Briefe als lebensdienliche Seelsorge an Graf Westerholt Forschung mal jenseits des Priesterkreises: Sailers Theologie stand in der Zeit, war sensibel und hatte auch den ein oder anderen Schuss Humor

28.11.2018

„,Mein vertrauter Herzensfreund …‘ – Bischof Sailer und Alexander Graf von Westerholt“, das war der Titel einer weiteren besonderen Veranstaltung des Akademischen Forums Albertus Magnus in Regensburg. Vorgestellt wurden die neuesten Forschungsergebnisse der Kommunikation und ihrer Inhalte des Regensburger Bischofs Johann Michael Sailer (1751-1832), der sich als großer geistlicher Führer der Kirche von Regensburg – und weit darüber hinaus – erwies. Der Fokus dieser Forschung, die Dr. Gabriele Zieroff durchführt und die sie am vergangenen Dienstagabend vorstellte, liegt erstmals nicht auf dem Priesterkreis um Sailer, sondern auf einem Laien und – wie Dr. Zieroff auch sagte – Weltchristen.

Die anregende Präsentation und Diskussion der Ergebnisse aus der mehrjährigen Erforschung der Korrespondenz erfolgte in Anwesenheit von Bischof Dr. Rudolf Voderholzer und Generalvikar Michael Fuchs. Auch zahlreiche Spezialisten zum Thema Johann Michael Sailer waren in den Salzstadel an der Steinernen Brücke gekommen. Kundig leitete Prof. Dr. Sigmund Bonk, Direktor des Akademischen Forums, die Versammlung. Die Moderation der Forschungspräsentation lag bei dem Regensburger Pastoraltheologen Prof. Dr. Peter Scheuchenpflug, der wie Dr. Zieroff an der Fakultät für Katholische Theologie der Universität Regensburg wirkt.

Die enge und lebenslange Freundschaft zwischen Alexander Graf von Westerholt (1763-1827) und Johann Michael Sailer kam durch den reformierten Pfarrer Johann Caspar Lavater (1741-1801) zustande. Sie war von einem tiefgehenden Vertrauen der beiden Männer zueinander geprägt. Insbesondere die Briefe Sailers an seinen Freund, den leitenden Beamten des damaligen Fürstlichen Hauses Thurn und Taxis, spiegeln das Leben beider Briefpartner in einem umfassenden Sinne wider. Sie werfen darüber hinaus bezeichnende Schlaglichter auf die zeitgeschichtliche politische und kulturelle Situation der Aufklärungszeit und der Säkularisation in Bayern. Nicht zuletzt zeigt sich darin Sailer ein weiteres Mal als Seelsorger, der auf die persönlichen Bedürfnisse und Belange seines Korrespondenten mit viel Empathie einzugehen weiß. Bei der Präsentation fielen frühe schematisierte oder gar graphische Darstellungen in den Briefen Sailers auf. Auch der gelegentliche Schuss Humor, den manche Stellen offenbaren, ließ aufhorchen.

Dr. Gabriele Zieroff deutete nach der Vorstellung ausgewählter Stellen aus den Briefen die Korrespondenz als „lebensdienliche Pastoral“. Die Theologie, die sich hier zeigt, sei nicht systematisch, wohl aber sei die Verbindung unauflöslich, die sich hier aus Leben und Theologie zeigt. Die Forschung ist Teil des Projektes „Johann Michael Sailer und seine konfessionsübergreifenden Kreise“ der Deutschen Forschungsgemeinschaft.