft. Geprägt durch die Erziehung bei den Englischen Fräulein in St. Pölten habe sich für die Autorin – neben dem Böhmerwald – die katholische Kirche als Heimat herauskristallisiert.
Körperlich eingeschränkt durch eine Lähmung habe Görres das Zweite Vatikanische Konzil mehr aus der Distanz verfolgt und manche – nicht alle – „jugendbewegten Erwartungen“ eingelöst gesehen. Entsprechend habe sie differenziert dazu Stellung bezogen. Eingeladen zur Würzburger Synode, brach Görres nach ihrem Vortrag bei einer Sitzung in Frankfurt zusammen und starb am Tag danach, am 15. Mai 1971. „Böhmen war nicht von den Eltern, sondern von der Landschaft her ihre Heimat. Am Ende wurde die Kirche ihre einzige Heimat“, fasste die Referentin zusammen.

Erinnerungen von Otmar Dostal

Der Diözesan- bzw. Begegnungstag war dem Thema „Frieden und Versöhnung im Herzen Europas“ gewidmet. Neben dem Hauptreferat über Ida Friederike Görres standen die Eröffnung der Ausstellung „Zeugen für Menschlichkeit“ in der Niedermünsterkirche (bis 22. Mai zu besichtigen) und ein biografisches Gespräch mit dem langjährigen Diözesansekretär und -vorsitzenden Otmar Dostal im Fokus der Veranstaltung. „Wir waren der Benzinlieferant, der Motor waren die Leute“, charakterisierte Otmar Dostal die Arbeit der Ackermann-Gemeinde während seiner aktiven Zeit.

Gute Freundschaft und Nachbarschaft mit dem Bistum Pilsen

Eröffnet wurde der Tag mit einem vom Geistlichen Beirat Domdekan Prälat Johannes Neumüller zelebrierten Gottesdienst in der Kolpinghauskapelle. In der Predigt ging er auf die bevorstehende Europawahl ein und stellte fest, dass Krieg, Flucht und Vertreibung immer noch aktuell sind und die Nachrichten bestimmen. Umso mehr freute er sich über die „schönen Erfahrungen der letzten Jahre und Jahrzehnte“, der Freundschaft und Nachbarschaft zwischen den Diözesen Pilsen und Regensburg.

Wesentlicher Beitrag der Ackermann-Gemeinde

Die guten Beziehungen – auch der Ackermann-Gemeinde – zwischen Regensburg und Pilsen betonte auch der Diözesanvorsitzende der Ackermann-Gemeinde Karl-Ludwig Ritzke in seiner Begrüßung. Zu den mehr als 70 Jahren Frieden und Versöhnung im Herzen Europas habe auch „das Ackern der Ackermann-Gemeinde wesentlich beigetragen“, stellte Prof. Dr. Sigmund Bonk, Direktor des Albertus-Magnus-Forums, in seinem Grußwort fest. Damit seien Bayern und Böhmen in die Mitte Europas, ins Herz des Abendlandes zurückgekehrt.

Online Welt wieder einblenden

Onlinewelt öffnen
Onlinewelt schließen